Rasenpflege wird teurer: Was ein Garten kostet – und welche Alternativen es gibt

Steigende Wasserpreise, teure Gartengeräte und zunehmende Trockenheit machen den klassischen Rasen zunehmend kostspielig. Eine langfristige Kostenrechnung zeigt, wie teuer Grünflächen wirklich werden können – und welche Alternativen sich für Gartenbesitzer rechnen können.
von  Janina Nagel
Naturrasen gehört zu den klassischsten Elementen in der Gartengestaltung. Vor dem Hintergrund steigender Kosten bleibt er jedoch nicht alternativlos.
Naturrasen gehört zu den klassischsten Elementen in der Gartengestaltung. Vor dem Hintergrund steigender Kosten bleibt er jedoch nicht alternativlos. © Flux 2 Pro

Ein gepflegter Rasen ist ein Aushängeschild für den Außenbereich und bildet den Rahmen für eine liebevoll gestaltete grüne Oase vor der eigenen Haustür. Gleichmäßiges sattes Grün, ein regelmäßiger Rückschnitt und die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen machen Rasenflächen zu attraktiven Bestandteilen von Gartenanlagen.

Ein klassischer Rasen galt lange als pflegeleichte Komponente für den Außenbereich. Doch die Rahmenbedingungen verändern sich zunehmend. Ungünstigere Klimabedingungen, steigende Wasserpreise und ein wachsendes Bewusstsein für Ressourcenverbrauch lassen die Frage in den Fokus rücken, was ein klassischer Rasen bei sorgfältiger Pflege heute kostet und ob es sinnvollere Alternativen gibt.

Es kann sich lohnen, hier einen genaueren Blick auf die Rechnung zu werfen und Kosten und Nutzen gegeneinander abzuwägen.

Der Rasen als Dauerprojekt

Wer heute eine für klassische Einfamilienhäuser typische Rasenfläche von rund 200 Quadratmetern anlegt, entscheidet sich nicht für eine einmalige Investition in eine ansprechende Außenanlage, sondern für ein dauerhaftes Pflegeprojekt. Naturrasen verlangt regelmäßiges Mähen, Düngen, Bewässern und Pflegen.

Kosten für die Erstanlage

In der Erstanlage ist Naturrasen im Vergleich zu Alternativen ein eher günstiges Element für die Gartengestaltung. Je nach  Bodenbeschaffenheit, Saatgut oder Rollrasen und Vorbereitung liegen die Kosten meist zwischen 500 und 1.000 Euro. Für Kunstrasen oder stilvoll bepflanzte Beete kann in der Regel ein Vielfaches kalkuliert werden.

Laufende Kosten für die Pflege

Hat der Rasen seine grüne Pracht entfaltet, bleibt er in Abhängigkeit von der Bodenbeschaffenheit und den klimatischen Bedingungen verhältnismäßig pflegearm. Dennoch sollte der Zeit- und Kostenfaktor für die Instandhaltung eines gesunden und optisch ansprechenden Rasens nicht außer Acht gelassen werden.

Wasser wird zum entscheidenden Kostenfaktor

Ein für Gartenbesitzer immer stärker zu Buche schlagender Faktor sind die Kosten für Bewässerung. In trockenen Sommern benötigt ein Rasen je nach Witterung und Bodenart rund 60.000 Liter Wasser pro Jahr, um gesund zu bleiben und sein sattes Grün zu behalten. Bei aktuellen Wasserpreisen entstehen dadurch jährliche Kosten von etwa 300 bis 600 Euro.  Weitere Preissteigerungen sind anzunehmen.

Rasen-Bewässerung: Die Kosten dürften weiter steigen.
Rasen-Bewässerung: Die Kosten dürften weiter steigen. © Flux 2 Pro

Viele Kommunen sind vor allem in Hitze- und Trockenperioden dazu übergegangen, Gebühren anzupassen und appellieren zunehmend an die Bevölkerung, den Wasserverbrauch zu reduzieren. Was früher als notwendige Gartenpflege galt, wird damit immer häufiger zur Kostenfrage und zu einem ethischen Diskurs.

Dünger, Gartengeräte und Wartung: Unterschätzte Kosten auf dem Prüfstand

Ein gesunder und gepflegter Rasen benötigt nicht nur eine ausreichende Bewässerung, sondern auch Nährstoffe, die durch hochwertige Düngerprodukte zugeführt werden können. Selbst bei einer guten und nährstoffreichen Bodenqualität und damit einhergehend moderatem Düngeaufwand sollten Gartenbesitzer bei einer durchschnittlichen Rasenfläche von rund 200 Quadratmetern mit zusätzlichen Kosten von etwa 50 bis 100 Euro jährlich rechnen.

Deutlich stärker schlagen hochwertige Geräte für die Rasenpflege zu Buche. Ein qualitativ hochwertiger Rasenmäher kostet in der Anschaffung 500 bis 1.500 Euro, dazu kommen Wartungskosten, Ersatzteile, Strom oder Benzin. Über Jahre betrachtet entstehen hier weitere laufende Kosten, die oft nicht bewusst einkalkuliert werden.

Auch der zeitliche Aufwand für die adäquate Pflege eines klassischen Naturrasens darf in die Gesamtrechnung miteinfließen. Wer seine grüne Oase selbst pflegt, sollte rund 30 bis 50 Arbeitsstunden pro Jahr für Pflegearbeiten wie Mähen, Kanten schneiden, Bewässern, Düngen und Nacharbeiten einplanen. Dem gegenüber stehen die nachweislich gesundheitsfördernden Effekte, die regelmäßige Gartenarbeit mit sich bringt. Die körperliche Betätigung an der frischen Luft und in der Natur kanns sich positiv auf das Immunsystem, das Herz-Kreislauf-System, den Stresslevel und das allgemeine Wohnbefinden auswirken. Damit ist Zeit, die die in die Gartenarbeit investiert ist, immer auch eine Investition in eine gesunde Lebensweise.

Der Naturrasen nach dem Kassensturz

Über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren entstehen für eine 200-Quadratmeter-Rasenfläche Gesamtkosten von rund 8.000 bis 15.000 Euro. Damit wird der Naturrasen zu einem lohnenden, aber herausfordernden Gartenprojekt. Für Gartenbesitzer, die Zeit und Kosten sparen möchten, rückt der Kunstrasen als Alternative immer stärker in den Fokus des Interesses.

Der Kunstrasen als Alternative

Zahlen und Fakten im Blickpunkt

Kunstrasen als Alternative zum klassischen Naturrasen hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und rückt sowohl optisch als auch haptisch immer näher an die natürliche Variante heran.

Ein konkreter Blick auf die Kosten-Nutzen-Rechnung lohnt sich:

In der Anschaffung ist ein hochwertiger Kunstrasen deutlich teurer als die Naturrasenvariante. Für das schon zuvor zugrunde gelegte 200 Quadratmeter Gartengrundstück müssen je nach Qualität und Unterbau etwa 4.000 bis 8.000 Euro kalkuliert werden.

Sein Einsparpotenzial entfaltet der Kunstrasen allerdings im Anschluss. Da Kunstrasen weder bewässert noch gedüngt werden muss, entfallen jährlich Kosten in Höhe von 350 bis 700 Euro. Auch kostspielige Geräte für die Rasenpflege, sowie Wartungs- und Instandhaltungskosten dafür müssen nicht einkalkuliert werden. Damit können sich die Mehrkosten in der Anschaffung des Kunstrasens bereits innerhalb weniger Jahre Nutzungsdauer amortisieren.

Hinzu kommt ein geringerer Pflegeaufwand. Nur wenige Stunden pro Jahr sind erforderlich, zum Beispiel für das Entfernen von Laub oder gelegentliches Aufbürsten der Fasern.

(Quelle: https://www.premium-kunstrasen.de. Die Angaben basieren auf durchschnittlichen Erfahrungswerten und können je nach Region, Nutzungsintensität und Preisentwicklung variieren.)

Weitere Alternativen für den Garten

Es muss nicht immer Grünfläche sein

Neben Naturrasen und Kunstrasen rücken zunehmend weitere Gestaltungsformen in den Blick, die den Pflegeaufwand reduzieren und besser an veränderte klimatische Bedingungen angepasst sind. Dazu zählen vor allem Blühwiesen, Bodendeckerflächen sowie strukturierte Gärten mit Kies-, Holz- oder Pflasterelementen, die gezielt mit Pflanzen kombiniert werden.

Blühwiesen

Blühwiesen bestehen aus standortangepassten Saatmischungen mit Wildblumen und Gräsern. Sie benötigen deutlich weniger Wasser, kommen meist ohne Düngung aus und müssen nur ein- bis zweimal pro Jahr gemäht werden. Gleichzeitig bieten sie Lebensraum für Insekten und tragen zur Biodiversität bei. Optisch lösen sie sich vom gleichmäßigen Rasenbild, gelten aber als vergleichsweise robuste und kostengünstige Lösung.

Bodendecker

Bodendecker wie Immergrün, Kriechspindel oder niedrige Stauden schließen den Boden dauerhaft, reduzieren Verdunstung und verhindern Unkrautwuchs. Ist die Fläche einmal etabliert, sinkt der Pflegeaufwand deutlich. Auch hier entfällt regelmäßiges Mähen, während der Wasserbedarf geringer ausfällt als bei klassischem Rasen.

Mischkonzepte

Ebenfalls verbreitet sind Mischkonzepte, bei denen kleinere Grünflächen mit befestigten Bereichen kombiniert werden. Kiesflächen mit punktueller Bepflanzung, Holzdecks oder Natursteinwege verringern die bewässerungsintensive Fläche, ohne den Garten vollständig zu versiegeln. Entscheidend ist dabei eine fachgerechte Planung, um Hitzeentwicklung und ökologische Nachteile zu vermeiden.

Allen Alternativen gemeinsam ist ein Perspektivwechsel: Der Garten wird weniger als gleichmäßige Grünfläche verstanden, sondern als funktionaler, pflegearmer und anpassungsfähiger Lebensraum. Für viele Gartenbesitzer wird genau dieser Ansatz angesichts steigender Kosten zunehmend attraktiv. Gerade im Bereich Urban Gardening oder bei kleineren Gärten wächst dadurch die Bereitschaft, sich vom Ideal des perfekten Rasens zu lösen.


Die Recherche und Erstellung des Beitrags wurden durch einen externen Redakteur vorgenommen und stammen nicht aus der eigenen Redaktion.

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