Ramschgeräte: Tickende Zeitbomben im Wohnzimmer

Glühende Glättbürsten, explosive Stecker, Mini-Kameras: Was man sich mit billigen Produkten aus dem Ausland ins Haus holt.
| Rolf Schraa
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Ein Wecker mit Überwachungskamera (über der 12).
dpa 4 Ein Wecker mit Überwachungskamera (über der 12).
Der Griff dieser Haar-Glättbürste kann über 120 Grad heiß werden.
dpa 4 Der Griff dieser Haar-Glättbürste kann über 120 Grad heiß werden.
Dieser Stoffbär hat eine Überwachungskamera in der Nase installiert.
dpa 4 Dieser Stoffbär hat eine Überwachungskamera in der Nase installiert.
Dieser Radiowecker stört den Funkbetrieb der Flugsicherung.
dpa 4 Dieser Radiowecker stört den Funkbetrieb der Flugsicherung.

Ramsch-Stecker, die Feuer verursachen können, Lampen, die den Radioempfang stören und verbotene Handy-Blocker aus dem Ausland – die Marktüberwachung bekommt mit dem Online-Handel immer mehr zu tun. Manchmal hilft nur noch eins: zerstören.

Ein Beispiel: Der Einbaustrahler aus einem Kölner China-Markt kostet nur 2,50 Euro – ein Zehntel des Preises für eine Markenlampe. Dafür könnte das Billig-Netzteil in der Lampe Störfrequenzen erzeugen, warnt Kontrolleur Uwe Saalmann von der Bundesnetzagentur. Die Wärme staut sich im Plastik des Ramsch-Produkts – Brandgefahr.

Häufig kommen die Ramsch-Artikel aus China

Eine verständliche Gebrauchsanweisung und die vorgeschriebene CE-Hersteller-Kennzeichnung fehlen sowieso. Die Marktüberwachung der Bundesnetzagentur zog die Lampe aus dem Verkehr.

Lampen und Funkkopfhörer, Drohnen, Steckdosenleisten, Handfunkgeräte und sogenannte FM-Transmitter, die Musik vom Smartphone zum Radio übertragen: Störanfällige Billig-Elektroprodukte – oft, aber nicht immer aus China – überschwemmen seit Jahren zunehmend den Markt.

Das hängt auch damit zusammen, dass immer mehr Kunden im Internet einkaufen, wobei Lieferungen schwer zu kontrollieren sind. Die Bonner Bundesnetzagentur, die über einen störungsfreien Funk- und Radiobetrieb wacht, der Zoll und die regionalen Aufsichtsbehörden führen angesichts der Importschwemme einen schwierigen Kampf.

"Der Vertrieb übers Netz drückt immer mehr rein", sagt ein Behördensprecher. "Das ist wie Don Quichotte – in manche Läden können Sie jede Woche wieder gehen", sagt Uwe Saalmann, der von Dortmund aus fast ganz Nordrhein-Westfalen kontrolliert.

Eine dänische Design-Glühbirne stört den Radioempfang

Bei der Bundesnetzagentur überwachen mehr als 400 Mitarbeiter an 20 Standorten den Markt und beheben Funkstörungen. "Angesichts der wachsenden Flut unsicherer Produkte werden wir unsere Arbeit vor allem im Online-Handel weiter intensivieren", sagt Behördenchef Jochen Homann.

Die Aufsichtsbehörde stellt von heute an in einer Wanderausstellung in Bonn besonders gefährliche Geräte aus, die in manchen Fällen wie Zeitbomben im Wohn- oder Schlafzimmer wirken: Ein Film in der Ausstellung zeigt, wie eine Funksteckdose aus Billigmaterial im Versuchslabor unter Stromlast erst Funken schlägt und dann Feuer fängt. Der Brand wäre unter realen Bedingungen wohl lebensgefährlich.

Eine dänische Design-Glühbirne – zu Tausenden am deutschen Markt vertrieben – stört so stark den Radioempfang, dass man in der Ausstellung ein direkt daneben stehendes Radio kaum noch verstehen kann.

In der Realität hatte sich sogar der Nachbar des Lampenbesitzers aus Augsburg an die Störstelle gewandt, weil aus seinem Gerät nur noch Rauschen kam. Ersatzlos vom Markt genommen wurde auch eine Haar-Glättbürste aus den Niederlanden – sie brachte nicht nur allzu lockiges Haar auf Temperatur und dann in Form, sondern produzierte mangels ausreichender Abschirmung auch am Griff noch 121,5 Grad Celsius.

Die Zahl der aus dem Verkehr gezogenen Produkte hat sich in kurzer Zeit mehr als verdoppelt: Von 530 000 Geräten im Jahr 2014 wuchs sie nach aktuellen Zahlen der Netzagentur im vergangenen Jahr auf rund 1,25 Millionen. Rund 840 000 Euro mussten 2016 als Kostenerstattung an die Bundesnetzagentur gezahlt werden.

Der Elektro-Branchenverband ZVEI fordert noch mehr Engagement von den Kontrolleuren: "Die Behörden müssen konsequenter gegen solche Machenschaften vorgehen. Seit vielen Jahren fordern wir, die staatliche Marküberwachung zu stärken", sagt Haimo Huhle, beim Verband zuständig für Produktsicherheit.

Unter den verbotenen Produkten sind auch Spionage-Artikel – zum Beispiel die sprechende und vermeintlich harmlose Puppe "Cayla" – laut Werbung "fast wie eine richtige Freundin", die über eine britische Spielzeugfirma in Deutschland angeboten wurde.

Spionage-Spielzeug und Handyblocker sind auch in der Ausstellung

Die Puppe hat ein Mikrofon sowie eine Funkverbindung, sie wurde von der Behörde als "versteckte sendefähige Anlage" eingestuft und vom Markt genommen. Denn schließlich kann die Puppe Gespräche im Kinderzimmer aufzeichnen; obendrein ließ sich die Funkverbindung leicht knacken, so dass Externe mithören konnten.

In der Ausstellung sind neben verbotenen Knopfloch-Kameras zum heimlichen Filmen auch illegale Handy-Störsender zu sehen – getarnt etwa als Zigarettenschachtel. Solche Handyblocker sind streng verboten, weil sie den Mobilfunkverkehr im Umkreis des Nutzers ausschalten. Damit ist auch ein Anruf beim Arzt oder der Feuerwehr unmöglich.

Es drohen fünfstellige Bußgelder – im Internet gibt es die Geräte dennoch für teils unter 100 Euro zu kaufen. Werbetexte in gebrochenem Deutsch ("Herzlich Willkommen in der Jammer-Shop! Können Sie wählen Störsender (Jammer)") legen nahe, dass die Anbieter aus dem Ausland stammen.

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