Extrem-Winterwetter hält an

Schnee und Eis beherrschen weiter große Teile Deutschlands. Hunderte Menschen steckten in der Nacht auf der A2 fest und mussten in ihren Fahrzeugen ausharren - einige mehr als 16 Stunden. In Nürnberg fällt bei eisigen Temperaturen auch noch ein Fernwärme-Kraftwerk aus.
| dpa
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Dichtes Schneetreiben auf der L309 in der Nähe von Neustadt in Schleswig-Holstein.
Dichtes Schneetreiben auf der L309 in der Nähe von Neustadt in Schleswig-Holstein. © Bodo Marks/dpa
Berlin

Extremes Winterwetter mit riesigen Schneemengen beherrscht den dritten Tag in Folge weite Teile Deutschlands und führt zu Stillstand auf Straßen und Schienen.

Auf der A2 bei Bielefeld verbrachten Fahrer und Mitfahrende die ganze Nacht auf der Straße und mussten bei klirrender Kälte zum Teil mehr als 16 Stunden lang in ihren Autos ausharren. Die Autobahn wurde zeitweise in beiden Fahrtrichtungen gesperrt - insgesamt bildeten sich rund um Bielefeld am Dienstagmorgen mehr als 70 Kilometer Stau. Die Polizei wollte sich aus einem Hubschrauber ein Bild von der Lage machen. Auch auf anderen Autobahnen wie der A4 in Osthessen kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Schneesturm hatte in Teilen Deutschlands bereits am Sonntag ein Verkehrschaos verursacht. Die Deutsche Bahn sprach auch am Dienstag noch von "extremem Unwetter", durch das es weiterhin in weiten Teilen Deutschlands zu Verspätungen und Zugausfällen komme. Zwar arbeiteten Einsatzkräfte mit Hochdruck daran, insbesondere die Hauptstrecken von Schnee und Eis zu befreien, berichtete die Bahn am frühen Morgen. Vielerorts erschwerten aber starke Schneefälle, Schneeverwehungen und Frost die Arbeiten.

Von Dresden aus fuhren am Dienstag bis auf weiteres keine Fernverkehrszüge in Richtung Leipzig, Frankfurt, Hannover und Köln, wie es im Internetauftritt der Bahn hier. Auch zwischen Hamburg und Kiel, zwischen Hamburg und Lübeck sowie zwischen Hamburg und Westerland auf Sylt rollten demnach keine Fernzüge.

Für die Ostsee sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Dienstag teils starken Schneefall mit Schneeverwehungen voraus. Für Ostholstein galten deswegen am Dienstag amtliche Unwetterwarnungen. An den Küsten sei es windig bis stürmisch. Für den Süden Deutschlands meldeten die DWD-Meteorologen leichten Schneefall. Verbreitet herrsche außerdem Dauerfrost.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer appellierte an die Bürger im Norden und in der Mitte Deutschlands, mindestens bis Mittwoch auf Reisen zu verzichten. "Bei solchen extremen Bedingungen können selbst die beste Weichenheizung und das beste Räumfahrzeug an ihre Grenzen geraten", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstag). Bei "Bild Live" sagte er: "Es entsteht eines neues Band: ein kleines, aber sehr heftiges. Dienstag und Mittwoch werden wir an der Ostsee und bei Rügen viel Schnee bekommen und vor allem stürmische Verhältnisse."

In Nürnberg fiel bei eisigen Temperaturen ein Großkraftwerk nach einem Brand aus. Etwa 15.000 Menschen waren davon betroffen. In zwei Stadtteilen war nach Angaben des Energieunternehmens N-Ergie die Versorgung mit Fernwärme beeinträchtigt. "Wir gehen momentan nicht davon aus, dass die Heizungen komplett ausfallen", sagte ein Sprecher von N-Ergie. "Es wird aber spürbar kälter in den Häusern werden." Die Stadt rief am Dienstag den Katastrophenfall aus.

Unterdessen verstärkten Hilfsorganisationen mancherorts ihren Einsatz für Obdachlose. So war etwa in Hannover am Montagabend erneut der "Kältebus" der Johanniter unterwegs, um Bedürftige mit warmem Essen und Trinken zu versorgen. Die Stadt Frankfurt am Main hatte nach Angaben einer Sprecherin bereits am Wochenende die Öffnungszeiten einer Winterübernachtung in einer U-Bahn-Station verlängert.

© dpa-infocom, dpa:210209-99-358772/8

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