So werden Hühner aufgezogen und geschlachtet

Hühner sind auf Hochleistung gezüchtet – sowohl Bio als auch konventionell gehaltene Tiere. Trotzdem gibt es große Unterschiede.
| Nina Job
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Freilauf auf einem Öko-Hof.
dpa Freilauf auf einem Öko-Hof.

München - Schon seit mehr als 4.000 Jahren versorgt uns das Huhn mit Fleisch und Eiern. Das darin enthaltene Eiweiß hat die höchste biologische Wertigkeit, die ein natürliches Nahrungsmittel haben kann und es ist der am besten sättigende Nährstoff. Unser Organismus nutzt es zum körpereigenen Eiweißaufbau. Darüber hinaus liefern Eier wertvolle Vitamine, Mineralstoffe und andere wichtige Nährstoffe.

Der Cholesterin-Mythos gilt heute als überholt, laut Forschern überwiegen die positiven ernährungsphysiologischen Eigenschaften. Doch das Leben fast aller Hühner ist alles andere als entspannt. Im Hof frei herumlaufen, scharren, picken und ab und zu ein Ei ins Stroh legen – das ist die absolute Ausnahme.

Für Legehennen und Masthühner wurden unterschiedliche Rassen auf Höchstleistung gezüchtet. Legehennen legen bis zu 300 Eier im Jahr. Masthühner müssen im Turbotempo Fleisch ansetzen: 1950 brauchte ein Artgenosse etwa 120 Tage, bis er 1,5 Kilo wog, heute nur noch 30. Ob die Brathähnchen männlich oder weiblich sind, ist egal.

Dagegen werden bei den Legehühnerrassen die männlichen Küken oft geschreddert – sie würden zu wenig Fleisch ansetzen und gelten als unrentabel. Mit dem millionenfachen Töten der Eintagsküken soll 2021 Schluss sein, bis dahin soll das Geschlecht schon im Ei bestimmt werden. Die Eier mit männlichen Embryos werden dann schon vor dem Schlüpfen aussortiert.

Statistisch gesehen isst jeder Deutsche fast 14 Kilo Hühnerfleisch und 230 Eier pro Jahr. 701 Millionen Hühner wurden 2017 geschlachtet. Die meisten (63 Prozent) lebten zuvor in riesigen Ställen in "Bodenhaltung". Erlaubt ist außerdem die Haltung in "Kleingruppen" mit noch schlechteren Tierschutz-Standards sowie die Freilandhaltung und die Öko-Erzeugung (Kennzeichnung s. u.). So unterscheidet sich das Leben eines Bio-Huhns von einem in Bodenhaltung. 

Hühnerzucht: Geburt 

Dass ein Hahn eine Henne bespringt und diese dann ihre Eier ausbrütet – das gibt es kaum noch. Schon die Befruchtung für die konventionelle Hühnerzucht läuft künstlich ab: In "Elterntierfarmen" wird Hähnen der Samen abgezapft und Hennen in die Kloake gespritzt. Die befruchteten Eier werden dann in Brütereien geliefert, wo sie unter Rotlicht ausgebrütet werden. Direkt nach dem Schlupf entscheidet sich, ob das Küken leben darf: männliche, die nicht für die Mast bestimmt sind, werden getötet.

Aufzucht von Masthähnchen und Legehennen

Die Lebensetappen eines Huhns finden in verschiedenen "Produktionsstufen" statt. Direkt nach dem Schlüpfen werden die Küken gegen Krankheiten wie zum Beispiel Bronchitis geimpft. Noch am selben Tag werden die Küken zum Geflügelhof oder in den Stall transportiert. Ein Masthähnchen wird 30 bis 40 Tage gemästet. Jahrzehntelang wurden Legehennen in den ersten Tagen die Schnabelspitze gestutzt (kupiert). Der Schnabel ist mit Nerven durchzogen und sehr empfindlich, deshalb ist das Kupieren sehr schmerzhaft. Es kommt häufig vor, dass Tiere dabei sterben. 2017 haben sich die bayerischen Geflügelzüchter selbst verpflichtet, die Schnäbel von Legehennen nicht mehr zu kupieren.

Hühnerleben

Bodenhaltung klingt halbwegs natürlich – ist es aber nicht. In der Regel kommen die Hühner in ihrem kurzen Leben nie raus, sondern werden in riesigen Hallen mit Zehntausenden Artgenossen eingesperrt. Der "Boden" kann auch aus vier Etagen bestehen. Dann teilen sich 18 Hühner einen Quadratmeter Stallfläche (Volierenhaltung). In einer Gruppe dürfen bis zu 6.000 Legehennen leben. Zwei Drittel der Stallfläche werden mit Gitterrosten aus Kunststoff ausgelegt, durch die der Tierkot auf Entsorgungsbänder oder in Kotgruben fällt.

Die Versorgung mit Futter und Wasser erfolgt automatisch. Anders als bei Bio- oder Freilandhaltung gibt es keinen Auslauf, nur einen Scharrbereich mit Streu. Zur Eiablage können die Hennen Nester aufsuchen. So leben mehr als die Hälfte aller bayerischen Hennen. Wegen der Enge kommt es häufig zu Verhaltensstörungen: zum Beispiel zum Federpicken und Kannibalismus. Der Stress, dem die Tiere ausgesetzt sind, führt nicht selten zum Tod, bevor sie schlachtreif sind. Damit die Tiere ihren spitzen Schnabel nicht als Waffe gegeneinander einsetzen, wurden die schmerzempfindlichen Schnäbel lange Zeit routinemäßig kupiert. Mittlerweile ist das Schnabelkürzen auch in konventionellen Betrieben tabu.

Masthähnchen werden so gezüchtet, dass sie innerhalb kurzer Zeit möglichst viel Muskelfleisch ansetzen. Dafür wird ihr Hungertrieb künstlich manipuliert. Sie bekommen einen Energie- und Nährstoffmix aus Weizen, Mais, Soja, Raps und Sonnenblumenschrot mit synthetischen Aminosäuren. Die Knochen halten mit dem schnellen Wachstum oft nicht mit und kapitulieren. Vor allem gen Ende des manischen Fressens können sich viele Tiere kaum noch auf den Beinen halten. Neun von zehn Masthühnern erhalten Antibiotika.

Tod: Ende eines Hühnerlebens

Masthähnchen leben etwa fünf Wochen, dann wiegen sie 1,5 Kilo. Hähnchen, die für die Verarbeitung von Keulen oder Brustfilets vorgesehen sind, werden 40 Tage bis auf 2,5 Kilo gemästet. Legehennen werden nach einem Jahr geschlachtet. Der Tod kommt vollautomatisch: Die Tiere werden in einem Elektrowasserbad oder mit Kohlendioxid betäubt und mit einem rotierenden Messer geköpft. Der Schlachthof "Oldenburger Geflügelspezialitäten", der für Wiesenhof produziert, darf 432.000 Hähnchen schlachten – pro Tag.

Geburt bei Öko-Geflügel

Auch beim Öko-Geflügel geht es los mit dem Ei – und das kaufen Bio-Betriebe meist ebenfalls aus konventionellen Brütereien. Also solchen, in denen die männlichen Küken, die nicht für die Mast bestimmt sind, getötet werden. Aber: Mittlerweile gibt es mehrere Initiativen, bei denen auch die männlichen Tiere aufgezogen werden. Zum Beispiel die "Bruderhahn Initiative Deutschland" (BID), die teils strengere Anforderungen hat als Demeter und Bioland. Bei Basic gibt es eine "Bruderherz-Initiative", in Biomärkten und bei Real heißt das Projekt "haehnlein". Vorreiter im konventionellen Bereich war 2016 Rewe mit der Initiative "Spitz & Bube". Penny und Aldi Süd brachten "Henne und Hahn"-Eier auf den Markt.

Aufzucht auf dem Bio-Hof

Auf Bio-Höfen und in Betrieben, die speziellen Tierschutzanforderungen entsprechen, war das systematische Kupieren der Schnäbel – wie es auf konventionellen Höfen üblich war – schon immer tabu. Zu Fressen bekommt das Bio-Huhn nur Biologisches: zum Beispiel Erbsen, Getreide oder Ackerbohnen. 95 Prozent des Futters müssen aus ökologischem Anbau stammen, davon 50 Prozent aus Eigenanbau. Das Eigelb ist heller, da keine synthetischen Dotterfarbstoffe verfüttert werden. Antibiotika und Hormone sind hier streng verboten.

Öko-Hühnerleben

Bei der Biohaltung hat jedes Huhn mindestens vier Quadratmeter Auslauf mit Büschen, Bäumen oder Unterständen. Im Stall dürfen maximal sechs Tiere pro Quadratmeter gehalten werden. Auf mindestens einem Drittel der Stallfläche können die Hühner scharren, sie haben Legenester und Sitzstangen. In einem Stall dürfen maximal 3.000 Legehennen untergebracht sein. Vorbeugender Medikamenteneinsatz ist verboten.

Der größte Vorteil gegenüber allen anderen Haltungsformen ist die biologische Wirtschaftsweise der Betriebe. Die Tierhaltung ist flächengebunden. Das heißt: Es werden nur so viele Tiere gehalten wie von der Fläche ernährt werden können. Das bedeutet, dass auch nur so viel Kot erzeugt wird, wie der Boden an Nährstoffen aufnehmen kann.

Das Futter wird ohne Pestizide, chemisch-synthetische Dünger und Gentechnik hergestellt. Kranke Tiere sind mit Naturheilmitteln zu kurieren. Der Einsatz von Antibiotika wird sehr viel restriktiver gehandhabt. Anders als bei den übrigen Haltungsarten dürfen die Schnäbel nicht systematisch gekürzt werden. Von allen Haltungsformen ist die Biohaltung die tierfreundlichste. In Bayern macht sie aber nur sieben Prozent aus: Rund 500.000 Hennen werden so gehalten.

Doch auch bei Bio-Hühnern kann es zu Verhaltensstörungen kommen. Tierschützer sehen unter anderem in der Überzüchtung der Legehennen eine Ursache für Tierleid. Die ökologische Mastgeflügelhaltung ist in Deutschland noch eine Nische. Der Marktanteil liegt gerade mal bei 1,2 Prozent. Ökohähnchen werden langsamer gemästet. Laut EU-Rechtsvorschriften müssen sie mindestens 81 Tage alt sein (konventionell: 30 Tage), bevor sie geschlachtet werden. Vorher dürfen sie auch mal ins Freie. Vorgeschrieben sind vier Quadratmeter Grünauslauf pro Masthähnchen.

Tod eines Öko-Huhns

Die natürliche Lebenserwartung eines Huhns liegt bei etwa zehn bis 15 Jahren. Auch Öko-Legehennen werden nach zwölf bis 15 Monaten getötet, weil sie dann weniger Eier legen. Bis dahin hat die Bio-Henne etwa 280 bis 300 Eier produziert. Ein Bio-Masthuhn ist mit 81 Tagen schlachtreif. Getötet wird es üblicherweise in denselben Schlachthäusern wie die konventionell aufgezogenen Hühner. Legehennen enden als Suppenhuhn.

Was bedeutet der Code auf dem Ei?

Eier haben seit 2004 eine einheitliche Kennzeichnung.

Die erste Ziffer des Eiercodes informiert über die Haltungsform:

0 = Ökologische Erzeugung ("Bio")
1 = Freilandhaltung
2 = Bodenhaltung
3 = Käfighaltung

Die Buchstaben geben Auskunft, aus welchem Land das Ei stammt:

DE = Deutschland
AT = Österreich
IT = Italien
NL = Niederlande

Beispiel: 0-DE-1234567 ist ein Bio-Ei aus Deutschland. Das gilt aber nur für den Aufdruck auf dem Ei. Wenn auf der Verpackung DE steht, bedeutet dies nur, dass Deutschland der Ort der Verpackung ist. Die Eier können aus einem anderen Land kommen. Der Code am Ende (Beispiel: "1234567") sagt, aus welchem Bundesland und von welchem Produzenten die Eier stammen. Hier helfen die App Eiercode und die Webseite was-steht-auf-dem-ei.de.

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