Tipps von der Expertin: So geht Altersvorsorge für Frauen

Frauen erhalten im Schnitt deutlich weniger Rente als Männer – oft wegen Teilzeit, Care-Arbeit und niedrigerer Löhne. Expertin Claudia Kandziora erklärt, wie Frauen mit klarer Strategie, Beratung und passenden Anlageformen ihre finanzielle Unabhängigkeit im Alter sichern können.
von  Hüseyin Ince
Wer weniger verdient, kann weniger zurücklegen. Weil Frauen häufiger in Teilzeit angestellt sind oder unbezahlte Sorgearbeit übernehmen, ist es um ihre Altersvorsorge häufig nicht so gut bestellt.
Wer weniger verdient, kann weniger zurücklegen. Weil Frauen häufiger in Teilzeit angestellt sind oder unbezahlte Sorgearbeit übernehmen, ist es um ihre Altersvorsorge häufig nicht so gut bestellt. © IMAGO/Zoonar.com/Dmitrii Marchenko

Für Stadtsparkassen-Produktmanagerin Claudia Kandziora ist langfristig das Wichtigste: die Altersvorsorge, egal ob für Mann oder Frau. Hier sollte man also einen besonders großen Schwerpunkt setzen. Und vor allem Frauen sollten das tun.

Denn die Zahlen sprechen für sich: Frauen sind im Vergleich zu Männern in Deutschland bei der Altersvorsorge sehr deutlich im Nachteil. "Im Durchschnitt erhalten sie rund 43 Prozent weniger Rente als Männer", betont Kandziora. Das ist doch ein hoher Wert, der auf ein enormes Ungleichgewicht hinweist.

"Die Frau von heute sollte nicht auf den Partner und die sozialen Systeme vertrauen"

Das habe vor allem strukturelle Gründe, sagt die Expertin. "Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, übernehmen mehr unbezahlte Sorgearbeit, sind seltener in Führungspositionen und oft in Branchen tätig, die schlechter bezahlt werden – etwa im sozialen Bereich", sagt Kandziora.

Ob alleinerziehend oder verheiratet, mit Kindern oder ohne, Vollzeit oder Teilzeit: Die Frau von heute sollte nicht allein auf den Partner und die sozialen Systeme vertrauen. "Finanzielle Eigenständigkeit ist ein zentraler Baustein für Selbstbestimmung", so Kandziora. Ihre Tipps:

AKTIV WERDEN
Der wichtigste Schritt ist, aktiv zu werden. Viele Frauen unterschätzen laut Kandziora, wie stark sich Erwerbsunterbrechungen oder reduzierte Arbeitszeiten langfristig auswirken. "Wer weniger verdient, kann zwar oft weniger zurücklegen – aber gerade dann ist frühes und konsequentes Vorsorgen entscheidend."
BERATUNGSTERMIN
Daher, erster Schritt: einen Beratungstermin bei einer Bank vereinbaren und sich über Möglichkeiten informieren.

LAGE KLÄREN
Beim Termin muss die Lebenssituation geklärt werden. Wie hoch ist das Sicherheitsbedürfnis? Wie viel Vermögen ist bereits vorhanden? Und vor allem: Welches Ziel hat Mann oder Frau?

KURZFRISTIGE ODER LANGFRISTIGE LÖSUNGEN?
"Wer beispielsweise Geld für ein Auto in drei bis fünf Jahren spart, braucht eine andere Lösung als jemand, der langfristig für die Altersvorsorge investiert", sagt Kandziora. Bei kurzen Zeiträumen stehe Sicherheit im Vordergrund, bei langen Zeiträumen könnten Schwankungen eher ausgehalten werden, um langfristig höhere Ertragschancen zu nutzen.

RICHTIG ODER FALSCH GIBT ES NICHT
Deshalb gebe es nicht "die richtige" Geldanlage, sagt Kandziora, sondern nur eine passende, abgestimmt auf Ziele, Zeitrahmen und persönliches Sicherheitsbedürfnis.

RISIKO STREUEN
"Entscheidend ist eine breite Streuung", sagt Kandziora. Je nach persönlichem Sicherheitsbedürfnis könne ein Teil des Vermögens stabiler angelegt werden, etwa in festverzinslichen Anlagen oder Anleihen.

MEHR GELD HEIßT NICHT IMMER VERMÖGENSAUFBAU
Bei langfristigen Anlagen empfiehlt Kandziora Aktienfonds oder Aktien-ETFs. "Sie bieten auf lange Sicht die notwendigen Renditechancen, um Vermögen spürbar wachsen zu lassen", sagt sie. Denn wer lediglich spare, ohne eine Rendite oberhalb der Inflation zu erzielen, erhalte zwar nominell sein Geld, baue aber real kein Vermögen auf.

"BAFIN" UM RAT FRAGEN
Auch bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kann man sich umfassend individuell beraten lassen. Unter www.bafin.de finden Sie mehr Infos. Suchen Sie hier unter dem Reiter "Verbraucher" nach dem Schlagwort "Anlageberatung".

Die fünf wichtigsten Tipps zur Frauen-Altersvorsorge kompakt:

1. Aktiv werden und Beratung suchen: Der erste Schritt ist ein Beratungsgespräch – um die eigene Situation realistisch zu analysieren.

2. Überblick schaffen: Eine klare Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zeigt, welcher Betrag regelmäßig für Rücklagen und Altersvorsorge möglich ist.

3. Früh anfangen – langfristig denken: Altersvorsorge ist ein Projekt über Jahrzehnte. Auch kleine Beträge wirken durch Zeit und Zinseszinseffekt.

4. Beiträge flexibel anpassen: Mit steigendem Einkommen sollte auch der Sparbeitrag wachsen. Vorsorge ist kein statisches Modell.

5. Staatliche Förderung nutzen: Zuschüsse, steuerliche Vorteile und vermögenswirksame Leistungen können den Vermögensaufbau deutlich beschleunigen.

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