Tauben auf dem Balkon? Warum die Stadtvögel unsere Hilfe brauchen

Kaum ein Stadtvogel polarisiert so sehr wie die Taube. Für die einen ist sie die "Ratte der Lüfte", für andere ein Überlebenskünstler der Großstadt. Hinter dem schlechten Ruf steht jedoch ein Tier, das stark von menschlicher Stadtentwicklung abhängig ist - und oft unterschätzte Hilfe braucht.
(ncz/spot) |
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Sie werden verscheucht und beschimpft, dabei sind Stadttauben Nachfahren gezüchteter Haustiere.
Sie werden verscheucht und beschimpft, dabei sind Stadttauben Nachfahren gezüchteter Haustiere. © Hvalur/iStock via Getty Images

Kaum ein Tier hat in deutschen Städten einen so schlechten Ruf wie die Taube. Obwohl sie seit Jahrhunderten als Symbol für Frieden und Liebe gilt, begegnen viele Menschen Stadttauben mit Ablehnung. Die Vögel werden als "Ratten der Lüfte" beschimpft, von Balkonen verscheucht oder als Schädlinge betrachtet.

Dabei ist ihr negatives Image weitgehend unverdient. Stadttauben übertragen nicht mehr Krankheiten als andere Stadtvögel und sind keine lästigen Eindringlinge, sondern Nachfahren domestizierter Haus- und Brieftauben. Mit anderen Worten: Sie sind ein Haustier, das der Mensch einst gezüchtet und anschließend sich selbst überlassen hat.

Laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) haben Stadttauben in urbanen Räumen vor allem ein Problem: Sie finden kaum noch natürliche Brutplätze und ausreichend artgerechtes Futter. Gleichzeitig sind sie extrem standorttreu und auf menschliche Strukturen angewiesen. Das erklärt auch, warum sie so häufig auf Balkonen, Fenstersimsen oder in Innenhöfen landen: Diese Orte ersetzen die ursprünglichen Felsnischen, in denen sie früher brüteten.

Was tun, wenn Tauben auf dem Balkon sind?

Gerade im Sommer werden Tauben auf Balkonen, Fensterbänken und Hausdächern besonders sichtbar. Wer die Tiere dort entdeckt, muss jedoch nicht automatisch von einem Problem ausgehen.

Wenn sich bereits ein Nest mit Eiern oder Jungvögeln auf dem Balkon befindet, sollte es nicht entfernt werden. In Deutschland greifen hier tierschutzrechtliche Regelungen, da das Stören von Brutplätzen problematisch sein kann. Stadttaubenhilfen oder kommunale Projekte bieten in solchen Fällen Unterstützung und vermitteln tierschutzgerechte Lösungen.

Wenn keine Brut stattfindet, helfen vor allem vorbeugende Maßnahmen: Tauben meiden in der Regel Orte, die regelmäßig genutzt werden und keine geschützten Rückzugsflächen bieten. Ein Balkon, der offen bleibt und nicht mit Kartons, Polstern oder anderen Nischen ausgestattet ist, wird deutlich seltener als Brutplatz gewählt. Auch eine gewisse Regelmäßigkeit in der Nutzung kann bereits dazu beitragen, dass sich die Tiere andere Orte suchen.

Tauben benötigen im Sommer Unterstützung - aber das sollte man vermeiden

Viele Probleme im Umgang mit Stadttauben entstehen durch gut gemeintes, aber falsches Füttern. Brot und Essensreste sind für Tauben ungeeignet, da sie kaum Nährstoffe enthalten und gesundheitliche Schäden verursachen können.

Der NABU weist darauf hin, dass Stadttauben eine kornbasierte Ernährung brauchen, die ihrem natürlichen Futter entspricht. Sinnvoll ist eine Versorgung daher nur über betreute Taubenschläge oder offizielle Fütterungsstellen, wo artgerechtes Futter gegeben und die Population kontrolliert wird.

Auch Wasser ist für Stadttauben wichtig, wird in der Stadt aber oft zum Problem. Zwar finden sie nicht immer saubere Quellen, dennoch wird von privaten Wasserstellen auf Balkonen abgeraten, da sie hygienische Risiken bergen und unkontrolliert andere Tiere anziehen können.

Stattdessen empfehlen Umwelt- und Tierschutzorganisationen städtische, geregelte Lösungen, bei denen Wasserstellen Teil eines Gesamtkonzepts der Stadttaubenbetreuung sind.

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