US-Ärzte verpflanzen Gesicht

In einer Marathon-Transplantation haben Ärzte in den USA ein ganzes Gesicht, beide Kieferknochen, Zunge und Zähne übertragen.
| dpa
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In einer Marathon-Transplantation haben Ärzte in den USA ein ganzes Gesicht, beide Kieferknochen, Zunge und Zähne übertragen. Es sei die weltweit bislang aufwendigste Gesichtstransplantation gewesen, berichteten die beteiligten Mediziner.

Baltimore - An ihr seien mehr als 150 Ärzte und Schwestern beteiligt gewesen, teilte die Universität von Maryland am Mittwoch in Baltimore mit. Die Operation hatte 36 Stunden gedauert, mit der Vorbereitungszeit sogar doppelt so lange.

Patient war der 37 Jahre alte Lee Norris aus Virginia. Der Mann hatte sich vor 15 Jahren bei einem Unfall das halbe Gesicht weggeschossen. Die schweren Wunden vernarbten, doch ohne Lippen, mit verstümmelter Nase und zerstörter Kieferpartie sah der junge Mann aus wie eine Karikatur. Er ging nur noch selten auf die Straße, verhüllte sein Gesicht und ging nur nachts einkaufen. Zu den Ärzten in Baltimore kam er das erste Mal vor sieben Jahren.

Seit dem ersten spektakulären Fall im November 2005 hat es schon etwa zwei Dutzend Gesichtstransplantationen gegeben, keine war nach Angaben der Ärzte aber so umfangreich gewesen wie diese. "Wir haben die modernsten chirurgischen Methoden und Computertechniken genutzt, um Gesicht, Unterkiefer und Oberkiefer inklusive der Zähne und eines Teils der Zunge zu übertragen", sagte Chefarzt Eduardo Rodriguez.

"Zudem haben wir die Weichteile von der Kopfhaut bis zum Hals, inklusive der darunterliegenden Muskeln übertragen, um Gesichtsausdrücke zu ermöglichen." Auch die Nerven wurden verbunden, um Gefühl und Funktion zu haben. "Unser Ziel ist, die Gesichtsfunktionen wiederherzustellen und ein auch ästhetisch ansprechendes Resultat zu haben." Den Medizinern gelang es zudem, den Körper des Patienten daran zu hindern, das neue Gewebe wieder abzustoßen - das ist stets eine besonders hohe Hürde bei Transplantationen.

Unterstützt wurde das Projekt von der amerikanischen Marine. Die Navy erhofft sich Erkenntnisse, um die Gesichter von im Kampf verwundeten Soldaten wiederherstellen zu können. Die Ärzte vergaßen aber auch nicht, denen zu danken, die alles möglich gemacht hatten: "Die Familie des anonymen Spenders hat großzügig die Organe gegeben und mit dieser heroischen Spende noch fünf andere Leben gerettet."

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