Interview

Seilbahn-Experte: "Einen Zugseilriss gibt es für mich gar nicht"

Seilbahn-Experte Peter Lorenz spricht im Interview über den Gondelunfall am Lago Maggiore in Italien.
| Leonie Meltzer
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Beim Absturz einer Gondel der Seilbahn am norditalienischen Lago Maggiore haben mindestens 14 Menschen ihr Leben verloren.
Beim Absturz einer Gondel der Seilbahn am norditalienischen Lago Maggiore haben mindestens 14 Menschen ihr Leben verloren. © Uncredited/Vigili del Fuoco Firefighters/dpa

AZ-Interview mit Peter Lorenz: Der stellvertretende Vorstand des Verbands Deutscher Seilbahnen ist auch Geschäftsführer der Brauneck- und Wallbergbahnen sowie der Alpenbahnen Spitzingsee.

AZ: Herr Lorenz, können Sie sich erklären, wie es zu dem Gondelunfall kam?
PETER LORENZ: Nein, das lässt sich als Außenstehender sehr schwer sagen. Die Untersuchungen laufen - erst, wenn man weiß, was wirklich passiert ist, lässt sich Genaueres sagen. Alles andere sind Mutmaßungen. Ob nun wirklich ein Seil gerissen ist und die Bremse dann versagt hat - das weiß man definitiv nicht.

"Die Gondel steht auch nicht ein halbes Jahr lang still"

Lässt sich etwas über die Gondel sagen?
Man weiß, dass es eine Pendelbahn war, mit einem Tragseil und einem Zugseil, mit zwei Kabinen für 40 Personen. Es ist sehr tragisch. Wir leiden mit unseren Kollegen.

Peter Lorenz: "Kleine Kontrollen, ob Schaltungen und Sicherheitseinrichtungen funktionieren, werden täglich vor Fahrtantritt durchgeführt und mit Checklisten dokumentiert."
Peter Lorenz: "Kleine Kontrollen, ob Schaltungen und Sicherheitseinrichtungen funktionieren, werden täglich vor Fahrtantritt durchgeführt und mit Checklisten dokumentiert." © ho

Die letzte Seilprüfung der Südtiroler Firma Leitner hat im November 2020 stattgefunden. Kann ein Stillstand von einem halben Jahr zu einem solchen Vorfall führen?
Nein, das war die normale halbjährliche Kontrolle, die stattgefunden hat. Vor Inbetriebnahme macht man noch einmal einen kleinen Check. Die Gondel steht auch nicht ein halbes Jahr lang still. Ich bin zuständig für Braunegg, Vorarlberg und Spitzingsee - wir fahren wöchentlich rauf.

"Es kann auch von außen etwas gewesen sein"

Die Bremsen der Gondel haben offenbar nicht funktioniert. Müssten diese nicht automatisch greifen?
Die Tragseilbremse löst aus, wenn es einen Zugseilriss gibt. Ich weiß aber nicht, ob es ein klassischer Zugseilriss war - das kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Seil reißt. Vielleicht ist es eine Seilverbindung am Laufwerk gewesen - aber dazu muss man wissen, was genau passiert ist. Aber für mich gibt es einen Zugseilriss gar nicht. Es kann auch von außen etwas gewesen sein - vielleicht ist das Zugseil nicht mehr in den Rollen gewesen, hat gescheuert - man weiß es nicht.

Selbst wenn das Zugseil also reißt, greift dennoch das Bremssystem?
Ja, die Tragseilbremse tritt ein, und die Gondel bleibt an Ort und Stelle stehen.

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Wie oft werden Seilbahnen kontrolliert?
Seilbahnen gehören zu den sichersten Verkehrsmitteln von allen. Europaweit werden sie sehr strengen Kontrollmechanismen unterzogen.

Wie ist es in Deutschland?
Die großen Generalkontrollen finden halbjährlich von einem externen Sachverständigen statt. Dies wiederum wird von der Regierung von Oberbayern bei unserer Seilbahnaufsicht geprüft. Der Sicherheitsstand der Berg- und Seilbahnen ist sehr hoch. Die Seilbahnen werden monatlich geprüft, das kommt immer auf das Seilbahnsystem an. Kleine Kontrollen, ob Schaltungen und Sicherheitseinrichtungen funktionieren, werden täglich vor Fahrtantritt durchgeführt und mit Checklisten dokumentiert.

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