Südtirols Sommer-Ski-Paradies gibt auf – wegen der Hitze

Skifahren mitten im Sommer – für viele Wintersport-Fans gehört das am Stilfser Joch zum festen Programm. Doch jetzt stehen die Lifte plötzlich still. Was hinter der Schließung des letzten großen Sommer-Skigebiets Europas steckt.
Franziska Hofmann |
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Hier ist es noch weiß: Skitouristen 2021 am Stilfser Joch.
Eberhard Thonfeld/imago Hier ist es noch weiß: Skitouristen 2021 am Stilfser Joch.

Schlepplift statt Strandliege und Schneegestöber statt 30 Grad und Sonne - wer selbst im Sommerurlaub noch eisige Temperaturen und Pistenkilometer bevorzugt, war hier bislang gut aufgehoben.

Doch damit ist am Stilfser Joch in Südtirol jetzt erst einmal Schluss. Nach Zermatt und Saas-Fee in der Schweiz muss nun auch das letzte und größte Sommer-Skigebiet Europas schließen.

Bereits am vergangenen Wochenende wurde der Betrieb bis auf Weiteres eingestellt, teilt der Betreiber Sifas auf seiner Webseite mit. „Diese schmerzliche, aber notwendige Entscheidung wurde aufgrund der ungünstigen Wetterbedingungen unumgänglich, die das Gebiet in den letzten Wochen beeinträchtigen“, heißt es weiter. Denn die Hitzewellen der vergangenen Wochen machten auch vor den Alpen und knapp 3000 Höhenmetern nicht Halt.

Für Experten kommt das Aus nicht sonderlich überraschend

Üblicherweise konnten sich Wintersport-Ultras hier auch in den Sommermonaten zwischen Mai und November auf mehr als 20 Pistenkilometern austoben. Doch die anhaltend warmen Temperaturen haben dafür gesorgt, dass es selbst in der Nacht auf dem Stilfser Gletscher kaum abkühlte, teilt der Betreiber mit.

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So konnte auch die Schneedecke nicht mehr ausreichend zufrieren. Hinzu kamen häufige Gewitter, „die den Zustand des Gletschers zusätzlich beeinträchtigt haben“. Diese Faktoren machten es „unmöglich, die gewohnten Qualitäts- und vor allem Sicherheitsstandards zu gewährleisten, die für den Sommerskilauf erforderlich sind“, schreibt Sifas weiter.

Für Experten kommt das nicht sonderlich überraschend - die größere Überraschung, so sagt es etwa der Leiter des Landesamtes für Hydrologie, Stauanlagen und Gletscher im Bezirk Bozen, Roberto Dinale, sei, dass der Betrieb überhaupt so lange aufrechterhalten werden konnte: „Auch weil wir ganz andere Sorgen haben sollten und der Hausverstand es uns sagen sollte, dass man auf dieser Höhe im Sommer nicht mehr Skifahren kann. Es ist nicht das, was die Natur derzeit auf unseren Bergen hergibt“, sagte der Experte dem italienischen Nachrichtenportal „RaiNews“.

 Profi-Skisport muss in Zukunft seine Methoden überdenken

Das Team am Stilfser Joch hingegen will die Hoffnung noch nicht völlig aufgeben: Man werde die Situation und die Bedingungen des Berges weiterhin ständig überwachen - „in der Hoffnung auf sinkende Temperaturen und eine Verbesserung des Gletscherzustands“, heißt es auf der Webseite. Während der Skibetrieb also zumindest vorübergehend zum Erliegen kommt, soll der Seilbahnbetrieb zur Auffahrt auf den Gletscher etwa für Wanderer aktiv bleiben.

Das Stilfser Joch ist nur eines von mehreren Sommer-Skigebieten, die von der anhaltenden Hitze und dem Klimawandel heuer schon zum Aufgeben gezwungen wurden: Erst vor gut zwei Wochen musste auch Saas-Fee im Schweizer Kanton Wallis sein Sommer-Skigebiet schließen. Hier wurde die Entscheidung ebenfalls mit den veränderten Schnee- und Gletscherverhältnissen wegen der Hitze begründet.

Die Sommer-Skigebiete werden vor allem von Skirennläufern genutzt, die dort trainieren, um ihre Form für die Skirennen im Winter zu halten.

Geht es nach Dinale, wird auch der Profi-Skisport in Zukunft seine Methoden überdenken müssen: „Ich glaube, man wird auch das ganze Skigeschehen, auch was den Weltcup anbelangt, mit dem frühen Start in die Saison ein bisschen überdenken. Das würde bedeuten, dass auch die Skifahrer erst im Herbst zu trainieren beginnen auf dem Schnee und somit die Gletscherskigebiete etwas an Bedeutung verlieren”, sagte der Experte „RaiNews“.

Bereits Ende Juli hatte Zermatt die Notbremse für den Sommer-Skibetrieb gezogen.

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  • Erdbeermund am 20.08.2026 09:59 Uhr / Bewertung:

    Der Club of Rome hat schon früh darauf hingewiesen, dass die Ressourcen unseres Planeten begrenzt sind und ein dauerhaftes Wirtschaften auf ständigem Wachstum nicht funktionieren kann. Das zeigt sich auch beim Skifahren. Für den Wintersport werden große Flächen erschlossen, Wälder gerodet, Wasser für die Beschneiung verbraucht und Energie für Lifte, Schneekanonen und den Betrieb der Skigebiete benötigt. Dazu kommt die Anreise, die bei vielen Skifahrern einen erheblichen Teil der Umweltbelastung ausmacht.

    Gleichzeitig wird der Klimawandel für den Skisport selbst immer stärker zum Problem. Steigende Temperaturen verkürzen die natürliche Schneesaison und machen viele niedrig gelegene Skigebiete zunehmend abhängig von künstlicher Beschneiung. Damit entsteht ein widersprüchlicher Kreislauf: Um den Wintersport trotz des Klimawandels aufrechtzuerhalten, werden zusätzliche Ressourcen eingesetzt – obwohl genau dieser Ressourcen- und Energieverbrauch Teil des Problems ist.

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