So wird das Eigenheim intelligent

Noch vor wenigen Jahren galten smarte Lampen und sprechende Lautsprecher als nette Spielerei für Technikbegeisterte. Heute sieht das anders aus: Laut einer repräsentativen Bitkom-Studie vom Dezember 2025 nutzen bereits 48 Prozent der Menschen in Deutschland mindestens eine Smart-Home-Anwendung. 2018, also vor nicht mal zehn Jahren, waren es gerade einmal 26 Prozent. Die Entwicklung zeigt steil nach oben - und wer jetzt ein Eigenheim plant, sollte diesen Trend nicht verschlafen.
Dabei geht es den meisten Nutzern um mehr Komfort und Lebensqualität, aber auch um Energieeinsparungen und Sicherheit. Smarte Heizkörperthermostate etwa regeln die Temperatur automatisch herunter, wenn gelüftet wird oder niemand zu Hause ist. Laut Verbraucherzentrale lassen sich damit zwischen zwei und acht Prozent Heizkosten einsparen.
Smart Home und Photovoltaik für mehr Energieautarkie
Richtig spannend wird es, wenn das intelligente Zuhause mit einer eigenen Solaranlage kombiniert wird. Die Bundesnetzagentur meldet für 2025 einen Zubau von 16,4 Gigawatt neuer Photovoltaik-Leistung - die Hälfte davon auf Hausdächern. Der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen oder auch der kleineren Balkonkraftwerke liegt im Eigenverbrauch: Ohne intelligente Steuerung nutzen Haushalte nur 20 bis 30 Prozent ihres Solarstroms selbst. Wer über ein Home Energy Management System (HEMS) verfügt, kann diesen Wert auf bis zu 80 Prozent steigern - und so dem Ziel von Energieunabhängigkeit einen großen Schritt näher kommen.
Immer mehr Hausbauanbieter haben das erkannt und bieten integrierte Lösungen an - manche wie der Massivhausanbieter Viebrockhaus sogar mit PV-Anlage als Standard bei allen Häusermodellen. In Verbindung mit dem optionalen HEMS und einem Batteriespeicher werden die Energiekosten effizient gesenkt, so Florian Franke, technischer Leiter der Viebrockhaus AG: "Durch die Smart-Home-Vernetzung ermittelt das System Erzeugungs- und Verbrauchsprofile, optimiert die Nutzung des selbsterzeugten Stroms, und holt dank dynamischer Stromtarife zusätzliche Energie erst dann aus dem Netz, wenn diese gerade günstig zu kaufen ist."
Schon bei der Hausplanung an die Sonne denken
Wer den smarten Teil des Hauses gleich beim Neubau berücksichtigt, hat einen entscheidenden Vorteil: Die Dachausrichtung lässt sich von Anfang an optimieren. Als Faustregel gilt laut Solarexperten: Ein nach Süden ausgerichtetes Dach mit einer Neigung zwischen 30 und 35 Grad liefert den höchsten Ertrag. Doch auch Abweichungen sind kein Drama - eine Südwest- oder Südostausrichtung kostet lediglich fünf bis zehn Prozent Ertrag.
Überraschend für viele: Eine Ost-West-Ausrichtung kann sogar Vorteile haben. Zwar liegt der Gesamtertrag etwa 20 Prozent unter dem einer reinen Südanlage, dafür verteilt sich die Stromproduktion gleichmäßiger über den Tag. Morgens und abends - wenn die meisten Familien zu Hause sind - liefern die Module zuverlässig Strom. Wer vor allem den Eigenverbrauch maximieren will, fährt damit oft besser als mit einer klassischen Südanlage.
Ein teurer Fehler: Verschattung unterschätzen
Experten warnen: Verschattungen haben weitaus gravierendere Auswirkungen auf den Ertrag als eine suboptimale Dachausrichtung. Ein einziges verschattetes Modul kann im schlimmsten Fall die Leistung eines ganzen Strangs herunterziehen. Schornsteine, Satellitenschüsseln, Gauben oder Antennen auf dem eigenen Dach sollten daher so positioniert werden, dass sie keine Schatten werfen.
Besonders tückisch: Bäume wachsen. Eine junge Birke, die heute harmlos erscheint, kann in zehn Jahren die halbe Dachfläche verschatten. Auch ein Blick in den Bebauungsplan der Gemeinde lohnt sich - er verrät, ob in der Nachbarschaft höhere Gebäude geplant sind.
Leerrohre: Die unsichtbare Lebensversicherung
Nicht nur die Energie vom Dach muss in den Keller, wo in der Regel der Batteriespeicher steht. Sondern auch alle anderen Komponenten des smarten Hauses müssen miteinander kommunizieren könne. Das klappt oft auch einigermaßen gut drahtlos via WLAN oder anderen Smart-Home-Funkstandards. Aber trotzdem sind Kabel immer noch am sichersten. Daher gilt die goldene Regel: großzügig Leerrohre einplanen! Diese unscheinbaren Kunststoffröhren in den Wänden ermöglichen es, später ohne Stemmarbeiten neue Kabel zu verlegen. Wer heute noch kein E-Auto fährt, kann mit einem Leerrohr zur Garage die Wallbox vorbereiten. Wer sich bei der Wahl des Smart-Home-Systems noch unsicher ist, legt die Infrastruktur für ein kabelgebundenes KNX-System - einbauen lässt es sich auch später noch.
Fachleute empfehlen zudem: Lieber mehr Steckdosen und Netzwerkdosen einplanen als zu wenige. Nachträgliches Nachrüsten kostet ein Vielfaches dessen, was eine zusätzliche Dose im Neubau kostet. Auch der Außenbereich wird oft vergessen - Terrasse, Gartenwege und Carport sollten von Anfang an mit Stromanschlüssen und Erdkabeln versorgt werden, falls dort etwa smarte Leuchten oder Videokameras montiert werden sollen. Auch hier planen viele Hausanbieter vorausschauend: Laut Viebrockhaus-Experte Franke wird schon in den Standard-Ausbauten eine altersgerechte Hausplanung mitgedacht, beispielsweise durch die Möglichkeit zur Sprachsteuerung oder zusätzliche Sicherheitselemente.
Offene Standards statt Insellösungen
Bei der Wahl des Smart-Home-Systems raten Experten zu offenen Standards. Der neue Matter-Standard macht Geräte verschiedener Hersteller miteinander kompatibel - wer heute in Matter-fähige Komponenten investiert, bleibt langfristig flexibel, auch weil große Unternehmen wie Google, Amazon und Apple dahinterstehen. Während Matter vor allem auf Funk-Kommunikation setzt, ist der weltweit anerkannte KNX-Standard vor allem (aber nicht nur) auf kabelgebundenen Austausch zwischen den Geräten angelegt. In beiden Fällen gilt: eine Notfallsteuerung einplanen! Fällt ein System aus, sollten sich Rollläden, Heizung und Licht auch manuell bedienen lassen.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik mahnt zudem zur Vorsicht bei der IT-Sicherheit: Laut BSI schützen nur 34 Prozent der Nutzer ihre Smart-Home-Konten mit starken Passwörtern. Voreingestellte Passwörter sollten sofort geändert, Updates regelmäßig installiert und IoT-Geräte idealerweise in einem separaten Netzwerk betrieben werden.
Dokumentation nicht vergessen
Ein oft übersehener Punkt: die saubere Dokumentation. Wo verlaufen die Leerrohre? Welche Kabel führen wohin? Welche Komponenten sind verbaut? Wer diese Informationen systematisch festhält - oder vom Hausbauanbieter erstellen und übergeben lässt -, erspart sich bei späteren Erweiterungen oder Reparaturen viel Ärger - und teure Suchaktionen hinter der Wand.
Wer heute ein Haus baut, legt den Grundstein für die nächsten Jahrzehnte. Eine durchdachte Smart-Home-Infrastruktur in Verbindung mit einer optimal ausgerichteten Photovoltaikanlage gehört dabei zur soliden Bauplanung - als sinnvolle Investition in Komfort und weitgehende Energieunabhängigkeit.