Peinliche Polizei-Panne: Festgenommener ist nicht der Fünffachmörder

Am Freitag melden französische Sicherheitskreise eine Sensation: Ein Mann, der 2011 seine Familie ausgelöscht haben soll, sei festgenommen worden. Dann müssen sie eine peinliche Panne eingestehen.
| Natalie Kettinger
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"Verhaftet!" titelt diese französische Zeitung am Freitag – doch der Festgenommene ist nicht der gesuchte Xavier Dupont de Ligonnés.
imago "Verhaftet!" titelt diese französische Zeitung am Freitag – doch der Festgenommene ist nicht der gesuchte Xavier Dupont de Ligonnés.

Frankreich - Im April 2011 erschüttert ein Familiendrama Frankreich: Zwei Wochen lang gelten sechs Mitglieder eines alten Adelsgeschlechts aus Nantes als vermisst. Dann werden im Garten ihrer Villa fünf unter der Terrasse verscharrte Leichen gefunden: Es sind die sterblichen Überreste von Agnes Dupont de Ligonnes (48) und ihren Kindern Arthur (20), Thomas (18), Anne (16) sowie Benoit (13). Alle fünf wurden erst betäubt und dann erschossen. Auch die beiden Labradore der Familie liegen tot auf dem Grundstück. Vom Vater, Xavier Dupont de Ligonnes, fehlt hingegen jede Spur. Ein internationaler Haftbefehl wird ausgestellt, der heute 58-Jährige gilt seitdem als meistgesuchter Verbrecher Frankreichs.

Festnahme des falschen Mörders: Finger fehlt

Am Freitag meldeten französische Medien dann die vermeintliche Sensation: Xavier Dupont de Ligonnes sei am Flughafen von Glasgow festgenommen worden. Der Mann habe einen Pass auf einen anderen Namen bei sich gehabt, seine Fingerabdrücke hätten aber mit denen des Gesuchten übereingestimmt.

Einen Tag später ist aus der Sensation eine bittere Blamage geworden: Der Festgenommene ist keineswegs Xavier Dupont de Ligonnes. Es handelt sich um einen 70 Jahre alten gebürtigen Portugiesen, der in der Nähe von Paris wohnt und seine schottische Frau besuchen wollte. Laut "France Info" fehlt dem Mann, der unschuldig eine Nacht in Gewahrsam verbringen musste, an einer Hand ein Finger – eine Behinderung, die bei dem mutmaßlichen Fünffachmörder aus Frankreich nicht vorliegt.

Verwechslung wegen unterschiedlicher Überprüfung von Fingerabdrücken

Wie konnte es zu der Verwechslung kommen? Laut französischen Ermittlern sind die Normen bei der Überprüfung von Fingerabdrücken in Frankreich und Schottland nicht dieselben. Das habe den Abgleich anfällig für Fehler gemacht.

Um das Verschwinden Dupont de Ligonnes ranken sich allerhand Mythen – dabei ist nicht einmal klar, ob er noch lebt. Rund 900 Mal soll er seit den Morden von Nantes gesehen worden sein – mal an einem Bankautomaten, mal in einem Hotel in Südfrankreich. Doch jede Spur führte ins Nichts.

Der Gesuchte – dessen Mutter in den 1960ern eine Sekte gründete und in der Bretagne den Weltuntergang erwartete – soll sich gerne als "eine Art Geheimagent" ausgegeben haben und hoch verschuldet gewesen sein.

An Verwandte hatte er geschrieben, die Familie müsse bald in die USA auswandern, wo er aufgrund seiner Agententätigkeit in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen werde. Der Schule seiner beiden jüngsten Kinder wiederum teilte er mit, die Familie werde nach Australien auswandern. Tatsächlich war die Villa in Nantes komplett ausgeräumt, als die Mordermittler dort eintrafen. Auch die Konten der Ligonnes waren leer.

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