Selbst nachts keine Ruhe – wie man sich in den Dolomiten gegen Massenverkehr wappnet
Mit Schwung und Tempo durch die kurvenreichen Straßen Südtirols sausen – das ist für viele Urlauber das pure Vergnügen. Doch die Politik könnte nun auf die Bremse treten. Wie so viele Regionen in den Alpen, denen der große Besucherzustrom mitunter nicht nur Freude, sondern auch Sorgen bereitet, kämpft auch Südtirol mit massenhaftem Verkehr, verstopften Straßen, Staus und Lärm.
Wie kann da behutsam die Balance gewahrt bleiben? In den Dolomiten will man sich nun eines Kniffs bedienen, den die Regierung in Rom erst kürzlich aufgezeigt hat. Daniel Alfreider, Politiker der Südtiroler Volkspartei SVP und für Mobilität und Infrastruktur zuständiges Mitglied der Landesregierung, hat sich beim Verkehrsministerium dafür eingesetzt, "'verkehrsberuhigte Zonen' auch außerhalb großer Zentren einrichten zu können", wie das Portal stol.it schreibt.

Die Dolomiten "bedürfen besonderer Schutzmaßnahmen"
In diese Zonen seien nun neben Tourismus-Hotspots wie den Cinque Terre und der Küste von Amalfi auch die Dolomiten mit einbezogen worden. "Wie die Dolomiten zählen die Gebiete zum Unesco-Welterbe und bedürfen besonderer Schutzmaßnahmen – das hat dem Infrastruktur-Ministerium und dem Parlament eingeleuchtet“, zitiert das Portal Alfreider. Nun soll für das Grödner Joch an einer Umsetzung gearbeitet werden. Ganz so einfach ist es nämlich nicht: Das Grödner Joch ist nicht direkt im Unesco-Gebiet, sondern grenzt nur daran an. "Die Unesco-Stiftung hat aber schriftlich bestätigt, dass der starke Motorrad- und Autoverkehr auf den Dolomiten-Straßen ein Problem vor allem auch für das Unesco-Gebiet selbst darstellt", so Alfreider laut stol.it weiter.

Dabei haben die Pass-Straßen in Südtirol generell nicht nur mit dem "normalen" Urlaubsverkehr zu kämpfen, sondern auch mit organisierten Fahrten. Im vergangenen Sommer hatten die drei Bürgermeister des Grödner Tals aus St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein sowie die Präsidenten der dortigen Tourismusvereine und die Präsidenten des Liftverbundes und des Mobilitätszentrums Gröden in einer gemeinsamen Stellungnahme ein Ende organisierter Autotouren durch die Dolomiten gefordert, wie das Nachrichtenportal salto.bz berichtete.
Geführte Sportwagentouren verschärfen das Problem
Dabei gehe es um "geführte Sportwagentouren, die in den letzten Jahren vermehrt durch die Straßen der Pass- und Talregionen rollen". Die sogenannten Drive-Events würden oft von internationalen Veranstaltern durchgeführt, unterstützt von lokalen Anbietern. Martin Resch, Leiter des Mobilitätszentrums Gröden, sprach sich demnach dafür aus, "Lärmkontrollen und Sensibilisierungsmaßnahmen einzuführen".
Im Sommer wurde auf Pass-Straßen in Südtirol folgerichtig schärfer kontrolliert, mit Fokus auf den Grödner Pass. Dem Rundfunksender Rai zufolge lag die Strafquote damals bei 28 Prozent. Unter anderem seien Ampeln, Beschilderung und Halteverbote missachtet worden, außerdem seien zu schnelles Fahren, regelwidriges Überholen und gefährliches Fahrverhalten geahndet worden. Auch über den Jahreswechsel rechnete das Grödner Tal mit starkem Besucherandrang. Daher war eine sogenannte Sensibilisierungskampagne "Verkehrswarnung" gestartet worden, mit dem man "insbesondere Tagesgäste frühzeitig über die Verkehrssituation" informieren und ihnen empfehlen wollte, "die Hauptverkehrszeiten zwischen 15 und 19 Uhr nach Möglichkeit zu vermeiden".

Dolomitenpässe werden nachts zur "illegalen Rennstrecke"
Doch mittlerweile gebe es sogar nachts keine Ruhe mehr, berichtete suedtirolnews.it im Sommer. Nicht genug mit dem normalen Tourismus, nein: Nachts würden die Dolomitenpässe "zur illegalen Rennstrecke", und weiter: "Jüngste Videoaufnahmen vom Grödner Joch belegen erneut, wie PS-starke Fahrzeuge die Serpentinen mit aufheulenden Motoren und quietschenden Reifen befahren." Dabei handele es sich nicht nur um private Fahrten, sondern "um echte inoffizielle Wettkämpfe, auch mit Teilnehmern aus dem Ausland".

Eine neue Verkehrsregelung am Grödner Joch schon in diesem Sommer werde es aber nicht geben, zitiert stol.it Landesrat Alfreider. "Die Gemeinden und das Land würden es niemals schaffen, eventuell erforderliche bauliche, urbanistische oder technische Maßnahmen in wenigen Wochen umzusetzen." Stattdessen solle eine verkehrsberuhigte Zone virtuell zu Testzwecken eingerichtet werden. Dazu sollen Motorrad- und Autofahrer bereits auf den Straßen gezählt werden, um mögliche Auswirkungen von Maßnahmen erkennen zu können.
- Themen:

