Langjährige Liebe zu Frau: Priester gibt nach 37 Jahren auf

Ehelosigkeit und kein Sex sind für katholische Pfarrer Pflicht. Andreas Unfried im Taunus verzichtet daher nach Jahrzehnten überraschend auf sein Priesteramt. Wie reagiert Oberhirte Georg Bätzing?
von  dpa
Die katholische Kirche ist zwei Jahrtausende alt. Ihr Eheverbot für Pfarrer gilt auch noch im 21. Jahrhundert. Ein Priester im Taunus zieht daher die Reißleine. (Symbolbild)
Die katholische Kirche ist zwei Jahrtausende alt. Ihr Eheverbot für Pfarrer gilt auch noch im 21. Jahrhundert. Ein Priester im Taunus zieht daher die Reißleine. (Symbolbild) © Jens Büttner/dpa

Sehnsucht nach seiner "großen Liebe": Wegen einer bisher heimlichen Beziehung zu einer Frau hat der katholische Pfarrer Andreas Unfried nach 37-jähriger Dienstzeit auf seine Pfarrei im hessischen Taunus verzichtet. "Der Grund ist, dass ich heiraten werde", erklärte der 63-Jährige auf der Internetseite seiner Pfarrei St. Ursula in Oberursel und Steinbach. Er habe dem Limburger Bischof Georg Bätzing seinen Verzicht mitgeteilt. 

"Nun ruft mich die Liebe zu der Frau, mit der ich schon lange das Leben teile. Gemeinsam werden wir suchen, wie wir unser Christsein und unsere Berufung fortan gemeinsam leben können", schrieb Unfried. Die "Bild" und mehrere andere Medien berichteten auch überregional über die Erklärung. 

"Das kam sehr überraschend für alle"

Bistumssprecher Stephan Schnelle sagte der Deutschen Presse-Agentur, Oberhirte Bätzing habe Unfried "umgehend suspendiert". Das Bistum respektiere diese persönliche Entscheidung, danke Unfried "für sein jahrzehntelanges Wirken und wünscht ihm alles Gute". Bischof Bätzing habe von der heimlichen Liebesbeziehung nichts gewusst: "Das kam sehr überraschend für alle." 

Schnelle ergänzte: "Solche Fälle gibt es immer wieder." Nach so vielen Dienstjahren sei es allerdings ungewöhnlich. Katholische Pfarrer sind nach Vorgabe der Kirche an das Zölibat gebunden, also an die Ehelosigkeit mit sexueller Enthaltsamkeit. 

"Sie hat lange auf mich gewartet"

Unfried schrieb weiter, er wolle seine Gewichtungen umverteilen, da seine Lebenspartnerin ihrerseits in den Ruhestand gegangen sei. "Sie hat lange auf mich gewartet. Dafür bin ich sehr dankbar. Nun ist es genug", bilanzierte der Katholik. Seine Verpflichtung zum Zölibat sei ihm immer klar gewesen. "Ich habe dies auch nach Kräften versucht zu leben, muss aber anerkennen, dass ich dieses Charisma nicht wirklich in mir trage", erläuterte der 63-Jährige. 

Bistumssprecher Schnelle erläuterte, Unfried werde mit seiner Entscheidung künftig finanzielle Einbußen hinnehmen müssen - mit einem Wechsel von einer kirchlichen Pension zu einer normalen Rente. Katholische Pfarrer gehen laut dem Sprecher bei ausreichend guter Gesundheit in der Regel erst mit 72 Jahren in den Ruhestand.

Auch der Vatikan wird eingeschaltet

Unfried werde selbst den Vatikan um seine sogenannte Laisierung bitten. Seine Pfarrei werde vorübergehend ein anderer Priester im Ruhestand leiten und die Stelle derweil im Bistum Limburg ausgeschrieben, fügte Schnelle hinzu.

Unfried erklärte, er habe mit ganzem Herzen als Seelsorger, Pfarrer und Funktionsträger gewirkt. Er sei seiner Kirche dankbar, "dass sie mein Talent in so reicher Weise erkannt und gefördert hat". Der 63-Jährige ergänzte, er scheide ohne Groll: "Ohne die katholische Kirche wäre ich nicht, wer ich heute bin."

 "So verliert die Kirche nämlich wichtige und wertvolle Leute"

Dem Hessischen Rundfunk zufolge zeigten viele Gläubige vor Ort Verständnis. Eine Frau sagte demnach: "Ich finde, er hat das Recht, sein Leben so zu gestalten, wie es für ihn sinnvoll ist." Eine andere Gläubige hätte sich gewünscht, dass das Zölibat längst abgeschafft wäre: "So verliert die Kirche nämlich wichtige und wertvolle Leute."

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.