Swingerparty findet trotz Verbotes im Rathaus statt

Stadtrat Julien Ferrat von der Wählervereinigung "Die Mannheimer" hat Anfang August angekündigt, er wolle im dortigen Rathaus eine Swingerparty feiern. Gruppensex mit ihm sei das "Nonplusultra an Bürgernähe".
Medien in mehr als 50 Ländern berichteten inzwischen darüber, sagt er. Von der "New York Post" bis zum indischen Fernsehsender WION. Geschmunzelt wurde auch im Münchner Rathaus, wo die AZ damals nachfragte, ob so etwas hier zulässig wäre. Jetzt sagt Ferrat: Sie hat stattgefunden.
Eine "politische Swingerparty im Rathaus"?
Aus einem angemeldeten "kommunalpolitischen Stammtisch" sei am vergangenen Freitag eine "politische Swingerparty" geworden, teilt Ferrat der AZ mit. Neun Personen hätten teilgenommen, sieben Männer und zwei Frauen, 28 bis 55 Jahre alt.
Raum 58a sei drei Stunden gebucht gewesen, zu sexuellen Handlungen sei es rund eine Stunde lang gekommen, zwei Männer hätten nur zugeschaut. An Ausstattung hätten eine schwarze Decke und eine Luftmatratze gereicht.

"Das war einfach die pragmatischste Lösung", lässt Ferrat wissen. Der Raumantrag sei schließlich – wenn auch für einen anderen Zweck – genehmigt gewesen. Es sei "die schönste Veranstaltung im Rathaus" gewesen, an der er je teilgenommen habe, schwärmt der 35-Jährige.
Mehr Steuereinnahmen durch Sextourismus
Sein Fazit: "Es war eine kleine, aber feine Swingerparty." Und er sei nicht der einzige Kommunalpolitiker im Raum gewesen. Ein Bezirksbeirat, der im Vorjahr schon bei der "Politischen Bildungsfahrt" ins südfranzösische Cap d’Agde dabei gewesen sei, habe wieder mitgefeiert. Kritik perlt an ihm ab: Wer meckere, bereue nur, nicht dabei gewesen zu sein.
Dahinter steckt ein altes Anliegen Ferrats. Cap d’Agde ist ein Badeort an der französischen Mittelmeerküste, dessen Naturistendorf zu den größten FKK-Anlagen Europas zählt, mit eigenem Strand, Supermärkten, Bars und einer international bekannten Swingerszene.
Genau so etwas wünscht sich Ferrat offenbar für Mannheim. Die Stadt solle sich dem FKK- und Swingertourismus öffnen. Der Stadtkasse brächte das Millionen, ist er überzeugt. Die Party lief entsprechend unter dem Motto "Ein FKK-Swinger-Paradies für Mannheim".
Die Stadt hatte es eigentlich schriftlich verboten
Ferrat hat in den letzten Wochen Mitteilungen an Redaktionen verschickt, bietet Gespräche mit einer Teilnehmerin an und führt Buch über die eigene Resonanz in der Presse. Der AZ hat er auch intime Fotos von der Party zugeschickt.
Im Mannheimer Rathaus dürfte das Lachen leiser ausfallen. Ferrat habe zu Jahresbeginn Räume für Stammtisch und Bürgersprechstunden reserviert, teilte die Stadt mit. Man habe ihn schriftlich darauf hingewiesen, dass der Raum "nicht für Nacktveranstaltungen, Swinger-Partys und ähnlichem genutzt werden darf".
Die Verwaltung ging deshalb davon aus, dass die angekündigte Party so nicht stattfinden könne. Auch den Werbeaufruf im Amtsblatt hatte sie verwehrt. Schade eigentlich, meint Ferrat, dann wären wohl mehr Leute gekommen. Ferrat habe diese Vorkehrungen unterlaufen und den Raum "anscheinend zweckentfremdet". Damit liege eine "gröbliche Verletzung der gemeinderätlichen Treuepflicht" nahe. Über ein Ordnungsgeld müsste deshalb nun der Stadtrat entscheiden.
In München wäre die Veranstaltung nicht explizit untersagt
Wie weit käme man mit einem solchen Vorhaben in München? Die Antwort des Presse- und Informationsamts fiel kürzlich heiter aus: Swingerpartys seien in der Hausordnung des Rathauses "nicht ausdrücklich erwähnt", also auch nicht explizit verboten. "Vermutlich dachte bei der Formulierung niemand an diese Möglichkeit." Ein Antrag wurde hier bis Ende August aber nicht gestellt.
Am Dienstweg käme allerdings auch der Freizügigste nicht vorbei. Räume im Neuen Rathaus vergibt die Geschäftsleitung des Direktoriums, der Raumnutzungsvertrag untersagt Sittenwidriges, "insbesondere bei sexistischen oder pornografischen Inhalten". Ob eine Swingerparty darunter fiele? Würde erst im Fall eines Antrags geprüft. Ob sie die "Würde des Hauses" beschädigt, auf der die Hausordnung besteht? Müsste ebenso geklärt werden.
Immerhin am Sperrbezirk würde es nicht scheitern. Der Marienplatz liegt zwar mittendrin, doch solange nicht für sexuelle Dienstleistungen abkassiert werde, gelte die entsprechende Verordnung nicht, teilte das Kreisverwaltungsreferat auf Anfrage mit.