Babynahrung vergiftet: Suche nach Gift-Glas - und Erpresser

Rattengift in Babynahrung: Der Erpressungsversuch bei Hipp versetzt Eltern in Sorge. Die Polizei arbeitet länderübergreifend. Wie gehen die Ermittler vor - und wie erkennt man gefährliche Gläser?
dpa |
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Die Polizei in Österreich sucht nach einem möglicherweise mit Gift verseuchten zweiten Glas mit Babynahrung. (Symbolbild)
Die Polizei in Österreich sucht nach einem möglicherweise mit Gift verseuchten zweiten Glas mit Babynahrung. (Symbolbild) © Tobias Steinmaurer/APA/dpa
Wien/Ingolstadt

Mit Rattengift in Babynahrung versucht ein Unbekannter, den Babykosthersteller Hipp zu erpressen. Eltern sind in Sorge, die Polizei sucht nach dem mutmaßlichen Täter. 

In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurden laut Polizeipräsidium Oberbayern Süd insgesamt fünf manipulierte Babynahrungsgläser entdeckt. Laboruntersuchungen ergaben, dass diese Rattengift enthielten. In Deutschland wurden keine mit Gift verunreinigten Gläser gefunden. Ein Glas wird aber im österreichischen Burgenland noch unter Hochdruck gesucht. Wie die Polizei hier vorgeht, gaben die Ermittler aus taktischen Gründen nicht an. 

"Sehr sensibles Thema"

Bei der Kriminalpolizei Ingolstadt wurde eine Ermittlungsgruppe namens "Glas" eingerichtet. Die Gruppe arbeite auf Hochtouren in Zusammenarbeit auch mit den jeweiligen Behörden in den anderen betroffenen Ländern, sagte Michaela Grob, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Die Zahl der beteiligten Beamten sei nicht starr. Je nach Fragestellung und Untersuchungen würden verschiedene Spezialisten auch aus andere Institutionen zugezogen. 

Derzeit könnten keine weiteren Details veröffentlicht werden, um die Ermittlungen nicht zu gefährden, unterstrich Grob. "Es ist ein sehr sensibles Thema." 

Hipp ruft Babykost zurück 

Das Unternehmen im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm erklärte inzwischen, wie der Täter sich gemeldet hatte. "Der Erpresser hat uns eine Nachricht an ein unpersonalisiertes Sammelpostfach geschickt, welches im Rahmen unserer Standardprozesse in größeren zeitlichen Abständen gesichtet wird", erläuterte der Babykosthersteller. "Hipp ist Opfer einer Erpressung." Das Unternehmen habe einen internen Krisenstab eingerichtet. 

Betroffene Handelspartner hätten alle Hipp-Babygläschen aus dem Verkauf genommen. "Hipp ruft weiterhin alle Babykostgläschen zurück, die bei Spar Österreich gekauft wurden", teilte das Unternehmen auf seiner Seite weiter mit. Im Zuge dieser Rückrufaktion sei ein manipuliertes Gläschen sichergestellt worden. Vorsorglich, präventiv und ohne Verdachtsmomente nahm am Montag auch die Rewe-Gruppe in Österreich Hipp-Produkte bei Bipa, Billa, Billa Plus und Adeg aus dem Verkauf. Ebenso agierte die Drogeriemarktkette dm.

Es handele es sich nicht um einen Produkt‑ oder Qualitätsmangel. "Die Gläschen haben unser Hipp Werk in einwandfreiem Zustand verlassen", hieß es vom Unternehmen.

Was wollten der oder die Erpresser?

Den Inhalt der Erpresser-E-Mail und was konkret gefordert wurde, teilten weder Hersteller noch Polizei mit. Medien zufolge soll es um eine Geldforderung in Millionenhöhe gehen. Offiziell bestätigt wurde das aber nicht. 

Am Wochenende war ein mit Rattengift verseuchtes Glas "Karotten mit Kartoffeln" 190 Gramm der Firma Hipp im Bundesland Burgenland in Österreich sichergestellt worden. Zumindest zwei solcher manipulierter Gläser sollen in dieser Region in Umlauf gebracht worden sein - eines fehlt also weiter. "Wir setzen alle Hebel in Bewegung und haben nun auch Kontakt zu Kindergärten und Pflegeeinrichtungen aufgenommen", sagte eine Sprecherin der Polizei im Bundesland Burgenland bereits am Montag. 

Gutachten soll Dosis von Rattengift bestimmen

Die Staatsanwaltschaft in Österreich ermittelt nach eigenen Aussagen wegen "vorsätzlicher Gemeingefährdung". Nachdem laut einem vorläufigen toxikologischen Gutachten Rattengift in einem sichergestellten Glas festgestellt wurde, folgt nun eine genauere Untersuchung. Dabei werde es um die Dosis gehen - und wie gefährlich das Rattengift beim Verzehr gewesen wäre, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Burgenland.

Laut Polizei können manipulierte Gläser an einem beschädigten Deckel oder am Fehlen des Plopp-Lautes beim Öffnen erkennbar sein. Zudem sollen sie einen weißen Aufkleber mit rotem Ring am Glasboden haben. Bei Auffälligkeiten an den Gläschen sollte der Inhalt nicht verzehrt und die Polizei verständigt werden, mahnten die Beamten. 

Mehrfach waren in der Vergangenheit namhafte Unternehmen Ziel von Erpressungsversuchen mit vergifteten Lebensmitteln geworden. Nicht zum ersten Mal ist Babynahrung das Ziel.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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