Umfrage: Viele Deutsche unterschätzen das Tempo von Einbrechern

Nur 22 Prozent der Erwachsenen in Deutschland glauben, dass Einbrecher weniger als eine Minute brauchen, um in ein Haus einzudringen. Die Mehrheit rechnet mit deutlich mehr Zeit: 44 Prozent gehen von einer bis drei Minuten aus, 17 Prozent sogar von vier bis sechs Minuten. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Sicherheitstechnik-Anbieters Ring, der unter anderem Überwachungskameras und Video-Türklingeln vertreibt.
Wie schnell ein Einbruch tatsächlich gehen kann, weiß Hermann Wenning aus eigener Erfahrung. Der ehemalige Einbrecher arbeitet heute als Autor und Experte für Einbruchprävention. In der Pressemitteilung von Ring zur Studie erklärt er: "Bei einem schlecht gesicherten Fenster oder einer einfachen Tür war ich oft in wenigen Sekunden drin. Selbst eine Minute ist verdammt lang, wenn man weiß, wo man ansetzen muss." Viele Menschen stellten sich einen Einbruch mit Werkzeug und viel Lärm vor. Tatsächlich genügten häufig schon ein unbeobachteter Moment und ein Schlag gegen die Scheibe.
Am wenigsten rechnen junge Erwachsene mit einem so schnellen Einbruch. Von den 18- bis 24-Jährigen tippen laut Pressemitteilung nur acht Prozent auf weniger als eine Minute. Unter den 45- bis 54-Jährigen sind es 31 Prozent.
Nur jeder Zwölfte hat ausreichend vorgesorgt
"Bei mir gibt's eh nichts zu holen" - dieser Aussage aus der Umfrage stimmt fast jeder Vierte zu. 23 Prozent sehen deshalb keinen Bedarf für Einbruchschutz. 21 Prozent geben an, über das Thema schlicht selten nachzudenken, neun Prozent setzen auf ihre Nachbarschaft. Passend dazu haben 63 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten nichts Konkretes unternommen, um ihr Zuhause besser zu sichern.
Sicher fühlen sich trotzdem die meisten. 82 Prozent sagen das auch für die dunkleren Herbst- und Wintermonate, unsicher sind nur drei Prozent. Ausreichend vorgesorgt haben nach eigener Einschätzung aber nur jeder Zwölfte (acht Prozent). Weitere 22 Prozent haben etwas getan, sehen bei sich aber noch Luft nach oben.
Dabei ist die Zahl der Wohnungseinbrüche zuletzt gestiegen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet für 2025 bundesweit 82.920 Fälle einschließlich der Versuche. Im Jahr zuvor waren es noch 78.436 gewesen.
Wenning: "Einbrecher wollen keine Zuschauer"
43 Prozent schreiben sichtbarer Sicherheitstechnik wie Kameras, Video-Türklingeln oder Flutlicht eine starke oder sehr starke abschreckende Wirkung zu. Nur zehn Prozent glauben, dass sie Einbrecher kaum oder gar nicht abhält. Wie gut solche Geräte tatsächlich schützen, misst die Umfrage allerdings nicht.
Weit verbreitet sind die Geräte bislang nicht: 22 Prozent der Befragten besitzen eine smarte Kamera oder Video-Türklingel, weitere 16 Prozent planen eine Anschaffung. 57 Prozent haben weder ein solches Gerät noch entsprechende Pläne.
Für den ehemaligen Einbrecher Hermann Wenning ist vor allem entscheidend, dass ein Haus Aufmerksamkeit auf sich zieht. "Einbrecher wollen keine Zuschauer. Sobald ein Haus Aufmerksamkeit erzeugt, durch Licht, eine sichtbare Kamera oder das Gefühl, dass jemand da ist, kippt für sie die Rechnung."
Für die repräsentative Online-Umfrage hat YouGov vom 5. bis 7. Oktober 2026 im Auftrag von Ring insgesamt 2.017 Erwachsene in Deutschland befragt.