So machen Sie Ihren Balkon vogelfreundlicher

Jedes Jahr werden laut dem Naturschutzbund weniger Vögel beobachtet. Wer den Gesang der Vögel künftig nicht missen will, kann dagegen etwas tun – auch als Stadtbewohner ohne Garten. 
von  Maximilian Neumair
Fünf Haussperlinge sitzen auf einem Balkon. Weil immer mehr Flächen zugebaut würden, werde der Lebensraum von Vögeln in der Stadt immer kleiner.
Fünf Haussperlinge sitzen auf einem Balkon. Weil immer mehr Flächen zugebaut würden, werde der Lebensraum von Vögeln in der Stadt immer kleiner. © Annette Riedl

In der Liege hat man es sich gemütlich gemacht, die Sonne wärmt das Gesicht und ein kühles Getränk steht griffbereit. Um so einen Ausflug nach Balkonien abzurunden, fehlt nur das Zwitschern der Vögel. Doch das verstummt nach und nach: Bei der Naturschutzbund-Aktion (Nabu) "Stunde der Gartenvögel", die diesen Freitag wieder startet, wurden im vergangenen Jahr nur rund 28 Vögel pro Garten gezählt – der niedrigste Wert seit Beginn der Aktion vor über 20 Jahren. Die Befürchtung: Auch in diesem Jahr werden Menschen, die sich an der Aktion beteiligen, wieder weniger Vögel sehen.

Laut Nabu lässt sich das nicht mit Wetterzufälligkeiten erklären, sondern liegt unter anderem an fehlender Nahrung, Hitze und Trockenheit. Vogelfreunde müssen jedoch nicht einfach tatenlos am Seitenrand stehen, während die Piepmätze leiden. Auch in einer Großstadt wie München können Menschen eine freundlichere Umgebung für die hier lebenden Meisen, Hausrotschwänze und Mauersegler auf ihrem Balkon schaffen. Die AZ hat deshalb beim bayerischen Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) angeklopft und bei der Ornithologin Angelika Nelson nach Tipps gefragt.

Vogelfreundlich: Täglich frische Wasserschale

Futterstellen und Vogeltränken aufstellen: Die sind eine einfache und unkomplizierte Hilfe für die Tiere. Dafür reicht bereits, eine Wasserschale aufzustellen. Nelson sagt: "Vor allem jetzt im Frühjahr und Sommer bei warmen Temperaturen und Trockenheit wäre eine Vogeltränke wirklich wichtig, da die Vögel so beständig Wasser zum Trinken, aber auch zum Baden haben." Der Bonus für die Helfer: Die Erfrischung tut nicht nur dem Vogel gut, sondern das Baden ist auch schön mitanzusehen. "Amseln gehen wirklich sehr gern und sehr häufig baden", sagt Nelson. In den Städten finde man immer weniger Wasser, weil keine Pfützen wegen des zubetonierten und asphaltierten Bodens stehen blieben.

Eine Amsel erfrischt sich in einem Garten in einer Wasserschale. So eine lässt sich auch auf dem Balkon aufstellen.
Eine Amsel erfrischt sich in einem Garten in einer Wasserschale. So eine lässt sich auch auf dem Balkon aufstellen. © Karl-Josef Hildenbrand

Sie rät dazu, das Wasser täglich zu wechseln. So bleibe es sauber und Parasiten und Krankheitserreger können so nicht übertragen werden oder Algen in dem Wasser wachsen. "Wenn da eine Amsel drin gebadet hat, dann ist es eh fast leer", sagt die Vogelkundlerin. Ist die Wasserschale ausgeleert, sollte man mit der Bürste einmal kurz drüberfahren und das Wasser wieder nachfüllen. "Da muss man im Normalfall nicht groß reinigen." Beobachtet man allerdings kranke Vögel in der Nähe der Tränke oder Futterstelle, sollte man das Gefäß sofort entfernen und es gründlich reinigen.

Ein Haussperling sitzt in einem Garten an einer Futtersäule. Mit der lässt sich verhindern, dass die Vögel ins Futter koten und andere Artgenossen anstecken.
Ein Haussperling sitzt in einem Garten an einer Futtersäule. Mit der lässt sich verhindern, dass die Vögel ins Futter koten und andere Artgenossen anstecken. © Mohssen Assanimoghaddam

Auch beim Futter kann der Mensch eine helfende Hand reichen. Am besten geht das mit Vogelsäulen, denn die haben den großen Vorteil, dass die Piepmätze nicht ins Futter koten und so Artgenossen anstecken können – anders als bei Vogelhäuschen oder flachen Futterstellen. Amseln oder Tauben können davon dann zwar nicht naschen, aber etwa Meisen, Finken und Stieglitze können sich darüber freuen. Artgerechtes Futter sind beispielsweise Sonnenblumenkerne, Hirse oder Hanfsamen.

Ein Buntspecht nascht am in einem Garten Sonnenblumenkerne. Klassische Meisenknödel sind eher etwas für den Winter.
Ein Buntspecht nascht am in einem Garten Sonnenblumenkerne. Klassische Meisenknödel sind eher etwas für den Winter. © Roland Weihrauch

Klassische Meisenknödel oder Fettfutter sind eher etwas für den Winter, weil es im Sommer leicht schmilzt und die Vögel zur Jungenaufzucht auf proteinreiche Nahrung wie Insekten angewiesen sind. Diese bietet man am besten mit einer naturnahen Gestaltung mit heimischen Pflanzen am Balkon oder im Garten.

Vogelexpertin: "Mehr Insekten helfen auch"

Vorsicht beim Nistkasten aufstellen: Einen sicheren Wohnraum zur Brut zu schaffen, ist für viele schon schwieriger umzusetzen. Denn es kommt auf mehrere Faktoren an: Ist der Balkon groß genug? In welche Himmelsrichtung ist er ausgerichtet? Wer einen Nistkasten etwa auf seinem Südbalkon aufstellt, hat das Problem, dass dieser zu warm werde. "Gerade unerfahrene, jüngere Vögel in der ersten Brutsaison könnten da reingehen und ihre Brut in der Folge sterben", warnt Nelson.

Und Haus- oder Feldsperlinge brauchen zwei bis drei Kästen nebeneinander, damit sie diese auch nutzen. Wer recht weit oben wohnt, etwa im vierten oder fünften Stock, könnte sich überlegen, Nistkästen für Mauersegler aufzuhängen – eine typische Vogelart in Siedlungsgebieten, die ihr ganzes Leben noch in der Luft verbringt.

Eine Kohlmeise fliegt aus einem Nistkasten in einer Gartenanlage. Nicht für jeden Balkon ist ein Nistkasten eine gute Idee.
Eine Kohlmeise fliegt aus einem Nistkasten in einer Gartenanlage. Nicht für jeden Balkon ist ein Nistkasten eine gute Idee. © Holger Hollemann

Indirekte Hilfen für Vögel: Wenn der Balkon sich nicht für einen Nistkasten für Vögel eignet, dann womöglich für Insekten, die es gern warm haben. "Mehr Insekten helfen im Endeffekt auch wieder den Vögeln", erklärt Nelson. Dafür reicht schon ein Stück Holz mit mehreren kleinen Bohrungen für Wildbienen, die weitaus kleiner als etwa Honigbienen sind. Auch heimische Pflanzen und Kräuter locken laut Nelson Insekten an. Etwa Thymian, Salbei oder Oregano – vor allem in ihren Wildformen.

Wiesen in Balkonnähe sollten zudem nicht gemäht werden, sondern wild wachsen dürfen. Auch am Rand wachsende Blumen wie Brennnesseln oder Löwenzahn sollen blühen dürfen. "Da finden die Vögel auch wieder Nahrung", sagt Nelson. Ameisen etwa finden sich so wieder vermehrt, was etwa den Grünspecht freut. Nelson empfiehlt, sich mit anderen Nachbarn zusammenzuschließen und die Hausverwaltung darum zu bitten, vom Gras die Finger zu lassen sowie beispielsweise bei der LBV-Aktion "Mähfreier Mai" mitzumachen.

Vögel vor Scheiben warnen: Punkte statt Silhouetten

Aufkleber an die Balkontüren anbringen: Aber nicht die klassischen Vogelsilhouetten, da diese nach neuesten Erkenntnissen die Tiere gar nicht davon abhalten, gegen das Glas zu fliegen. Nelson empfiehlt stattdessen flächendeckende Punkte im Abstand von zehn Zentimetern, die sich an den Scheiben in Streifen anbringen lassen. "Da kann man dann immer noch wunderbar aus dem Fenster rausschauen und die Vögel sehen", versichert Nelson. Wer nichts auf seine Fenster kleben will, der kann auch von außen Vorhänge aus Schnüren anbringen. Die bewegen sich im Wind und sind so für die Vögel gut sichtbar.

Falkensilhouetten als Vogelschreck halten Vögel nicht davon ab, gegen Glasscheiben zu fliegen. Besser sind Vorhänge aus Seilen oder gleichmäßig verteilte Punkte, die sich aufkleben lassen.
Falkensilhouetten als Vogelschreck halten Vögel nicht davon ab, gegen Glasscheiben zu fliegen. Besser sind Vorhänge aus Seilen oder gleichmäßig verteilte Punkte, die sich aufkleben lassen. © imageBROKER/Robin Chittenden via www.imago-images.de

Wer statt eines Balkons etwa einen kleinen Garten hat, kann neben den genannten Tipps eine Hecke oder andere große Schattenspender pflanzen. Wasserschalen sollten jedoch erhöht und alleinstehend aufgestellt werden – etwa auf einem Pfosten –, damit Freigängerkatzen nicht herankommen. Auch wenn Vögel ihr Fressen meistens am Boden suchen und Gärten so besonders attraktiv für sie sind, ist auch jede Hilfe auf den Balkonen wertvoll.

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