Die Schattenseiten industrieller Hundeleckerlis: Farbstoffe, Konservierung und Kalorienfallen

Fitnesstrainer und leidenschaftlicher Hundehalter Martin Caesar warnt vor Konservierungsstoffen, Geschmacksverstärkern und hohen Kalorienwerten in industriellen Hundeleckerli. Er empfiehlt selbstgemachte Snacks und teilt seine einfachen Rezepte.
Sophia Willibald
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Zu fett und zu künstlich: Industriell hergestellte Hundeleckerlis enthalten oft nicht das, was sich Halter von ihnen versprechen. Die Zutatenlisten sind lang und unübersichtlich.
Zu fett und zu künstlich: Industriell hergestellte Hundeleckerlis enthalten oft nicht das, was sich Halter von ihnen versprechen. Die Zutatenlisten sind lang und unübersichtlich. © IMAGO/Rolf Poss

Der gewohnte Gang durch den Supermarkt: Fein säuberlich sortierte Gläser, knallige Pappboxen mit verlockenden Versprechen und glänzende Tüten, bei denen einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Doch bevor manches in den Wagen wandert, ein kurzer Blick auf die Zutaten: Was ist eigentlich drin? Wie viele Kalorien kommen auf 100 Gramm? Wie hoch ist der Salz- und Zuckergehalt?

Für einige gehört das zu einem Einkauf, wie der Warentrenner auf das Kassenband. Denn normalerweise möchte man wissen, was man isst. Lange Zutatenlisten, ein hoher Kalorien- und Zuckergehalt und die Zugabe von Farbstoffen sowie Geschmacksverstärkern schrecken Konsumenten immer häufiger ab.

Vielen ist eine bewusste Ernährung wichtig – wieso also nicht auch die des Haustieres?

Seit ein paar Jahren drucken einige Hersteller den sogenannten Nutri-Score auf ihre Produkte. Ein Ampelsystem, das dem Käufer auf einen Blick zeigen soll, wie gesund oder ungesund der Inhalt ist.

Die kleine fünf-farbige Ampel ist allerdings freiwillig und nicht alle Firmen machen mit. Doch zumindest in Teilen werden Käufer auf den Inhalt von bestimmten Produkten aufmerksam gemacht.

Anders verhält sich das bei Tiernahrung. Hier gibt es keinen Nutri-Score. Doch nur weil die Futterdosen, Schälchen und Tütchen ohne einen solchen Hinweis daherkommen, sind sie noch lange nicht bedenkenlos an jeden Vierbeiner zu verfüttern, sagt Martin Caesar.

Fitnesstrainer und Hundehalter Martin Caesar: "Wenn man hinten nachliest, sieht man, wie viele Konservierungsstoffe drin sind"

Er findet, dass noch viel zu wenige Halter die Zutaten ihres Tierfutters checken. Der 40-Jährige ist Fitnesstrainer und hat einen Hund – die Labradorhündin namens Lindsy. Seit sieben Jahren ist er ihr stolzes Herrchen.

Der Münchner Martin Caesar mit seiner Hündin Lindsy.
Der Münchner Martin Caesar mit seiner Hündin Lindsy. © privat

Für sie backt er mehrmals im Monat Leckerlis. Denn der Münchner möchte genau wissen, was seine Lindsy frisst.

Durch seinen Beruf ist Martin Caesar eine gesunde und ausgewogene Ernährung grundsätzlich wichtig. Irgendwann fängt er an, auch beim Futter seiner Hündin genauer hinzusehen. Er sagt: "Wenn man hinten mal nachliest, sieht man, wie viele künstliche Konservierungsstoffe und Farbstoffe da drin sind. Oder, wie häufig Füllstoffe wie Reis oder Mais hinzugegeben werden."

Geschmacksverstärker findet der Münchner besonders bedenklich

Auch der oft sehr hohe Kaloriengehalt von Tiersnacks sei problematisch – insbesondere für kleine Hunde. "Die Leckerlis haben teilweise so viele Kalorien, dass schon die Hälfte des Tagesbedarfs gedeckt ist. Die Tiere können dadurch schnell übergewichtig werden", sagt Caesar.

Besonders bedenklich findet er die Zugabe von Lockstoffen: "Diese Aromen wirken wie Geschmacksverstärker bei uns Menschen. Die Tiere fressen es zwar, doch über die Qualität und den Inhalt sagt das nichts aus."

Nach Unverträglichkeit: Hund Lindsy bekommt eine Ernährungsumstellung

Für Martin Caesar und seine Frau gibt es immer mehr Gründe, keine Leckerlis aus der Industrie zu verfüttern. Als bei Lindsy dann auch noch eine Unverträglichkeit gegen Rindfleisch festgestellt wird und damit ihre geliebten Ochsenzungen vom Speiseplan gestrichen werden, beginnen Martin Caesar und seine Frau zu backen.

"Man muss sich vorstellen, wie sehr sich Lindsy immer gefreut hat, wenn sie eine Ochsenzunge bekam – wie sie schwanzwedelnd mit ihr im Maul zum Körbchen gelaufen ist. Und dann auf einen Schlag heißt es, du kriegst die nicht mehr", sagt der Münchner mit mitleidiger Stimme. "Da haben wir gesagt: Okay, jetzt muss irgendwas anderes Cooles her."

Caesar und seine Frau machen sich schlau; recherchieren im Internet, sprechen mit ihrem Tierarzt: Wie stellt man Hundeleckerlis in der Heimküche her? Was darf alles rein? Und vor allem: Was schmeckt unserer Lindsy?

Der Weg zur bewussten Ernährung ihres Hundes Lindsy

"Am Anfang hat es nicht so geklappt. Mal waren die Kekse nicht durch, mal zu zäh und ein anderes Mal zu hart", erzählt Martin Caesar amüsiert der AZ. Aber mit der Zeit hätten die beiden Hobbybäcker ihre Rezepturen perfektioniert. Unter anderem stellte sich heraus, dass die Backzeit für die spätere Konsistenz enorm wichtig ist.

Unter den verschiedenen Variationen ihrer Herrchen hat Lindsy schon einen klaren Favoriten.
Unter den verschiedenen Variationen ihrer Herrchen hat Lindsy schon einen klaren Favoriten. © privat

Mittlerweile sind sie Profis und haben für ihren Hund verschiedenste Schmankerl im Repertoire: Dinkel-Hafer mit Ei, Banane-Erdnuss, Kokos-Kürbis, Thunfisch mit Flohsamenschalen und, – Lindsys Leibgericht – Leberwursthappen.

Caesar und seiner Frau ist es wichtig, nur wenige und natürliche Zutaten zu verwenden. Sie wollen weg von den langen und rätselhaften Zutatenlisten. Die Rezepte veröffentlicht Martin Caesar auf seiner Webseite "Hundeliebe".

Der 40-Jährige über seine Seite: "Stecke da viel Herzblut rein"

Neben Backtipps finden Hundebegeisterte hier auch Tricks zur Hundeerziehung, Infos über mögliche Krankheiten und eine Übersicht über verschiedene Hunderassen. Im Grunde genommen hat Martin Caesar mit "Hundeliebe" ein tierisches Tagebuch im Web geschaffen. Er teilt dort sein über sieben Jahre gesammeltes Wissen und seine Erfahrungen mit Hündin Lindsay.

Geld mache er mit dem Blog kaum, sagt er. Es gebe ein paar Affiliate-Links, erzählt der Münchner. Das bedeutet, dass er durch ein paar Produkte, die er empfiehlt, eine Provision erhält, wenn Nutzer über seinen Link beim Online-Händler einkaufen. Viel komme dabei aber nicht zusammen. "Die Seite ist ein Hobby. Ich stecke da viel Herzblut rein."

Seine Keksrezepte sind der Renner

Umso mehr würden ihm die positiven Kommentare von Nutzern unten auf der Seite bedeuten. "Vor allem die Kekse kommen super an", freut sich Caesar. Der Münchner findet es schön, wenn er mit seinen Rezepten auch andere Halter zu einer bewussteren Ernährung ihrer Hunde motivieren kann.

Und eines ist sicher: Die Vierbeiner freuen sich allemal, wenn ihre Halter das Nudelholz schwingen und ihnen Hirsekekse mit Apfel oder Lachsöl-Mini-Snacks servieren.

Zwei Rezepte zum Nachbacken: Der Klassiker – Dinkel-Hafer mit Ei

Dieses Rezept ist sozusagen ein Grundrezept, das sich ganz nach den Unverträglichkeiten und Vorlieben des Tieres anpassen lässt; zum Beispiel mit einer geriebenen Karotte oder etwas Thunfisch.

Zutaten:

150 g Dinkelmehl

50 g zarte Haferflocken

1 Ei

2 EL Sonnenblumenöl

3 bis 5 EL Wasser (je nach Teigkonsistenz)

Backzeit: circa 25 Minuten bei 180 Grad Ober-/Unterhitze auf mittlerer Schiene

Zubereitung: Mehl, Haferflocken, Ei und Öl in einer Schüssel gut vermengen. Dann schluckweise Wasser zugeben und die Zutaten miteinander zu einem geschmeidigen Teig kneten. Der Teig soll weich, aber gut ausrollbar sein.

Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche etwa fünf Millimeter dick ausrollen und nach Belieben Formen ausstechen.

Die Kekse können ganz nach dem Geschmack des Hundes verfeinert werden. Etwa mit einer geriebenen Karotte oder Thunfisch.
Die Kekse können ganz nach dem Geschmack des Hundes verfeinert werden. Etwa mit einer geriebenen Karotte oder Thunfisch. © IMAGO/Zoonar.com/Olena Rudo

Die Kekse auf ein Backblech legen und bei 180 Grad (Ober-/Unterhitze oder Umluft) auf mittlerer Schiene ca. 25 Minuten backen, bis sie leicht gebräunt sind.

Nach dem Backen vollständig auskühlen lassen und trocken und geschützt lagern – am besten in einem luftdichten Glas oder einer Blechdose. So bleiben sie mehrere Wochen frisch und knusprig.

Leberwursthappen für Gourmets

Diese Variante kommt bei Lindsy am besten an.

Zutaten:

2 EL Leberwurst (ohne Zwiebeln oder Gewürze)

100 g zarte Haferflocken

1 Ei

Backzeit: 25 bis 30 Minuten bei 160  Grad Ober-/Unterhitze

Zubereitung:

Die Zutaten für Hundekekse – Leberwurst, Ei und Haferflocken – in einer Schüssel gut vermischen. Den Teig anschließend gründlich kneten, bis er kompakt und gut formbar ist.
Hinweis: Je nach Konsistenz der Leberwurst kann der Teig unterschiedlich feucht sein – bei Bedarf etwas mehr Haferflocken zugeben.

Frisch gebackene Hunde-Kekse in Pfoten-Form.
Frisch gebackene Hunde-Kekse in Pfoten-Form. © djlowe via imago-images.de

Den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben, etwa fünf Millimeter dick ausrollen und mit einem kleinen Ausstecher Formen stechen – zum Beispiel Knochen, Herzen oder Kreise. Alternativ in kleine Quadrate schneiden.

Die geformten Kekse auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen und bei 160  Grad auf mittlerer Schiene circa 25 bis 30 Minuten backen, bis sie leicht goldbraun sind.

Nach dem Backen gut abkühlen lassen. Für längere Haltbarkeit können die Kekse zusätzlich im ausgeschalteten Backofen nachtrocknen – das verringert die Gefahr von Schimmelbildung.

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