Strafen nach Cyber-Mobbing

Zwei Schülerinnen luden Fotos anderer Mädchen mit bösen Kommentaren hoch. Sie müssen jetzt 65 000 Euro Strafe zahlen
| Susanne Stephan
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen

GÖTEBORG 600 randalierende Jugendliche vor einem Gymnasium, Großeinsatz der Polizei mit Hunden und Hubschrauber, zwei Tage Unterrichtsausfall, zahlreiche Festnahmen: Als zwei Teenager in Göteborg Ende vergangenen Jahres rund 200 Fotos anderer Mädchen im Internet hochluden und mit Unterschriften wie „Schlampe“ und „Prostituierte“ versahen, hatten die Ordnungskräfte alle Mühe, die Situation unter Kontrolle zu halten. Jetzt kam der Fall vor Gericht.

Die Schülerinnen im Alter von 15 und 16 Jahren reagierten damals auf den Eintrag eines anderen Internet-Nutzers, der nach „Schlampen in Göteborg“ gefragt hatte. Die Mädchen versorgten ihn mit Fotos anderer Nutzerinnen, von denen viele nur 13 Jahre alt waren und schrieben deren angebliche sexuelle Vorlieben gleich mit dazu.

Ein geschmackloser Scherz, wie er auch in anderen Ecken des Internets – und der analogen Welt – vorkommt. Doch die beiden Mädchen hatten nicht mit der Reaktion gerechnet, die ihr dumme-Mädchen-Streich auslöste. Über Facebook organisierten Jugendliche in Göteborg einen Massenprotest. Einige hundert Gymnasiasten gingen auf die Straße, warfen Steine und Flaschen und argumentierten, sie müssten die „Ehre der Opfer“ wiederherstellen. Die Krawalle weiteten sich von zwei Schulen auf ein Einkaufszentrum aus, in dem die Kunden in den Läden Schutz vor den Randalierern suchten. Berittene Polizei wurde eingesetzt, Unbeteiligte in städtischen Bussen in Sicherheit gebracht. Die Unruhen nahmen ein solches Ausmaß an, dass die beiden Schulen vorübergehend geschlossen wurden.

Jetzt wurden die schwedischen Schülerinnen wegen schwerer Verleumdung verurteilt. Das Göteborger Gericht verurteilte die 15-Jährige zu einer Jugendstrafe, während ihre 16-jährige Freundin 45 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten muss. 38 Opfern müssen die Mädchen als Entschädigung jeweils 15 000 Kronen (1700 Euro) zahlen, insgesamt eine Summe von 570000 Kronen (65000 Euro).

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren