Stromtarife: Wann der richtige Zeitpunkt Geld spart
Beim Strom zählt nicht nur, wie viel ein Haushalt verbraucht, sondern zunehmend auch wann. Wer beispielsweise sein Elektroauto zu günstigen Zeiten laden lässt oder größere Haushalts-Verbraucher wie die Waschmaschine dann einschaltet, wenn der Strompreis niedrig ist, kann mit einem passenden Tarif die Stromkosten senken.
Wie groß das Potenzial sein könnte, zeigt der aktuelle "Flexibilitäts-Check" von Eon und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE), der kürzlich in München vorgestellt wurde. Nach deren Berechnungen könnten deutsche Haushalte 2026 theoretisch rund 18,3 Terawattstunden (TWh) Strom zu günstigen Zeiten nutzen - so viel wie 7,3 Millionen Haushalte in einem Jahr verbrauchen. Berücksichtigt wurden die Stromverbräuche, bei denen der genaue Zeitpunkt flexibel ist, beispielsweise kann die Wärmepumpe Warmwasser schon am solarstromreichen Mittag für den Abend vorbereiten oder der Geschirrspüler läuft erst über Nacht. Erstmals wurde in der Studie auch das Potenzial bidirektionaler E-Autos betrachtet, die als flexibler Stromspeicher fungieren und Strom zurück in das Netz abgeben können. Bis 2031 könnte der Flexibilitäts-Wert auf rund 34 Terawattstunden steigen.
E-Auto, Wärmepumpe und Speicher bieten großes Potenzial
Besonders gut flexibel einsetzen lassen sich laut Studie Heimspeicher, Elektroautos und Wärmepumpen. Auf sie entfallen aktuell zusammen rund zehn Terawattstunden der errechneten Strommenge. Werden diese Komponenten gezielt oder automatisch in günstigeren Stunden betrieben beziehungsweise geladen, könnten deutsche Haushalte nach Berechnungen von Eon und FfE insgesamt mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr sparen.
Die Autoren haben dafür unterschiedliche Tarifmodelle berechnet: "Würden alle Menschen in Deutschland ihre bereits aktuell vorhandenen E-Autos, Wärmepumpen und Heimspeicher entsprechend optimiert nutzen, könnten sie insgesamt jährlich bis zu 762 Millionen Euro sparen - ohne, dass auch nur eine einzige Kilowattstunde weniger verbraucht würde", so Filip Thon, CEO von Eon Energie Deutschland. Würden auch flexible Haushaltsgeräte wie Waschmaschine und Co. auf diese Weise optimiert, wächst die Summe auf insgesamt 1,65 Milliarden Euro an. Wie viel ein einzelner Haushalt tatsächlich spart, ist sehr individuell und hängt unter anderem vom Verbrauch, Tarif und den vorhandenen Geräten sowie deren konkreter Nutzung ab.
Wann sich dynamische Tarife lohnen können
Die Verbraucherzentrale bezeichnet Stromtarife, die nach bestimmten Verbrauchszeiten abgerechnet werden, vor allem bei hohem und zeitlich steuerbarem Verbrauch als interessant, etwa wenn ein Elektroauto, eine Wärmepumpe oder ein Batteriespeicher vorhanden sind.
Bei einem dynamischen Tarif richtet sich der Arbeitspreis nach dem Börsenstrompreis und kann sich im Tagesverlauf deutlich verändern. Niedrige Strombörsen-Preise kommen direkt beim Kunden an, umgekehrt tragen Verbraucher aber auch das Risiko hoher Börsenpreise. Selbst bei Haushalten mit E-Auto oder Wärmepumpe müsse ein solcher Tarif daher nicht immer die günstigste Variante sein, betont die Verbraucherzentrale.
Eine Alternative sind neuartige Tarife mit Flexibilitätsbonus. Bei diesen werden Kunden durch feste Bonuszahlungen incentiviert, wenn sie die Verbräuche ihrer E-Autos oder Wärmepumpen automatisiert in günstige Zeitfenster schieben lassen. So können mehrere hundert Euro pro Jahr eingespart werden. Der Arbeitspreis ist also fest, für die Verschiebung großer Verbräuche in optimale Zeiten, gibt es Boni - ohne das Risiko schwankender Preise.
Ohne Smart Meter geht es nicht
Ein wichtiger Baustein für diese Stromtarife ist ein intelligentes Messsystem, ein sogenannter Smart Meter. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur waren Ende 2025 rund 3,1 Millionen der etwa 56,5 Millionen Messstellen in Deutschland damit ausgestattet, das sind 5,5 Prozent. Dort, wo Haushalte unter den gesetzlichen Smart-Meter-Pflichteinbau fallen, etwa bei einem Jahresverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden oder bei steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen und Wallboxen, lag die Ausstattungsquote bereits bei 23,3 Prozent.
Wer wechseln möchte, prüft am besten vorab, welche steuerbaren Energielösungen im Haushalt vorhanden oder geplant sind und wie viel Strom sich dadurch tatsächlich zeitlich verlagern lässt. Informationen zu Tarifkosten, Laufzeiten und Voraussetzungen finden Verbraucher auf den Webseiten der Energieanbieter.
Dass grundsätzlich Interesse an der Energieverschiebung vorhanden ist, zeigt auch die Eon-Studie. Für sie befragte das Institut YouGov im Sommer 2026 knapp 4.300 Menschen. 68 Prozent der Befragten gaben an, größere Strommengen zu anderen Zeiten nutzen zu wollen, wenn sie dadurch finanziell profitieren. Knapp die Hälfte kennt demnach inzwischen dynamische Tarife oder Modelle mit einem festen Bonus für die zeitliche Steuerung.
Die Zahlen zeigen damit: Das Interesse an einem flexibleren Stromverbrauch ist vorhanden und deutschlandweit liegt die mögliche Ersparnis schon heute im Milliardenbereich: Wie viel man sparen kann, hängt jedoch weiterhin vom eigenen Haushalt sowie dem Verbrauchsprofil ab.
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