Versicherungen und Vorsorge als Berufsanfänger: So klappt's mit den Finanzen

Auto, Kleidung, Reisen: Für Jobeinsteiger tun sich mit dem ersten Gehalt plötzlich ganz neue Möglichkeiten auf - Experten raten, auch vernünftig für die Zukunft vorzusorgen.
| Hubert Obermaier
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Versicherung, Vermögen, Gehalt: Beim Start ins Berufsleben ändert sich einiges. Denn der neue Status "Arbeitnehmer" beschert einem nicht nur ein regelmäßiges Gehalt. Man muss sich auch um seine finanziellen Angelegenheiten selbst kümmern.
Versicherung, Vermögen, Gehalt: Beim Start ins Berufsleben ändert sich einiges. Denn der neue Status "Arbeitnehmer" beschert einem nicht nur ein regelmäßiges Gehalt. Man muss sich auch um seine finanziellen Angelegenheiten selbst kümmern. © Franziska Gabbert/dpa

München - Wenn das erste Vollzeit-Gehalt aufs Konto fließt, ist das für Berufseinsteiger ein besonderer Moment. Ging es als Student oder Azubi vor allem darum, irgendwie über die Runden zu kommen, steht auf einmal mehr Geld zur Verfügung. Dem jungen Arbeitnehmer eröffnen sich damit völlig neue Möglichkeiten. Neues Auto, schicke Kleidung, Urlaub im Ausland und die neue Wohnungseinrichtung - das alles rückt mit dem ersten Gehalt plötzlich in greifbare Nähe.

Versicherungen und Finanz-Vorsorge: Was ist wichtig?

Doch Vorsicht: Berufsanfänger sollten erst ihre Finanzen auf solide Beine stellen, bevor sie ihren neu gewonnenen Wohlstand verprassen, raten Experten. Themen wie den nötigen Versicherungsschutz sollten Berufseinsteiger am besten sofort bei Job-Start angehen. Andere Bereiche der persönlichen Finanzplanung drängen nicht ganz so sehr, können sich jedoch umso mehr lohnen, je früher Angestellte sich darum kümmern. Wichtige Punkte sollten auf der To-do-Liste nicht fehlen dürfen.

Versicherungsschutz regeln

Im Studium war das Leben noch einfach: Die Krankenversicherung lief über die Eltern, auch um Hausrat und Haftpflicht musste man sich keine Sorgen machen - schließlich zahlte dort bei Schäden ebenfalls die Familienpolice. Mit dem Start ins Berufsleben müssen sich junge Menschen zum ersten Mal selbst versichern. In Deutschland herrscht Krankenversicherungspflicht, um diese Police kommen Berufsanfänger also nicht herum. Bei allen anderen Versicherungen haben sie in der Regel die Wahl - und sind angesichts der Angebotsvielfalt oft überfordert.

Private Haftpflichtversicherung

Verbraucherschützer halten neben der Krankenversicherung nur eine andere Police für unverzichtbar - die private Haftpflichtversicherung. Sie greift, wenn der Versicherte einem Dritten unabsichtlich einen Schaden zufügt. Wer etwa einen Unfall mit großem Sachschäden oder sogar Verletzten verschuldet, muss mit hohen Zahlungen rechnen, teilweise sogar mit lebenslangen Rentenzahlungen an die Opfer.

Wer die aus eigener Tasche bestreiten muss, ist womöglich dauerhaft ruiniert. Eine Haftpflichtversicherung sollte mindestens Schäden bis zu einer Höhe von zehn Millionen Euro abdecken, raten Experten.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist für alle diejenigen wichtig, die von ihrem Gehalt leben müssen - und das sind die meisten Menschen. Die Police ist also eine Entscheidung fürs Leben. Deshalb ist eine sorgfältige Auswahl wichtig. Wer entsprechend versichert ist und aufgrund psychischer Probleme oder anderer Krankheiten seinen Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kann, erhält eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente. Es ist sinnvoll, diese Versicherung möglichst früh abzuschließen. Junge Menschen erhalten günstigere Tarife, weil sie meist noch fit sind. Außerdem schließen Versicherer bestimmte Vorerkrankungen von der Versicherung aus. Diese muss der Versicherungsnehmer im Versicherungsantrag angeben. Tut er dies nicht, verwirkt er in der Regel seinen Versicherungs-schutz, wenn das verschwiegene Leiden den Versicherungs-fall auslöst - und die Vorerkrankung rauskommt.

Das Problem: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist zwar wichtig, aber nicht ganz günstig. Als eine günstige Alternative für junge Menschen sehen Experten eine private Unfallversicherung. Sie geht über den häufig nicht ausreichenden Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung hinaus, hilft aber nicht bei Berufsunfähigkeit durch Krankheit.

Altersvorsorge in die Wege leiten

Viele Deutsche fürchten sich vor Altersarmut, doch nur die wenigsten sorgen privat vor - Berufseinsteiger meist noch seltener als andere Altersgruppen. Dabei lohnt es sich gerade für junge Menschen, früh mit der Vorsorge zu starten. Denn je eher sich Arbeitnehmer um ihre Altersvorsorge kümmern, desto mehr Geld können sie im Ruhestand erwarten. Dafür sorgt der sogenannte Zinseszinseffekt. Einfach erklärt: Wer langfristig Geld fürs Alter zurücklegt, etwa mit einem Fondssparplan, bekommt dafür Zinsen. Auf diese Beiträge plus Zinsen gibt es über die Jahre hinweg wieder Zinsen - das angelegte Kapital vermehrt sich also umso stärker, je mehr Zeit ins Land geht. Berufseinsteiger sollten den Zinseszinseffekt für sich arbeiten lassen, sei es bei der privaten oder der beruflichen Altersvorsorge.

Vermögenswirksame Leistungen nutzen

Arbeitnehmer in Deutschland verschenken regelmäßig Geld, weil sie ihren Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen verfallen lassen. Das ist ein Zuschuss von bis zu 40 Euro im Monat, den Unternehmen zusätzlich zum Gehalt zahlen, um Mitarbeiter beim Vermögensaufbau zu unterstützen. Viele Arbeitgeber sind tariflich dazu verpflichtet, vermögenswirksame Leistungen zu gewähren - andere Unternehmen tun es oft freiwillig.

Mitarbeiter können aus vier verschiedenen Anlageformen wählen, die sie über den Zuschuss besparen wollen: Bauspar- und Banksparpläne stehen ihnen ebenso offen wie Fondssparpläne oder eine betriebliche Altersversorgung (bAV). Berufsanfänger sollten aktiv nachfragen, ob ihr Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen anbietet.

Kosten im Zaum halten

Die Ausgaben für die wichtigsten Versicherungen lassen sich in der Regel durch Tarifvergleiche niedrig halten. Am Anfang sollte es darum gehen, die laufenden Kosten so niedrig wie möglich zu halten, damit Spielräume für andere Ziele bleiben. Sind die nötigsten Versicherungen abgeschlossen, sollte noch ein Notgroschen zur Seite gelegt werden.

Rücklagen bilden

Sobald man richtig verdient, darf man sich natürlich auch was gönnen. Wer aber nach dem Studium oder der Ausbildung kein Geld auf der hohen Kante hat, sollte sich zuerst eine Notfallreserve zulegen, raten Experten. Als Richtwert gelten drei bis fünf Nettomonatsgehälter, die Sparer am besten auf einem Tagesgeldkonto parken. Dort wirft das Geld zwar aktuell kaum Zinsen ab, ist aber jederzeit verfügbar. Berufseinsteiger können so unvorhergesehene Ausgaben wie eine Autoreparatur oder eine plötzlich notwendige Reise bezahlen, ohne dass gleich das Konto ins Minus rutscht und der teure Dispokredit dafür herhalten muss. Wer seine eiserne Reserve nutzt, sollte zusehen, sie möglichst bald wieder auf das vorherige Niveau aufzustocken. Denn Notfälle können jederzeit wieder eintreten.

Schulden abbauen

Sind noch Schulden vorhanden, ist es sinnvoll, diese erst zurückzuzahlen, bevor auf neue Anschaffungen oder die Altersvorsorge gespart wird. Da die Sparzinsen selbst auf einem Tiefpunkt sind, Kreditzinsen aber im Vergleich sehr hoch, ist es ökonomischer, erst Schulden zu begleichen. Sind die Kredite erst einmal bezahlt, ergeben sich auch für Sparvorhaben ganz neue Spielräume.

Fazit

Spätestens nach ein paar Monaten im neuen Job sollten sich Berufseinsteiger Zeit nehmen, sich ausführlicher mit ihrer Finanzplanung zu befassen. Wer beim Aufbau der persönlichen Finanzen systematisch und mit Disziplin vorgeht, verschwendet weniger Geld, zieht den maximalen Nutzen aus seinen Einkünften und erreicht in seinem Arbeitsleben auch einen ansehnlichen Vermögensaufbau.

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