Hitze-Schäden am Auto: Was Versicherungen übernehmen – und was nicht

Die Pannen nehmen wegen der hohen Temperaturen zu. Inwiefern es dagegen Versicherungen gibt, was sie wirklich übernehmen und wie sich der eigene Wagen sonst noch vor der extremen Hitze schonen lässt.
Maximilian Neumair
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Wenn die Sonne auf die Autos knallt, kann es eine Reihe an Schäden geben: Zum Beispiel können die Scheiben platzen.
Wenn die Sonne auf die Autos knallt, kann es eine Reihe an Schäden geben: Zum Beispiel können die Scheiben platzen. © Britta Pedersen (dpa-Zentralbild)

Kein Unfall, kein Vandalismus – und trotzdem ist die Heckscheibe zersprungen. Der Grund: die grassierende Rekordhitze. Ist das Auto bei den heißen Temperaturen im Freien geparkt und hat bereits einen unbemerkten Mini-Steinschlag, dehnen sich Metall und Glas unterschiedlich stark aus, der verbindende Kleber verliert an Elastizität und der Druck wird zu groß.

Das ist einer von vielen möglichen Schäden, die wegen Hitze am Auto entstehen können. Laut ADAC liegen die meisten Pannen im Hochsommer an defekten Batterien (über 40 Prozent), an Problemen mit dem Motor (rund 25 Prozent) und an der überlasteten Klimaanlage (rund 13 Prozent). Der Verein berichtet, dass die Hitzewelle von über 30 Grad zu einem deutlichen Anstieg der Pannen geführt hat – die Rede ist von 20 Prozent mehr Einsätzen.

Hitze: Blow-up nur über Vollkasko abgedeckt

Und dann wäre da noch die Gefahr von sogenannten Blow-ups: Dabei handelt es sich um Aufwölbungen oder Aufbrüche der Fahrbahndecke. Sie sind so gefährlich für Verkehrsteilnehmer, weil sie plötzlich und an unvorhersehbaren Stellen auftreten können. Laut ADAC sind davon vor allem ältere Autobahnabschnitte aus Beton betroffen.

Der deutsche Instinkt bei derlei drohenden Schäden: Wie versichere ich mich dagegen? Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) teilt der AZ dazu mit: "Kommt es durch einen Blow-up zu einem Unfall, sind Schäden am eigenen Fahrzeug in der Regel nur über die Vollkaskoversicherung abgesichert."

Wie heiß ein Auto in der Sommerhitze werden kann, zeigt dieses Spiegelei. Am häufigsten wird wegen der Hitze die Batterie des Autos beschädigt.
Wie heiß ein Auto in der Sommerhitze werden kann, zeigt dieses Spiegelei. Am häufigsten wird wegen der Hitze die Batterie des Autos beschädigt. © IMAGO/Christian Ohde (www.imago-images.de)

Glasschäden können demnach wiederum über die Teilkaskoversicherung gedeckt sein. Das ist etwa der Fall bei der Huk-Coburg und der Allianz. Letztere versichert auch Seng- und Schmorschäden, wie sie auf Nachfrage der AZ mitteilt. Sengschäden meint Verfärbungen oder Brandlöcher, die durch von außen einwirkende Hitze, Glut oder Funkenflug entstehen.

Schmorschäden treten durch übermäßige Hitze im geschädigten Teil selbst auf, etwa durch ein überhitztes Kabel oder ein heiß gelaufenes Fahrzeugteil. Auch Folgeschäden durch einen Kurzschluss, etwa an der Batterie oder an den Steuerungsgeräten, sind bei der Allianz abgedeckt.

Verbraucherzentrale: "Vollkaskoversicherung ist die optimale Absicherung"

Die Verbraucherzentrale (VZ) Bayern urteilt auf Nachfrage der AZ: "Die Vollkaskoversicherung stellt für die meisten Autofahrer die optimale Absicherung gegen hitzebedingte Folgeschäden am eigenen Fahrzeug dar, da sie sowohl selbst verschuldete Unfälle als auch Blow-ups abdeckt."

Das Robert-Koch-Institut spricht von einer Zunahme extremer Hitze aufgrund des Klimawandels – somit werden sich künftig auch die Schadensfälle häufen. Trotzdem beobachtet die Verbraucherzentrale Bayern: "Eine Erweiterung des Versicherungsschutzes ist derzeit nicht absehbar."

Der Hintergrund: Solange sich für die Versicherer keine wirtschaftlichen Anreize ergeben, werden sie auch künftig solche Schäden nicht abdecken. Das bestätigt die Huk-Coburg auf Nachfrage der AZ, die keine Angebote für reine Hitzeschäden plant. Auch die Allianz hat nicht vor, die Deckungen in Bezug auf Hitzeschäden zu erweitern.

Das Schadenspotenzial ist laut VZ ohnehin deutlich geringer als etwa bei Naturkatastrophen wie Starkregen oder Überschwemmungen. "Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass der Gesetzgeber eine Ausweitung des Versicherungsschutzes ohne Weiteres vorantreiben wird." Der Rat der VZ lautet daher: auf künftige Hitzephasen einstellen und den Schutz des Autos selbst in die Hand nehmen.

ADAC: Wichtigste Maßnahme ist Wartung des Autos

Der ADAC empfiehlt auf Nachfrage: "Die wichtigste Maßnahme ist eine regelmäßige Wartung des Autos." Das heißt: Kühlmittelstand, Kühlsystem und Klimaanlage sollten regelmäßig überprüft werden. Warnsignale wie steigende Motortemperaturen, Warnleuchten oder eine nachlassende Kühlleistung der Klimaanlage sollten demnach gerade an heißen Tage ernst genommen werden. Außerdem rät der ADAC, das Auto möglichst im Schatten abzustellen oder eine Sonnenschutzmatte zu verwenden. "Das reduziert die thermische Belastung des Innenraums erheblich", teilt der ADAC mit.

Dieser fand in einem Test im Technikzentrum in Landsberg am Lech heraus, welcher Sonnenschutz am besten funktioniert. Demnach heizt sich der Innenraum am wenigsten bei einer Halbgarage auf. Dabei handelt es sich um eine Abdeckplane, die über das gesamte Autodach inklusive Fenster gelegt wird.

Ein Alu-Sonnenschutz für die Frontscheibe kann gegen die Hitze helfen. Er wirkt aber besser von außen.
Ein Alu-Sonnenschutz für die Frontscheibe kann gegen die Hitze helfen. Er wirkt aber besser von außen. © Kai Remmers (dpa-tmn)

Die gemessene Innentemperatur: 43 Grad Celsius und somit 10 Grad geringer als bei einem Auto ohne jeglichen Sonnenschutz. Tests haben für solch einen Fall ergeben: Die Innentemperatur eines Autos liegt bereits nach 90 Minuten in der Mittagspause bei knapp 60 Grad Celsius.

Die zweitbeste Hilfe ist eine außen angebrachte Sonnenschutzfolie auf der Windschutzscheibe. Das verhindert laut ADAC effektiv ein Aufheizen der Sitzbezüge und der Armaturen. Die Lufttemperatur ist so acht Grad geringer als ohne Schutz. Wichtig: Wer die Folie stattdessen innen anbringt, kann den Temperaturanstieg auf nur vier Grad drosseln.

Wer derlei Maßnahmen ergreift, um das eigene Auto erst gar nicht der Sonne auszusetzen, hat die besten Chancen, auch ohne passende Versicherung hohen Werkstattkosten zu entgehen.

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