Spurlos verschwunden: 1700 Kinder werden in Deutschland vermisst

Mirco ist der aktuelle Fall: Aber in Deutschland werden insgesamt 1700 Kinder und Jugendliche dauerhaft vermisst – oft gibt es auch nach Jahren keine Spur. Bei der Suche spielt das Internet eine immer größere Rolle.
| Abendzeitung
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Illustration
dpa Illustration

HAMBURG - Mirco ist der aktuelle Fall: Aber in Deutschland werden insgesamt 1700 Kinder und Jugendliche dauerhaft vermisst – oft gibt es auch nach Jahren keine Spur. Bei der Suche spielt das Internet eine immer größere Rolle.

Ein kleines Mädchen, das in die Kamera lächelt. Ein Fußballkapitän, der darüber in Tränen ausbricht. Was ist passiert?

Das kleine blonde Mädchen mit dem Topfhaarschnitt ist Deborah Sassen. Vermisst seit 13. Februar 1996. Damals verschwindet die achtjährige Debbie auf dem kurzen Weg zwischen Grundschule und Elternhaus. Nie wieder gibt es ein Lebenszeichen, doch man findet auch keine Leiche. Im August machte Bayern-Kapitän Mark van Bommel in der Allianz-Arena auf Debbies ungeklärtes Schicksal und die Online-Aktion „Deutschland findet Euch“ aufmerksam.

Denn Debbies Geschichte ist kein Einzelfall. Jährlich werden in Deutschland 100 000 Menschen als vermisst gemeldet, fast die Hälfte davon Kinder. „98 Prozent tauchen innerhalb von 14 Tagen wieder auf“, sagt Lars Bruhns von der Initiative „Vermisste Kinder“, die auch „Deutschland findet Euch“ ins Leben gerufen hat. „Von einigen fehlt aber auch nach Jahren jede Spur.“ Heute gelten in Deutschland 1700 Kinder und Jugendliche als spurlos verschwunden.

So wie die Studentin Tanja Gräff. Am 6. Juni 2007 besucht sie abends mit Freunden ein FH-Sommerfest in Trier, zum letzten Mal wird sie gegen 4 Uhr am nächsten Morgen gesehen. Mit einem unbekannten, etwa gleichaltrigen Mann. Seit dieser Nacht fehlt von der jungen hübschen Frau jede Spur.

Lars Bruhns kennt auch ihren Fall sehr gut, hat viele Gespräche mit Tanjas Mutter geführt. „Nach zwei bis drei Wochen hat die Polizei die großangelegten Suchaktionen Stück für Stück reduziert“, erinnert er sich. Irgendwann ist jeder Spur nachgegangen worden, jeder Hinweis geprüft. Die Ungewissheit bleibt, doch die Suche geht weiter. Seit kurzer Zeit sogar verstärkt im Internet.

So haben sich auf Facebook innerhalb von drei Wochen mehr als 30 000 Nutzer der Gruppe angeschlossen www.deutschland-findet-euch.de. Viele hinterlassen persönliche Botschaften, drücken den Familien ihr Mitgefühl aus.

Doch viel wichtiger ist ein anderer Punkt: „Die sozialen Netzwerke bieten uns eine zusätzliche Möglichkeit, neue Hinweise über das Verschwinden zu bekommen“, sagt Bruhns. Unter den Vermissten, deren Geschichte auf Facebook steht, sind außer Tanja und Debbie mittlerweile auch der verschwundene Mirco. Und auch Maddie McCann. Am 3. Mai 2007 verschwand die damals Dreijährige aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz. Der anschließende Vermisstenaufruf ihrer Eltern war beispiellos – doch Maddie bleibt bis heute verschwunden. V. Assmann

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren