Putzen für Queen Elizabeth

Zum 90. Geburtstag der Queen soll das Königreich im glänzenden Zustand sein. Die Kampagne "Clean for the Queen" hat sich das zur Aufgabe gemacht. Doch nicht alle sind begeistert.
| Jochen Wittmann
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So sieht es teilweise in London aus: das verschmutzte Ufer der Themse im Stadtteil Hammersmith.
Clean for the Queen So sieht es teilweise in London aus: das verschmutzte Ufer der Themse im Stadtteil Hammersmith.

London - Irgendjemand schien es für eine glänzende Idee gehalten zu haben. Die Queen wird am 21. April 90 Jahre alt und da braucht’s ein originelles Geschenk. Welch ein besseres Präsent könnte es geben, als ihr ein blitzblankes, besenreines, tipptopp sauberes Königreich zu präsentieren? Und so wurde die Kampagne „Clean for the Queen“ geboren: Putzen für die Königin.

An diesem Wochenende sind die Briten aufgerufen, etwas für den bevorstehenden 90. Geburtstag von englische Queen zu tun und für die Monarchin den Besen zu schwingen. Doch nicht alle ihre Untertanen sind so recht davon begeistert.

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Wie immer, wenn es um englische Queen geht, fehlt es nicht an höchster Unterstützung. Der Premierminister will mitmachen, und neben David Cameron werden auch seine schärfsten Widerstreiter in der Brexit-Debatte, der Bürgermeister von London Boris Johnson und Justizminister Michael Gove, für dieses Wochenende das Kriegsbeil begraben und stattdessen gemeinsam den Schmutz von den Straßen räumen.

Großbritannien hat eines der größten Müllprobleme

Europas Fernsehgrößen und Showbiz-Promis reihen sich neben knapp 190 000 registrierten Freiwilligen in die große Putz-Aktion ein: Großbritannien soll sauber werden. Es wurden sogar extra Müllbeutel angefertigt mit dem Aufdruck: „Clean for the Queen“.

Unbestreitbar ist, dass es hier ein Problem gibt. Als englische Queen den Thron bestieg, war ihr Königreich sicherlich adretter. Heute habe Großbritannien, hieß es in der „Times“, „eines der größten Müll-Probleme in Europa“. Die Organisation „Keep Britain Tidy“ schätzt, dass auf britischen Straßen jeden Tag rund zwei Millionen Stücke Müll weggeworfen werden, was einen 500-prozentiger Anstieg seit den 1960er Jahren bedeute. Die Kommunen kostet es rund eine Milliarde Pfund pro Jahr, den Menschen hinterherzuräumen. Die Vermüllung sei „eine wachsende Landplage“, so die „Clean for the Queen“-Kampagne, „die unsere Straßen, unsere Landschaft und unseren stolzen Bürgersinn bedroht“.

Und man appelliert: „Wie könnten wir besser unsere Dankbarkeit für Ihre Majestät zeigen, indem wir unser Land saubermachen?“

Viele Bürger fühlen sich herablassend behandelt

Nun ja, nicht alle Briten denken so. Auf den sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook kam es zu wütenden Protesten. „Wir sollten das Land unseretwegen sauber halten“, so ein typischer Twitter-Beitrag, „nicht für englische Queen.“ Ein anderer Nutzer schreibt: „Als ob sie in ihrem Leben jemals schon ein Stück Müll gesehen hätte.“ Die Sparpolitik der Regierung, steuerte die antimonarchistische Organisation „Republic“ bei, habe die Kommunen dazu gezwungen, das Budget für die Straßenreinigung zu kürzen: „Aber jetzt sollen wir für die privilegierteste Familie des Landes saubermachen?“

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Was den Briten hier aufstößt, ist, dass die Kampagne die Leute wie Untertanen statt Bürger behandle: Dem gemeinen Mann wird von sozial Höhergestellten gesagt, was er zu tun hat, nämlich in diesem Fall: den Abfall aufzusammeln. Die Klassengesellschaft in Aktion sozusagen: hier die Oberklasse, dort die Müllmänner und Putzfrauen. So beliebt englische Queen auch ist, so etwas kommt im 21. Jahrhundert in Großbritannien nicht sonderlich gut an. Der ganze Ton der Kampagne, so die Kolumnistin Carol Midgley in der „Times“, sei herablassend und gönnerhaft. So sehen das die einen.

Der Brite Wayne Dixon dagegen hat sich von der Botschaft der Kampagne voll inspirieren lassen. Der 44-Jährige begann mit seinem Hund Koda Anfang Februar einen rund 11 000 Kilometer langen Trip an der Küste des Königreichs entlang. Auf seiner Wanderung, die gut zwei Jahre dauern kann, will er allen Müll aufsammeln, den er finden kann. „Hoffentlich kann ich auch andere Leute dazu ermuntern“, sagt er, „wir können einen Unterschied machen.“

Das Geburtstagsprogramm für die Queen

Queen englische Queen wird am 21. April 90 Jahre alt. Allerdings ist da in Großbritannien das Wetter meist schlecht, deswegen wird der Höhepunkt der Feierlichkeiten – wie üblich – auf später verschoben. Was zum royalen Geburtstag geplant ist:

- 12. bis 15. Mai: Die erste Etappe der Feierlichkeiten ist im Mai: ein mehrtägiges Riesen-Spektakel mit 900 Pferden und 1500 Teilnehmern bei Schloss Windsor.

- 10. Juni: Nochmals drei Tage Feierlichkeiten stehen im Juni an. Am ersten Tag ist ein Dankgottesdienst in St. Paul’s Cathedral geplant.

- 11. Juni: An diesem Tag findet die große Queen’s Birthday Parade statt (auch Trooping the Colour genannt).

- 12. Juni: Der Höhepunkt der Festlichkeiten: ein großes Straßenfest mit Picknick an der Londoner Prachtstraße The Mall. Doch die 10 000 Gäste müssen tief in die Tasche greifen: 150 Pfund (fast 200 Euro) kostet ein Ticket für das Mittagsmahl aus Picknick-Körben. Zumeist kommen geladene Gäste in den Genuss, Mitglieder der rund 600 karitativen und anderweitigen Organisationen, bei der die Königin Schirmherrin ist. Rund 1000 Tickets für Lunch und die farbenprächtige Parade sind für Normalbürger reserviert. 40 Prozent des Ticketpreises seien für karitative Zwecke vorgesehen, hieß es vom Palast zum Programm.

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