Vorurteile und Mythen: Wie gesund sind Eier wirklich?

Das Ei polarisiert seit Jahrzehnten: Schadet das Cholesterin im Eigelb dem Herzen oder liefert es wertvolle Nährstoffe? Die aktuellen Fakten im Überblick.
von  (ncz/spot)
Morgens kommt vielerorts das klassische Frühstücksei auf den Tisch.
Morgens kommt vielerorts das klassische Frühstücksei auf den Tisch. © Sharyfox/iStock via Getty Images

Ob als schnelles Frühstücksei, im fluffigen Omelett oder als versteckter Helfer im Kuchen - das Ei ist aus vielen Küchen kaum wegzudenken und doch sorgt es regelmäßig für hitzige Diskussionen am Esstisch. Denn das Ei sorgt seit Jahrzehnten für widersprüchliche Schlagzeilen: Schmeichelt das tägliche Frühstücksei der Gesundheit wirklich oder belastet es vielleicht sogar das Herz?

Das Nährstoffprofil

Ein durchschnittliches Ei enthält etwa sechs bis sieben Gramm hochwertiges Protein, das alle neun essenziellen Aminosäuren in einem optimalen Verhältnis für den menschlichen Körper aufweist. Neben den Vitaminen A, D, E und verschiedenen B-Vitaminen ist besonders der hohe Gehalt an Cholin hervorzuheben, einem Nährstoff, der für den Fettstoffwechsel und die Gehirngesundheit eine zentrale Rolle spielt.

Die im Eigelb enthaltenen Antioxidantien Lutein und Zeaxanthin unterstützen zudem nachweislich die Sehkraft und können das Risiko für altersbedingte Makuladegeneration senken.

Die Cholesterin-Debatte

Der wohl hartnäckigste Mythos betrifft das im Eigelb enthaltene Cholesterin und dessen vermeintlichen Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aktuelle Langzeitstudien bestätigen, dass das über die Nahrung aufgenommene Cholesterin bei den meisten Menschen tatsächlich nur einen geringen Einfluss auf den Serum-Cholesterinspiegel im Blut hat.

Die körpereigene Produktion in der Leber reguliert sich in der Regel nach unten, wenn vermehrt Cholesterin verzehrt wird. Für gesunde Personen stellt der Konsum von einem Ei pro Tag nach heutigem Kenntnisstand kein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkte dar.

Anders sieht das die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Im Frühjahr 2024 überarbeitete sie ihre Empfehlungen grundlegend und nennt in ihren aktualisierten lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen nun ein Ei pro Woche. Diese Zahl ist jedoch nicht als strikte medizinische Obergrenze zu verstehen, sondern als Teil einer Strategie für eine pflanzenbetonte und nachhaltige Ernährung. Die DGE betont heute eher die ökologischen Aspekte und die Reduktion tierischer Produkte insgesamt, während das Ei als Nährstoffquelle für Vitamin B12 weiterhin geschätzt wird.

Individuelle Unterschiede

Trotz der allgemeinen Entwarnung gibt es Gruppen, die beim Verzehr achtsam sein sollten. Menschen mit Typ-2-Diabetes oder einer bestehenden Hypercholesterinämie reagieren mitunter empfindlicher auf die Zufuhr von Nahrungscholesterin, weshalb in diesen Fällen eine Absprache mit medizinischem Fachpersonal ratsam bleibt.

Zudem ist die Zubereitungsform entscheidend für den gesundheitlichen Wert; ein in reichlich Butter gebratenes Spiegelei mit Speck unterscheidet sich in seiner Wirkung auf die Gefäßgesundheit deutlich von einem pochierten Ei auf Vollkornbrot.

Fazit

Die Frage nach der Gesundheit von Eiern lässt sich heute mit einem klaren Ja beantworten, sofern sie Teil einer ausgewogenen, pflanzenbetonten Ernährung sind. Neben den Inhaltsstoffen sollte auch die Herkunft stark im Fokus stehen: Eier aus Freilandhaltung oder ökologischer Erzeugung weisen oft ein günstigeres Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren auf. Wer Eier maßvoll genießt und auf eine fettarme Zubereitung achtet, profitiert von einer der effizientesten Nährstoffquellen, die uns zur Verfügung stehen.

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