Rote Nase, weiße Maske: Der Clown zwischen Trost und Angst

Trotz des breiten Grinsens eines Clowns bleibt einem das Lachen manchmal im Hals stecken. Warum Clowns so viele Gesichter haben – und wie sie sogar Kindern vor Operationen die Angst nehmen.
Alicia Windzio, dpa |
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Zwischen Lachen und Gänsehaut: Clowns können viele Rollen einnehmen. (Archivbild)
Zwischen Lachen und Gänsehaut: Clowns können viele Rollen einnehmen. (Archivbild) © Matthias Bein/dpa/ZB
Berlin

Eine rote Nase, ein breites Grinsen - und wie reagiert man? Mit einem Lächeln oder eher mit einem mulmigen Gefühl? Clowns können beides auslösen. Zum Weltclownstag am 5. November geht es um eine Figur, die Menschen belustigt, erschreckt - aber auch Angst nehmen kann.

Ein Clown, viele Gesichter

Das Kostüm macht noch keinen Clown. "Es geht nicht so sehr um die rote Nase", sagt Michael Stuhlmiller, Clown und Gründer einer staatlich anerkannten Clownsschule, der Deutschen Presse-Agentur. Entscheidend sei, das Publikum einzubeziehen. "Es gibt auch kein schlechtes Publikum für den Clown." Es gehe um eine innere Haltung - und darum, Menschen mit ihren Fehlern und ihrem Scheitern zu lieben.

Stuhlmiller nennt verschiedene Typen: Dazu gehört etwa der pure Clown, "der mit ganz wenig Aufwand und ganz wenig Geschichte, einfach mit Mimik und Gestik, die Menschen berührt und erreicht, sie zum Lachen oder zum Nachdenken bringt." Der Clown-Mime orientiert sich an der traditionellen Pantomime, ist dabei aber viel spielerischer. Der Clown der Stille spielt ganz aus dem Moment heraus. Dann braucht der Clown keine Stolperfallen mehr. Er spielt einfach, und genau darin liegt für Stuhlmiller das Wesen des Clowns.

Ob im Zirkus, auf der Straße oder als Coach bei Konflikten: Der Clown sucht Stuhlmiller zufolge den Kontakt. Er kann Situationen aus einer anderen Perspektive zeigen und Menschen so zum Lachen und Nachdenken bringen. Doch seine Welt hat auch dunkle Seiten.

Wenn das Grinsen unheimlich wird

Der Horrorclown, etwa in Stephen Kings "Es", habe mit der eigentlichen Clownfigur nichts zu tun, sagt Stuhlmiller. Zugleich gehöre auch der Schrecken zum Leben - und werde vom Clown aufgegriffen. "Dieses Prinzip, mit Gut und Böse zu spielen, ist sehr, sehr spannend und hat eine große Tiefe."

Warum aber kann schon ein geschminktes Gesicht Unbehagen auslösen? Der Psychologe Frank T. McAndrew erklärt das mit Unsicherheit: Ist dieser Mensch harmlos oder bedrohlich? Was wird er als Nächstes tun? In einer Online-Befragung im Jahr 2016 mit 1.341 Erwachsenen landeten Clowns unter 21 bewerteten Berufen beim Gruselfaktor ganz vorn.

Schminke und Verkleidung verdecken die wirklichen Gefühle, wie McAndrew erläutert. Hinter dem aufgemalten Lächeln bleibt der Mensch schwer lesbar. Viele haben ein mulmiges Gefühl bei Eigenschaften, die häufig Clowns zugeschrieben werden - etwa wenn das Verhalten eines Gegenübers nicht vorherzusagen ist oder Mimik und Gestik nicht richtig gedeutet werden können. Dazu kommt die Unberechenbarkeit: Wird man gleich selbst zum Ziel eines Streichs?

Wenn Clowns die Angst nehmen

Ausgerechnet die Figur, die verunsichern kann, hilft anderswo gegen Angst: im Krankenhaus. Eine in der renommierten Fachzeitschrift "BMJ" veröffentlichte Übersicht wertet Studien aus, in denen Kinder mit Clownbegleitung mit Kindern ohne Clown verglichen wurden. Das Ergebnis: Bei verschiedenen Eingriffen hatten die Kinder mit Clown weniger Angst und kamen psychisch besser damit zurecht. Bei den Studien, in denen die Kinder nicht per Zufall einer Gruppe zugeteilt wurden, besteht überwiegend ein mittleres Risiko, dass die Ergebnisse verzerrt sind. Die Befunde sind daher mit Vorsicht zu lesen.

Eine Studie aus Florenz aus dem Jahr 2005 im Fachjournal "Pediatrics" zeigte: Kinder, die vor einer Operation von Clowns und einem Elternteil begleitet wurden, hatten im Operationssaal deutlich weniger Angst als Kinder mit nur einem Elternteil.

Für Stuhlmiller zählt am Krankenbett nicht die große Show. Ein Klinikclown müsse schnell erfassen, was im Zimmer los sei. "Gefragt sind Sensibilität und Einfühlungsvermögen." Nicht das eigene Programm steht dann im Mittelpunkt, sondern der Mensch gegenüber.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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