Schon neun Tote 2017: Wie viele Leichen liegen am Mount Everest?

Schon wieder sind vier Tote am Mount Everest gefunden worden. Ein Abtransport verunglückter Bergsteiger vom Dach der Welt ist oft zu riskant. Den Weg nach oben säumen inzwischen Hunderte Leichen.
| AZ/mag
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Säuberungsaktion am Mount Everest im Mai 2017: Einheimische, denen ihr Berg heilig ist, riskieren immer wieder ihr Leben, um den von Bergsteigern hinterlassenen Müll zu beseitigen. Nicht selten sind auch sterbliche Überreste in den Säcken.
imago/Xinhua Säuberungsaktion am Mount Everest im Mai 2017: Einheimische, denen ihr Berg heilig ist, riskieren immer wieder ihr Leben, um den von Bergsteigern hinterlassenen Müll zu beseitigen. Nicht selten sind auch sterbliche Überreste in den Säcken.

Schon wieder sind vier Tote am Mount Everest gefunden worden. Ein Abtransport verunglückter Bergsteiger vom Dach der Welt ist oft zu riskant. Den Weg nach oben säumen inzwischen Hunderte Leichen.

Kathmandu – Am Mittwoch hat die nepalesische Tourismusbehörde bekanntgegeben, dass am Mount Everest, kurz vor dem Gipfel auf 7.950 Metern Höhe, die Leichen von vier Bergsteigern gefunden wurden. Sie lagen erfroren in ihrem Zelt. Bergretter waren eigentlich auf der Suche nach einem anderen verunglückten Bergsteiger, als sie die Toten entdeckten. Es sind die Todesopfer sechs, sieben, acht und neun in diesem Jahr - ob sie geborgen werden können, ist unklar. Das Risiko bei einer Bergungsaktion in einer Höhe, in der die Sauerstoffkonzentration gegen Null geht, ist oft zu hoch.

Der Berg als letzte Ruhestätte: wie viele tote Körper inzwischen entlang der verschiedenen Routen unter den Eismassen verborgen liegen, weiß kein Mensch. Laut offizieller Zahlen sind es über 200. Nepal vergibt jährlich hunderte Lizenzen an Privatmenschen. Der Sturm auf den höchsten Berg ist kommerzialisiert. Nicht wenige Bergsteiger denken, nur weil sie sich für Zigtausende Dollar in Expeditionen einkaufen, schaffen sie den Gang auf den Gipfel mit links. Doch die 8.848 Meter fordern dann nicht selten ihren Tribut.

Mount Everest - die höchste und makaberste Müllhalde der Welt

Zelte, Sicherheitsseile, Lebensmittelbehälter, leere Sauerstoffflaschen, Campingkocher, Fäkalien – und Leichen.

Der Anblick, der sich einem Bergsteiger mitunter auf einigen Routen des Mount Everest bietet, hat nicht mehr viel mit dem Erleben purer Natur zu tun. Der für die Einheimischen heilige Berg ist zu einer makaberen Müllhalde geworden. Besonders auf der beliebten Südroute türmen sich in den Lagern zur Hochsaison die Müllberge. Sherpas brechen immer wieder zu Säuberungsaktionen auf - bei denen, soweit möglich, auch Tote abtransportiert werden.

Die Wahrscheinlichkeit, beim Aufstieg tote Bergsteiger zu sehen, ist relativ hoch. Vor allem weil immer wieder Körper von Schneemassen bedeckt werden und Jahre später wieder zum Vorschein kommen. Gipfelstürmer auf dem Weg zum höchsten Gipfel der Welt gehen also buchstäblich über Leichen. Manche übrigens auch in anderer Hinsicht: Im Mai 2006 machte der Fall des 34-jährigen Briten David Sharp weltweit Schlagzeilen. Ihm war auf Abstieg nahe des Gipfels der Sauerstoff ausgegangen. Rund 40 Bergsteiger sollen den Mann passiert haben, ohne ihm zu helfen. Sharp starb an dieser Stelle.

Leichen auf dem Mount Everest dienen als Wegweiser

Einige der gefrorenen Leichen haben aber auch eine - nun ja - nützliche Funktion: Sie dienen als Wegpunkte. So liegt circa 250 Meter unter dem Gipfel die Leiche von Tsewang Paljor. Er war Mitglied der ersten indischen Everest-Expedition und kam wohl bei dem verheerenden Sturm 1996 ums Leben. Seitdem ist er als "Green Boots" bekannt, weil er noch heute seine grünen Bergstiefel trägt. "Green Boots" dient allen Bergsteigern als letzte Wegmarkierung vor dem Gipfel. Und als mahnendes Beispiel, dass der Mount Everest kein Spielplatz ist.

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