Überfall auf Willi Weber: Mutmaßliche Räuberbande gefasst

Sie drangen in die Villen ein, sie fesselten ihre Opfer und ergriffen teils mit einer Millionenbeute unerkannt die Flucht. Ihr prominentestes Opfer: der frühere Formel 1-Manager Willi Weber, der im vergangenen Dezember in seiner Stuttgarter Villa brutal überfallen und misshandelt wurde. Nun sind vier Männer in Rumänien festgenommen worden, die nicht nur Weber und seine Frau, sondern auch mindestens zwei weitere Ehepaare in Stuttgart und ein Paar im bayerischen Altenstadt ausgeraubt haben sollen.
Gefesselt, bedroht und eingesperrt
"Ihre Vorgehensweise war von Brutalität geprägt", beschreibt die Polizei die Methode der mutmaßlichen Räuber. "Sie sollen die Ehepaare gefesselt, bedroht, zum Teil verletzt und stundenlang eingesperrt haben, um an ihre Beute zu gelangen." Allein bei den beiden Stuttgarter Überfällen geht die Polizei von einer Beute in Millionenwert aus. Die vier Männer im Alter zwischen 32 und 55 Jahren hatten es nach Angaben der Polizei vor allem auf Schmuck, Geld und Wertgegenstände abgesehen.
Bereits kurz nach dem Überfall auf Weber war die Vermutung aufgekommen, der Raub könne in Zusammenhang stehen mit einem weiteren Fall in Stuttgart Mitte September: Damals hatten Einbrecher ein älteres Ehepaar in dessen Haus überwältigt und ausgeraubt. Sie gingen dabei laut Polizei brutal vor, brachen die Terrassentür auf, schlugen den Mann und zwangen ihn - wie später auch Weber -, einen Tresor zu öffnen. Danach schlossen sie das Paar in einem Raum ein und flüchteten mit Schmuck, Geld und Wertgegenständen im Millionenwert. Das Ehepaar war Stunden später von der Tochter gefunden worden.
Raubten sie auch ein Paar in Bayern aus?
Bereits im Januar vergangenen Jahres war ebenfalls in Stuttgart ein Paar auf ähnliche Weise in seinem Haus ausgeraubt worden. Mitten in der Nacht hatten drei Einbrecher sie im Schlaf geweckt, überwältigt und Schmuck im Wert von mehreren Hunderttausend Euro geraubt. Auch dieser Fall wird den nun festgenommenen Männern laut Polizei zugerechnet.
Und auch im Landkreis Neu-Ulm sollen die Männer nach Angaben der Ermittler zugeschlagen haben: In Altenstadt drangen sie im vergangenen Juni zu viert in ein Anwesen ein, sie überraschten die Familie und fesselten ihre Opfer. "Hierbei bedrohten sie die Geschädigten auch mit Schusswaffen und schlugen diesen mehrfach ins Gesicht", teilte die Polizei mit. "Anschließend durchwühlten die Täter das gesamte Haus nach Wertgegenständen." Die gefesselte Familie habe sich später befreien und die Polizei verständigen können.
Auch Europol half mit
"Die Ermittlungen zu den Tatbeteiligungen der einzelnen Tatverdächtigen, zu Tatzusammenhängen und zu möglichen weiteren Taten sind noch nicht abgeschlossen", teilte die Polizei nach den Festnahmen mit. In Zusammenarbeit mit Europol - der zentralen Strafverfolgungsbehörde der Europäischen Union - sowie mit rumänischen und französischen Polizisten und deren Spezialeinheiten seien die Verdächtigen im Bereich des Kreises Vaslui in Rumänien gefasst worden. Zeitgleich wurden Wohnungen in Frankreich und Neu-Ulm durchsucht.
"Die beispiellose Skrupellosigkeit, mit der die Tatverdächtigen vorgegangen sind, hat den Druck auf die Ermittlungen natürlich noch mehr erhöht", sagte Markus Eisenbraun, der Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Stuttgart. "Das Gefühl von Wehrlosigkeit und Fassungslosigkeit können wir den betroffenen Personen leider nicht nehmen, aber wir können dafür sorgen, dass nicht noch mehr Menschen solchen furchtbaren Angriffen in ihren eigenen vier Wänden ausgesetzt sind."
Willi Weber ist erleichtert
Weber zeigte sich nach der Festnahme der mutmaßlichen Täter dennoch erleichtert: "Das ist schon eine Genugtuung", sagte die frühere rechte Hand von Formel-1-Legende Michael Schumacher der Deutschen Presse-Agentur. "Aber es ist auch nicht so, dass man sich sicherer fühlt", meinte der 83-Jährige weiter.
Die vier verdächtigen Rumänen sollen nach Deutschland ausgeliefert werden. Gegen sie liegen europäische Haftbefehle vor.