Südtirol wehrt sich mit Drehkreuz-Maut gegen Instagram-Touristen

Die Seceda hat's erwischt: Der fotogene Berg, gut 2500 Meter hoch, liegt mitten in den Dolomiten und hat die Aufmerksamkeit jener Touristen auf sich gezogen, die nicht Erholung und Abwechslung suchen, sondern den ultimativen Selfie-Spot, um mit instagramtauglichen Bildern die Follower zu begeistern.
Das sehen die Einheimischen in aller Regel weniger gern – so nun auch jene, die den Urlaubermassen jeden Tag auf ihrem Weg zum Gipfel zuschauen können. Schon im vergangenen Jahr riss Anwohnern der Geduldsfaden, wie der ORF Südtirol berichtet. Die Gäste zertrampelten die Wiesen, hieß es, und so entschieden sich die Grundbesitzer, die Massen mit einem Drehkreuz zu lenken, an dem sie auch quasi Maut kassierten – fünf Euro pro Nase.

Rechtlich sei das in Ordnung, zitiert der ORF Peter Kasal, Direktor der Abteilung für Grundbuch und Kataster. Nun wurde noch ein zweites Drehkreuz eingerichtet, berichtet der Sender. Klaglos werde auch dort gezahlt. Doch auch wenn die Urlauber sich von der kleinen Gebühr nicht vom Weg abbringen lassen, gibt es doch Ärger, wie das Nachrichtenportal stol.it berichtet. Demnach kommen durch die "Maut" täglich 3000 Euro an Einnahmen zusammen.
"Herausgekommen ist nichts"
Das Portal zitiert Christoph Senoner, den Bürgermeister der zuständigen Gemeinde St. Christina. "Im Vorjahr haben sowohl wir als Gemeinde als auch das Land kontrolliert und analysiert, aber herausgekommen ist nichts." Da die Gemeinde keine rechtlichen Schritte gegen die Drehkreuz-Kampagne unternommen habe, sei nun das Land aktiv geworden und habe seine Juristen befragt, inwieweit ein freier Zugang zum Berg einklagbar sei: "Die Antwort fiel positiv aus, weil es sich um ein Gebiet im Naturpark Puez-Geisler handelt und das öffentliche Interesse daher gegeben ist."

Die Ämter bereiteten einen Beschluss für die Landesregierung vor, so stol.it. "Ob das Land Südtirol tatsächlich vor Gericht zieht, entscheidet die Politik." Davon sei allerdings auszugehen, da sonst ein Präzedenzfall geschaffen würde. Online zeigten viele Nutzer schon beim ersten Drehkreuz im vergangenen Sommer Verständnis für die Maßnahme. So schreibt einer über die Touristen: "Alle, ich sage alle, mit Mega-Kameras und Teleobjektiven. Ich bezweifle, dass sie den Berg wirklich mögen oder diese Leidenschaft haben, ich denke stattdessen, dass TikTok seinen Beitrag geleistet hat."
Und ein anderer fragt sich: "Wer kümmert sich um die Tonnen von Müll, die von Leuten hinterlassen werden, die den Berg wie einen Spielplatz behandeln?" Einem Dritten geht die Maut noch nicht weit genug: "Ich würde auch die Parkplätze in den Bergen sperren."