Stundenlang Schlange stehen für Sissi und König Ludwig

Sissi und König Ludwig sind der Renner im deutschen Pavillon auf der EXPO in Shanghai. Nach stundenlangem Schlangestehen vor dem Eingang reihen sich viele Besucher kurz nach dem Einlass gleich wieder auf, um ein Foto mit den beiden zu ergattern.
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Schlange stehen auf der Expo in Shanghai. Besonders beliebt: Der deutsche Pavillon.
dpa Schlange stehen auf der Expo in Shanghai. Besonders beliebt: Der deutsche Pavillon.

Shanghai - Sissi und König Ludwig sind der Renner im deutschen Pavillon auf der EXPO in Shanghai. Nach stundenlangem Schlangestehen vor dem Eingang reihen sich viele Besucher kurz nach dem Einlass gleich wieder auf, um ein Foto mit den beiden zu ergattern.

Die kostümierten Pavillon-Mitarbeiter posieren vor einer überdimensionalen Postkarte von Schloss Neuschwanstein in Bayern und lächeln Stunde um Stunde in die Kameras der fotografierenden EXPO-Gäste. Alle Bundesländer sind mit solchen Postkartenmotiven vertreten. Die Besucher, überwiegend Chinesen, danken es mit munterem Dauer-Knipsen.

Ein paar Meter weiter entsteht gleich die nächste Schlange. Die hartgesottenen Besucher reihen sich auf zur „Passkontrolle“. Für 30 chinesische Yuan haben sie einen „EXPO-Pass“ gekauft und lassen sich das gute Stück an jedem besuchten Länder-Pavillon abstempeln. Wozu die Strapazen? EXPO-Pässe mit den begehrtesten Stationen oder gar allen Länder-Stempeln verkauften sich gut, erzählen die Mitarbeiter im deutschen Pavillon. Bis zu 6000 Yuan lassen sich damit herausschlagen – kein schlechter Gewinn.

Nach der „Passkontrolle“ hört das Schlangestehen im deutschen Pavillon auf. Gedränge gibt es trotzdem. Der Bau gehört zu den meistbesuchten bei der Weltausstellung. Im Schnitt kommen 25 000 Gäste jeden Tag – 770 000 waren es im ersten Monat insgesamt. Etwa zwei Stunden müssen die potenziellen Besucher als Wartezeit einplanen. Manch einer stand schon bis zu sechs Stunden vor dem Eingang, bis Sissi und Ludwig in Sichtweite waren.

Authentisch: Im Park riecht es nach Bratwurst

Drinnen im Pavillon zeigt Deutschland seine Ideen für das Leben in der modernen Stadt: Lösungen für Energie oder Abwasser, innovative deutsche Produkte, Parks, Gärten, Fabrikszenerien und Kulturelles - vom typischen Bratwürstchenduft im Park bis zu neuen High-Tech-Materialien. Die chinesischen Besucher widmen sich beidem mit der gleichen Inbrunst, fotografieren die Plastik-Grillwurst und tätscheln das neu entwickelte Textil. Besonders beliebt sind auch Stationen, an denen sich die Gäste selbst ins Bild rücken können - unter riesiger Gartenzwergmütze oder mit Funkemariechen-Outfit. Das EXPO-Motto „Better City, Better Life“ gerät da schnell mal in den Hintergrund. Hauptsache das Foto macht was her.

Alle paar Meter steht ein Pavillon-Mitarbeiter, um die Besucher durch die Gänge zu lotsen. Mehr als 500 Menschen sind im deutschen Pavillon im Einsatz. Die meisten kommen aus Deutschland und leben die sechs EXPO-Monate über in Shanghai. Eine Art „mittelständisches Unternehmen“ sei das, sagt Pavillon-Sprecherin Marion Conrady - zumindest auf Zeit.

Die Organisation der Truppe ist nicht immer einfach: Visa bekommen, Wohnungen organisieren, Akkreditierungen besorgen. Einen Tag zuvor blieb der Pavillon mehrere Stunden geschlossen, weil für 40 Mitarbeiter plötzlich keine Akkreditierung mehr galt. Ärgerlich, aber nichts Ungewöhnliches, sagt Conrady. So etwas passiere auf jeder Weltausstellung. Sie ist EXPO-erfahren. Ein bisschen Chaos gehört dazu.

Auch das Durchlotsen von Besucher-Delegationen auf dem Gelände ist eine Herausforderung. Bevorzugter Zugang und Transport mit Extra-Bussen sind Staatschefs und Ministern vorbehalten. Politische B-Promis müssen da schon mal warten oder zu Fuß zum deutschen Pavillon laufen. Nicht jeder ist darüber „amused“.

Direkt gegenüber vom deutschen Pavillon liegen die Bauten von Frankreich und der Schweiz. Bei den Franzosen kann man heiraten, bei den Schweizern Seilbahnfahren. Die längsten Schlangen in dieser Ecke des Geländes bilden sich trotzdem am deutschen Pavillon – nicht nur wegen Sissi und Ludwig.

dpa

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