Zum Weltherztag 2026: Kardiologe warnt vor RSV-Gefahr für das Herz im Alter

Der Weltherztag steht 2026 unter dem Motto „Gib ACHT für ein starkes Herz“. Er macht auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bewegungsmangel und erhöhte Cholesterinwerte aufmerksam. Anlässlich des Aktionstages erläutert Kardiologe Prof. Dr. Dr. Stephan H. Schirmer aus Kaiserslautern, warum insbesondere für ältere Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch der Schutz vor Atemwegsinfektionen wie RSV so wichtig ist.
Herzgesundheit im Blick: Der Weltherztag rückt Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck in den Fokus. Ebenso wichtig ist der Schutz vor Atemwegsinfektionen wie RSV.
Herzgesundheit im Blick: Der Weltherztag rückt Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck in den Fokus. Ebenso wichtig ist der Schutz vor Atemwegsinfektionen wie RSV. © Patty Brito, unsplash.com

Warum zum Herzschutz mehr als ein gesunder Lebensstil gehört

Dass regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Verzicht auf Rauchen und die Behandlung von Bluthochdruck oder Diabetes mellitus dem Herzen guttun, ist wahrscheinlich den meisten Menschen bekannt. Oft weniger geläufig ist, dass auch der Schutz vor Atemwegsinfektionen wichtig für die Herzgesundheit ist – besonders wenn das Herz im Alter durch Vorerkrankungen belastet ist. So kann beispielsweise das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) älteren Menschen mit Herzkrankheiten schwer zusetzen.

Der Kardiologe Prof. Schirmer erklärt: "Etwa Patienten mit koronarer Herzkrankheit, also diejenigen, die bereits eine Durchblutungsstörung hatten, haben ein erhöhtes Risiko für schwere RSV-Infektionen. Sie haben aufgrund ihrer Herzkrankheit in der Vergangenheit bereits einen Stent, also eine Gefäßstütze erhalten oder schon einen Herzinfarkt erlitten. Besonders durch RSV gefährdet sind zum Beispiel auch die Menschen, die infolge eines Herzinfarkts eine Herzschwäche entwickelt haben. Auch Menschen mit Herzrhythmusstörungen haben ein erhöhtes Risiko für schwere RSV-Infektionen.“

Wie RSV das vorerkrankte Herz belasten kann

Statt harmloser Symptome wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen kann RSV bei diesen Menschen schwere Verläufe mit Komplikationen wie einer Lungenentzündung haben. Neben den Atemwegen kann der Erreger zudem das Herz-Kreislauf-System in Mitleidenschaft ziehen. Prof. Schirmer betont: "Wir sollten bei RSV nicht nur an die Erkrankung der Atemwege denken, sondern auch die dadurch entstehende Herzproblematik.“

Aber wie genau kann ein Atemwegsvirus dem Herz zusetzen? Dahinter steckt eine Entzündungsreaktion, erklärt der Experte. "Eine RSV-Infektion kann für ältere Menschen mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems riskant sein. Nicht, weil das Virus das Herz angreift, sondern weil Entzündungsbotenstoffe, die infolge der Infektion im Körper ausgeschüttet werden, Herzerkrankungen begünstigen können. Dadurch kann es dazu kommen, dass Ablagerungen in Gefäßen aufreißen und ein Herzinfarkt oder Schlaganfall entsteht.“ Eine weitere Gefahr: Im Rahmen einer RSV-Infektion kann sich eine Herzschwäche verschlechtern. Mögliche Anzeichen sind Luftnot und Wassereinlagerungen in den Beinen.

Welche Warnsignale Herzpatienten ernst nehmen sollten

Doch was ist zu tun, wenn sich ältere Herzkranke mit einem Atemwegserreger wie RSV infizieren? Dann gilt es, den Gesundheitszustand aufmerksam zu beobachten und bei Bedarf den Hausarzt oder das Krankenhaus zu kontaktieren. Ärztlicher Rat ist laut Prof. Schirmer insbesondere wichtig bei Symptomen wie:

  • deutliche Atemnot, besonders, wenn sie bei kleinster Belastung auftritt
  • schnelle Atemfrequenz
  • sehr starker Husten
  • hohes Fieber
  • ausgeprägte Schwäche

Wenn ein RSV-Infekt den Alltag verändert

Ältere Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung können die Auswirkungen einer RSV-Infektion längerfristig spüren. Der Kardiologe erklärt: "Eine RSV-Infektion kann Folgen auf das Herz-Kreislauf-System haben, die über die akute Atemwegsinfektion, die manchmal nach wenigen Wochen abgeklungen ist, hinausgehen. Patienten sind mitunter monatelang oder dauerhaft beeinträchtigt.“

Das kann so weit gehen, dass die Selbstständigkeit der Betroffenen dauerhaft eingeschränkt ist, wie der Experte beschreibt: "Ein Patient, der schon vor der Infektion gebrechlich war, aber noch einkaufen konnte, schafft das danach eventuell nicht mehr. Er kann zum Beispiel die Tüten nicht mehr tragen. Jemand, der noch kleinere Spaziergänge um den Block gemacht hat, kann das mitunter auf einmal nicht mehr. Eine RSV-Infektion kann eine drastische Einschränkung der Lebensqualität und Veränderung der Alltagsaktivitäten bedeuten.“

Was Herzpatienten zum Schutz vor RSV beitragen können

Die gute Nachricht: Ältere Herzpatienten können sich vor den Folgen einer RSV-Infektion schützen. Eine wichtige Maßnahme ist die RSV-Impfung, die das Risiko für schwere Erkrankungen senken kann. Prof. Schirmer erklärt:  "Mit der Impfung schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Wir können die Folgen mildern, die das Virus auf Atemwege und das Herz-Kreislauf-System hat.“

Kardiologe Prof. Dr. Dr. Stephan H. Schirmer
Kardiologe Prof. Dr. Dr. Stephan H. Schirmer © privat

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die RSV-Impfung für Menschen ab 60 Jahren mit bestimmten Vorerkrankungen wie schweren chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Personen ab 60, die in einer Pflegeeinrichtung leben, sollten sich laut STIKO mit der RSV-Impfung schützen. Das gilt ebenso für alle Menschen ab 75 Jahren.

Jetzt vorsorgen: Impfschutz beim nächsten Arztbesuch ansprechen

Der nächste Termin beim Hausarzt oder Kardiologen ist für ältere Herzpatienten eine gute Gelegenheit, um sich zur RSV-Impfung beraten zu lassen. Besonders praktisch laut Prof. Schirmer: "Die Impfung kann jederzeit auch im Rahmen eines Routine-Check-ups erfolgen. Aufgrund des mehrjährigen Schutzes ist sie nicht saisonal.“ Übrigens: RSV- und Grippeimpfung lassen sich auch unkompliziert beim selben Termin gemeinsam verabreichen.


Die Recherche und Erstellung des Beitrags wurden durch eine externe Redaktion vorgenommen und stammen nicht aus der eigenen Redaktion.

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