Südtirol will beliebte Passstraße dichtmachen – jetzt kommt es doch anders

Es ist so gut wie beschlossen: Die Passstraße über das Grödner Joch in Südtirol soll ab September für zwei Monate probeweise für den Individualverkehr gesperrt werden (AZ berichtete).
Doch nun scheint alles etwas anders zu kommen als gedacht. Wie das Nachrichtenportal stol.it berichtet, soll die Sperre nur "virtuell" erfolgen – und jenen, die sich nicht an das Durchfahrverbot halten, soll keine Strafe drohen. Stattdessen werde der Verkehr erfasst und alle Bewegungen würden ausgewertet.
"Die daraus resultierenden Schlüsse sollen dann in die weiteren Planungen für verkehrsberuhigende Maßnahme auf den Dolomitenpässen einfließen."
Bei diesen Punkten sieht der Landesrat Probleme
Wie stol.it weiter berichtet, soll es dem für Mobilität zuständigen Landesrat Daniel Alfreider (SVP) an Rechtssicherheit fehlen. Demnach gibt es noch viele ungeklärte Details, darunter auch datenschutzrechtliche Fragen. Auch bauliche Voraussetzungen seien trotz monatelanger Vorbereitung offenbar noch nicht gegeben, schreibt das Portal weiter. Und über tröpfchenweise durchgesickerte Informationen, die die Bürger verunsichert hätten, sei Alfreider auch verärgert.
Zuletzt hatte sich zudem Widerstand gegen die Sperr-Pläne geregt. Laut stol.it stemmte sich ein "Komitee zur Rettung der Dolomitenpässe“ gegen die Pläne. Demnach wandte sich der Hotelier Osvaldo Finazzer in einem offenen Brief an Alfeider.

Wie der italienische Fernsehsender Rai berichtet, forderte der Hotelier darin, "den Zugang zu den Tälern nicht einzuschränken, die nachhaltige Mobilität in den Tälern zu stärken, den Verkehr in den Tälern zu reduzieren und die Marketingstrategie für die Täler, insbesondere für weniger bekannte Orte, zu fördern".
Hotelier: "Grober und unüberlegter Eingriff"
Er habe bereits "Informationen über Stornierungen und Proteste von Reiseveranstaltern erhalten". Er hege außerdem Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Sperre. Diese sei "ein grober und unüberlegter Eingriff in das Leben der ansässigen Bevölkerung", gibt stol.it die Bedenken des Hoteliers wider.

Anders sah es dagegen der Direktor des Tourismusverbandes Fassatal, Nicolo Weiss, aus dem benachbarten Trentino. "Die Südtiroler haben den Mut, Neues zu wagen, und es wäre ein Fehler, wenn wir nicht darauf reagieren.“
Sollte die Sperre des Grödner Jochs wie geplant kommen und in seinem heimischen Fassatal alles bleiben, wie es ist, befürchte er dort eine noch stärkere Belastung durch Urlauberverkehr.
„Wir haben das bei den Campern erlebt. Seit die Grödner eine harte Linie fahren, ist das ganze Fassatal zu einem Parkplatz für Wildcamper geworden, weil sie alle hierher ausweichen.“
"Touristenfreie Zone": Kritik auf Instagram
Auch auf Instagram gab es Kritik an der geplanten Sperre. So schrieb ein Nutzer: "Na dann sollte dort niemand mehr hinfahren, touristenfreie Zone. Mal sehen wie lange sie das finanziell durchhalten", und ein anderer: "Dann sollen die Anwohner doch die Hotels am Laufen halten."
Ein weiterer schrieb: "Die Südtiroler sollen ruhig so weiter machen, dann sind sie bald wieder das Armenhaus der Alpen, so wie früher."