Stromberg: So mies ist Ihr Chef: Mach Sie den Check!

„Stromberg“ kommt in die Kinos: Millionen Angestellte kennen solche Typen und sind kreuzunglücklich in ihrem Job. Wie ist Ihr Chef so drauf: Die verschiedenen Typen.
| Agnes Vogt
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„Stromberg“ kommt in die Kinos.
ProSieben/Willi Weber „Stromberg“ kommt in die Kinos.

Stromberg“ kommt in die Kinos: Millionen Angestellte kennen solche Typen und sind kreuzunglücklich in ihrem Job. Wie ist Ihr Chef so drauf: Die verschiedenen Typen.

 München - Er ist ein unsensibles, egoistisches Stück Holz“, sagt eine Mitarbeiterin über ihren Chef. Er selbst sagt von sich: „Mit Leuten kann ich einfach. Da kannste mich auch bei den Eskimos raussetzen und binnen einer Woche ess’ ich Otternasen, Robbenfüße und bin zu Gast in jedem Iglu. Dieses Gespür für Menschen, das haste einfach, oder du hast es nicht. Und ich hab's.“

Eine fiktive Szene zwischen Bernd Stromberg und einer Kollegin. Stromberg, gespielt von Christoph Maria Herbst, ist der Vorzeige-Ekel-Chef. Er ist Abteilungsleiter der fiktiven Capitol-Versicherung. Seit nunmehr fünf Staffeln schämen sich Chef-geplagte Büromenschen Woche für Woche auf ProSieben fremd, wenn dieser glatzköpfige Kotzbrocken den Mund aufmacht. Am Donnerstag startet der erste „Stromberg“-Film in den Kinos.

Die Satire trifft einen wunden Punkt in der deutschen Arbeitswelt. Viele können sich mit den geplagten Stromberg-Untergebenen identifizieren. Noch nie waren die gegenseitigen Wahrnehmungen von Mitarbeitern und Chefs unterschiedlicher als heute: 85 Prozent der Arbeitnehmer sind in ihrem Job unzufrieden, hat das Meinungsforschungsinstitut Gallup herausgefunden. Jeder vierte Mitarbeiter hat „innerlich gekündigt“. Man macht Dienst nach Vorschrift – nach dem Motto: „Mir doch wurscht!“

Durch die daraus folgende Unproduktivität gehen der deutschen Wirtschaft jährlich 138 Milliarden Euro verloren, schätzt Gallup. Von den gefrusteten Mitarbeiter ganz zu schweigen. Die Ruhr-Uni in Bochum hat in einer Online-Befragung herausgefunden, dass der Kündigungsgrund Nummer eins der eigene Chef ist.

Ganz im Gegensatz zu diesen Zahlen halten sich 95 Prozent der Manager für eine gute und akzeptable Führungskraft, so eine Forsa-Umfrage.

Warum ist das Verhältnis so angespannt, warum ist die Wahrnehmung so verschieden? „Nicht überall ist die Kluft gleich groß“, sagt Jürgen Hesse, Psychologe, Karriereberater und Berufsstratege von Hesse/Schrader in Berlin. „Je schwächer ein Chef ist, desto mehr Abstand braucht er zu seinen Mitarbeitern. Je stärker ein Chef ist, desto mehr kann er sich Nähe erlauben“, sagt Hesse.

„Ein schwacher Chef will nicht Gleicher unter Gleichen sein. Er projiziert seine Unsicherheit auf andere, will, dass sich seine Mitarbeiter nicht sicher fühlen – weil er sich nicht sicher fühlt.“ So kommt Misstrauen ins Verhältnis zwischen Chef und Angestellten: „Er hat Angst vor seinen Mitarbeitern und überlegt sich mehrmals am Tag: Was plant die Meute? Machen die auch das, was ich denen aufgetragen habe?“

Gift für diesen Sicherheitsabstand ist die gewollte Vertraulichkeit im modernen Unternehmen, meint Jürgen Hesse. „Es ist ein Trend in unserer Gesellschaft, die Grenze zwischen Privatem und Geschäftlichem aufzulösen. Es geht darum, sich mit dem Unternehmen total zu identifizieren“, sagt er. In Firmen soll es zugehen wie in der Familie.

„Aber, um im Familienbild zu bleiben: Als Eltern kann man nicht der beste Freund seines Kindes sein. Man ist immer Erziehungsperson und hat eine Fürsorgepflicht. Darum würde ich allen Chefs abraten, sich mit ihren Mitarbeitern zu duzen“, sagt Hesse. Der Grund: „Das ,Sie’ beinhaltet eine Barriere, einen persönlichen Schutz, die durch das ,Du’ viel zu schnell eingerissen wird. Denn selten würde man jemanden mit ,Sie Idiot’ beschimpfen, sondern sagen ,Ich glaube, hier ist etwas falsch gelaufen’. ,Du Idiot’ hingegen sagt sich viel einfacher“, sagt der Beruftsstratege.

Im Übrigen ist das überkommene Bild von Familie im Verhältnis von Chefs zu ihren Angestellten in Deutschland noch oft anzutreffen: Kinder haben zu gehorchen. Chefs sind Elternfiguren, die Kollegen sind wie Geschwister – mit den einen kommt man gut, mit den anderen weniger gut aus. Jürgen Hesse sagt: „Prinzipiell dauert die Kindheit 100 Jahre. Wir sind auf unsere Eltern geeicht und übertragen das auf unsere Lehrer und später auf unsere Abteilungsleiter und Dienstherren.“

Was macht jetzt einen guten Chef aus? Mitarbeiter wollen gelobt und wertgeschätzt werden. Laut zweier Studien des Instituts für deutsche Wirtschaft (DIW) legen 69 Prozent der Deutschen Wert auf einen Chef, der sie lobt und unterstützt: In ganz Europa sind es sogar 81 Prozent. „Loben, zuhören, Menschen führen, das sind Qualitäten, die bei deutschen Chefs eher unterentwickelt sind“, sagt Arbeitspsychologe Thomas Rigotti im „Handelsblatt“.

Die Strombergs in deutschen Betrieben sind real, sagt Ralf Husmann, Autor des Films und der Serie: „Der deutsche Mann ist generell eher ein emotionaler Legastheniker.“ Nur so ein ausgeprägtes Ekel wie Bernd Stromberg sind Gott sei dank die wenigsten – das wäre auch ziemlich jämmerlich. „Auf den ersten Blick ist er ein Schwein, aber im Grunde ein armes Würstchen“, analysiert ihn Jürgen Hesse. „Wir mögen ihn, weil wir Mitleid mit ihm haben. Er ist ein ,Big Loser’, weil er alle seine Entscheidungen stets auf Kosten der anderen trifft – und am Ende steht er doch wieder alleine da“, sagt er. Agnes Vogt

 

Kleine Typologie der Chefs

 


 Der autoritäre Brüllaffe:

„Er hat Angst vor Enttarnung“, sagt Personalberater Jürgen Hesse. „Dieser Typ schlägt um sich, um sich Respekt zu verschaffen.“ Wäre er mit sich im Reinen, bräuchte er das nicht. Wenn er brüllt, gibt er seine eigene Kapitulationserklärung: „Wer brüllt, hat Unrecht. Leute, die aus der Contenance herausfahren, haben etwas zu verbergen – sie sind am Nerv getroffen“, sagt Hesse. „Wichtig ist auch: Weinen Sie nicht, werden Sie nicht laut, sondern schweigen Sie erst einmal. Schweigen ist in diesen Situationen die beste Waffe. Dann sagen Sie: ,Darüber muss ich nachdenken, ich bitte mich zu entschuldigen’, und gehen. Sie lassen ihn stehen.

Der Blender:

Er ist der smarte Verkäufer, der Narzisst, ein absoluter Strahlemann, der die Blicke sofort auf sich zieht. „Karl-Theodor zu Guttenberg ist so einer, der wunderbar eine große Show abziehen kann, aber dann ist da doch gar nicht so viel dahinter. Gefährlich ist es, denn ihm muss man demütig und ehrfurchtsvoll begegnen – sonst schneidet man sich ins eigene Fleisch“, sagt Jürgen Hesse. „Aber diese Menschen sind auch in der Lage, von ihrem Ruhm etwas abzugeben – wenn im selben Moment die Sonne noch etwas heller auf sie selbst scheint.“ Der Tipp von Jürgen Hesse für den Mitarbeiter ist: Schenken Sie dem Blender die Sonne, die er für sein Ego braucht – rein aus Opportunität. Denn der Blender denkt immer nur: Wer nicht gut für mich ist, ist gegen mich, und den kann ich in meinem Team nicht gebrauchen.

Der Nett-Besorgte:

Er ist der Beschützer von allen, der Besorgte, der von allen über jeden Schritt unterrichtet werden will. „Er nimmt jeden an die Hand, aber aus dieser fürsorglichen Führung kann auch eine sehr kurze Leine werden, mit der er seine Mitarbeiter gewaltsam führt. Im schlimmsten Fall erstickt er sie“, sagt Jürgen Hesse. Dieser Typ hat Angst, er könnte etwas übersehen oder es könnte ihm etwas entgleiten. Als Mitarbeiter gibt man ihm immer Bescheid, informiert ihn über alles – auch wenn es nervig sein sollte. Aber damit macht man sich nicht angreifbar. Heimlich etwas zu tun, das er hinterher rausbekommt, das wäre fatal.

Der Kontroll-Freak:

Dieser Typ ist mehr als depressiv. „Er denkt, ,die Welt ist gegen mich’“, erklärt Jürgen Hesse. Er sieht in allem eine Gefahr, dass ihm jemand nach dem Leben trachten könnte – oder aber, dass die Mitarbeiter an seinem Stuhl sägen. Der Umgang mit ihm gilt als besonders schwierig.

Der Intellektuelle:

Er kann am besten alleine arbeiten. Dann kommt er zwar auf gute, vielleicht fast schon geniale Ideen, die er dann aber nicht gut vortragen kann. „Das Gegenteil von diesen Typen sind Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Helmut Kohl“, sagt Hesse. „Die beiden sind volksverbunden, sie gehen auf die Menschen zu. Der Intellektuelle ist zwar ein brillanter Kopf, geht aber allen anderen aus dem Weg.“ Die Angestellten müssen das akzeptieren. Sie können nur damit punkten, in dem sie seine Ideen umsetzen und sie dann auch als sein brillantes Werk verkaufen.

Der Hysterische:

Er ist der emsige Anschieber, der aber immer wieder auch Verwirrung stiftet. Er schlägt einen Haufen Dinge vor, setzt sie aber nicht um. Dennoch kann er sehr belebend für das Team sein. In einer Überdosis ist das allerdings auch sehr anstrengend und sogar gefährlich. Sie sind schwer einzuschätzen. „Diesen quirligen Menschen, oft sind es Politiker, sollte man nicht unbedingt zeigen, dass man sie nicht ernst nimmt“, rät Jürgen Hesse.

Der Bremser:

Er ist der Depressive, der nette Kumpeltyp oder der Bedenkenträger. „Der typische Beamte“, sagt Jürgen Hesse. „Er handelt nach dem Motto: Wer nichts macht, macht auch keine Fehler.“ Als Angestellter muss man diese Menschen stärken und loben, um sie abzusichern – nicht um ihnen zu schmeicheln. Das kann einen retten, wenn man einen Bremser zum Chef hat. av

 

 

 

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