Urteil im Fall "Casa Pia": Kindesmisshandlung in Waisenhaus

Die spektakuläre Kinderschänder-Affäre „Casa Pia“ um Prominente und Angehörige der sogenannten besseren Gesellschaft hat in Portugal ihren Höhepunkt erreicht.
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Eines der vermeintlichen 32 Opfer: Bernardo Teixeira vor einem Gericht in Lissabon.
Armando Franca/AP Eines der vermeintlichen 32 Opfer: Bernardo Teixeira vor einem Gericht in Lissabon.

Lissabon - Die spektakuläre Kinderschänder-Affäre „Casa Pia“ um Prominente und Angehörige der sogenannten besseren Gesellschaft hat in Portugal ihren Höhepunkt erreicht.

Ein Gericht hat alle Angeklagten für schuldig befunden. Sieben Menschen, unter ihnen mehreren Prominenten, waren in der „Casa-Pia“-Affäre massiver Kindesmissbrauch sowie Vergewaltigung und Kuppelei zur Last gelegt worden. Bei der Urteilslesung sprach das Richterkollegium am Freitag in Lissabon alle Angeklagten in mehreren Punkten schuldig. Zu welchen Strafen die Beschuldigten verurteilt werden, sollte erst am Ende der Urteilslesung am späten Nachmittag bekanntwerden.

Nach einem Mammutprozess von knapp sechs Jahren Dauer kam das Gericht in Lissabon an diesem Freitag nun zu einem Urteil. Die jahrelangen Opfer waren laut Staatsanwaltschaft mindestens 32 Minderjährige des staatlichen Waisenhauses „Casa Pia“ in der portugiesischen Hauptstadt.

Der Skandal schockierte die Nation nach ersten Enthüllungen der Wochenzeitung „Expresso“ im November 2002 und hielt das Land bis zum Ende des Prozesses in Atem. Zu den mutmaßlichen Tätern gehört auch der 68-jährige Showmaster Carlos Cruz, der bei Ausbruch des Skandals einer der beliebtesten Fernseh-Moderatoren Portugals war. Gestanden hat im Laufe des Verfahrens aber nur einer der Angeklagten, und zwar der ehemalige Gärtner und Fahrer des Heimes Carlos Silvino.

Auf der Anklagebank saßen außerdem der frühere Botschafter und Politiker Jorge Ritto, der Arzt João Ferreira Diniz, der Unternehmer Manuel Abrantes, der Anwalt Hugo Marçal sowie Gertrudes Nunes, deren Haus als Tatort gedient haben soll. Die Staatsanwaltschaft forderte Mindeststrafen von fünf Jahren Freiheitsentzug ohne Bewährung. Die möglichen Höchststrafen betragen in Portugal bis zu zehn Jahren.

Die Täter seien „völlig skrupellose Menschen“, sagte eines der mutmaßlichen Opfer der Zeitung „Público“. Der heute 23-jährige Miguel fügte an: „Die bereuen das alles immer noch nicht. All diese Sachen sind immer noch in meinem Kopf, tauchen in meinen Alpträumen immer wieder auf“. Mit einer Laufzeit von fünf Jahren und zehn Monaten ist es bereits das längste Prozess in der Geschichte Portugals. Das Gericht tagte 450 Mal, fast 1000 Zeugen und Sachverständige wurden gehört. Immer wieder gab es Kritik an den schleppenden Ermittlungen.

Beobachter erklärten jedoch, das Verfahren werde mit der ersten Urteilsverkündung noch längst nicht zu Ende gehen. Die Anwälte der Angeklagten würden auf jeden Fall Berufung einlegen, um irgendwann auf Verjährung pochen zu können, hieß es in den Medien. (dpa)

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