Sex als Rezept: "Vögeln Sie sich gesund"

Sex macht nicht nur glücklich, sondern kann auch bei Krankheiten helfen. Wie und warum, sagt eine Expertin
| Amina Linke
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"Bitte alle mal aufstehen": Wenn Susanne Wendel Vorträge hält, ist auch das Publikum gefragt.
Elisabeth Pfahler-Scharf "Bitte alle mal aufstehen": Wenn Susanne Wendel Vorträge hält, ist auch das Publikum gefragt.

Sex macht nicht nur glücklich, sondern kann auch bei Krankheiten helfen. Wie und warum, sagt eine Expertin.

AZ: Frau Wendel, Ihr Buch heißt „Gesundgevögelt“ – ist Sex das Rezept für moderne Krankheiten wie Herzinfarkt oder Burnout?

SUSANNE WENDEL: Ja, es gibt dazu zwar wenig Studien – noch. Aber Menschen, die unter Burnout leiden, sind in erster Linie erschöpft. Die Ursachen werden primär dem Stress im Job zu geschrieben. Doch oft hat das auch mit einem unausgeglichenen Privatleben zu tun. Dabei ist es doch ganz einfach: Beim Sex werden Hormone wie Dopamin ausgeschüttet. Das putscht einen auf und sorgt für Glücksgefühle. Dann Oxytocin, das Bindungshormon. Das ist der Botenstoff der Liebe und kann Angst und Stress verringern. Und auch Adrenalin spielt eine große Rolle beim Sex – es gibt uns Energie. Mein Rat also: Vögeln Sie sich gesund.

Sie schreiben: Gesundes Essen, genügend Schlaf, ein paar geistige Genüsse – und geiler Sex: die Formel zum Glücklichsein scheint so einfach. Warum ist sie trotzdem so kompliziert?

Geiler Sex ist etwas, was die meisten Leute sich nicht trauen, zu haben. Weil wir sehr geprägt sind durch kulturmoralische Vorstellungen – durch das, „was man so macht“ und was nicht. Dabei sind sexuelle Vorlieben so vielfältig wie die Menschen selbst. Die einen mögen Sex an verschiedenen Orten, die anderen, wenn es härter zur Sache geht. Das auszuleben trauen sich viele aber eben aufgrund der Erziehung, Religion und Kultur nicht und können so nie ihr ganz persönliches Glück erleben. 

Die Kultur vergewaltigt also die Natur? Genau. Sexuelle Bedürfnisse, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, werden von vielen unterdrückt – schon im Keim erstickt. Man ist einer permanenten inneren Anspannung ausgesetzt. Und das macht auf Dauer nicht nur unglücklich, sondern krank.

Inwiefern?

Wenn man einen Trieb hat, den man nicht ausleben kann, wird sich dieser Trieb trotzdem seinen Weg bahnen – der Körper greift zu Ersatzbefriedigungen. So können zum Beispiel Neurosen in Form von Angststörungen oder Zwangshandlungen entstehen. Das hat Sigmund Freud bereits 1908 erkannt...

...und rät zur Perversion – das Positiv zur Neurose. Was raten Sie als Gesundheits-Coach: Wie entdecke ich meine spezielle „Perversion“?

Wenn man merkt, da schlummert noch etwas anderes in mir als ich auslebe – natürlich nur im legalen Rahmen –, sollte man sich auf die Forschungsreise begeben. Auf die Seite schieben hilft nicht. Das habe ich jahrelang selber in meiner Ehe gemacht und kann davon abraten. Man sollte sich in kleinen Schritten seinen Bedürfnissen nähern und Sachen ausprobieren – zum Beispiel mal in einem Sex-Shop Handschellen oder eine kleine Peitsche kaufen. Ein Tantra-Seminar, einen Streichel-Kurs oder Swinger Club besuchen – zu etwas gezwungen wird dort keiner und es geht sehr freundlich und hygienisch zu.

Wenn Sex so gesund ist, warum steht dann Sadomaso- und Fetisch-Sex im weltweit gültigen Katalog für körperliche und psychische Krankheiten der WHO?

Das basiert noch auf einer Einschätzung aus dem Jahr 1886 – und es spricht für sich, dass sich das bis heute hält. Homosexualität wurde übrigens erst 1991 als Krankheit raus gestrichen.

Susanne Wendel: „Gesundgevögelt“ (Atto Verlag, 20 Euro)



So gesund ist die Lust - Sex ist ein Kalorien-Killer

Das Liebesspiel macht schlank. Wer 30 Minuten lang dem Matrazensport frönt und dabei nicht gerade die Missionarstellung bevorzugt, verbrennt bis zu 350 Kilokalorien. Ein leidenschaftlicher Zungenkuss bringt es auf 20 Kalorien. Ein Orgasmus verbrennt 112 Kalorien – ein vorgetäuschter sogar 315.

Zudem belegt die Wissenschaft: Sex ist gesund. So fand die Universität in Bristol in einer Studie mit mehr als 3000 Teilnehmern heraus, dass Männer mit mindestens zwei Orgasmen pro Woche zu 50 Prozent weniger tödlich verlaufende Herzinfarkte erleiden als Sexbanausen des selben Alters.

Frauen, die mindestens einmal pro Woche ihren Gelüsten nachgehen, haben hingegegn deutlich mehr Östrogen im Blut als enthaltsamere. Das fördert die Bildung von Kollagen und die Regenerationsfähigkeit der Hautzellen – die Haut bleibt länger straff, elastisch und faltenfrei. Zudem kurbelt der Östrogenschub den Lymphfluss an und stärkt das Bindegewebe.

 

 

 

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