Nikotin und Corona: Hilft Rauchen wirklich?

Gegen Covid-19 könnten ausgerechnet Zigaretten helfen - glauben manche Forscher. Was ist dran an der Studie aus Frankreich?
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Seuchen-Prävention oder Risikopatient? Französische Forscher vermuten nun, dass Rauchen gegen Corona helfen könnte. (Symbolbild)
Daniel Karmann/dpa Seuchen-Prävention oder Risikopatient? Französische Forscher vermuten nun, dass Rauchen gegen Corona helfen könnte. (Symbolbild)

Paris - Seriösen medizinischen Studien zufolge sind die Krankheitsverläufe bei einer Corona-Infektion bei Rauchern schwerer und langwieriger, in manchen Fällen sogar tödlich. 

Doch nun vermuten französische Wissenschaftler, dass Nikotin möglicherweise auch eine Schutzwirkung bei einer Coronavirus-Infektion haben könnte.

Wenige Raucher unter den Corona-Erkrankten

Ausgangspunkt dieser neuen Vermutung ist, dass es unter den an Corona Erkrankten insgesamt auffällig wenige Raucher gibt: Mehrere medizinische Studien kommen nach Agenturangaben zu dem Ergebnis, dass die Quote der Raucher unter Covid-19-Patienten nur bei um die fünf Prozent liegt. Das wiederum bedeute insgesamt 80 Prozent weniger Raucher unter den Corona-Patienten derselben Alters- und Geschlechtskohorte. 

Neurobiologen einer Forschungsgruppe des Instituts Pasteur in Paris unter der Leitung von Jean-Pierre Changeaux untersuchen jetzt, ob Nikotinpflaster helfen könnten, Infektionen mit dem Covid19-Virus zu verhindern. Vereinfacht ausgedrückt gehen sie davon aus, dass Nikotin bestimmte Rezeptoren besetze und blocke, auf denen ansonsten das Virus andockt. Noch handelt es sich dabei allerdings allein um eine Versuchsanordnung.

In ihrer Studie heißt es: "Ausgehend von der momentanen Forschungsliteratur und neuen epidemiologischen (also seuchenwissenschaftlichen, Anm. d. Red.) Daten über den Raucher-Status (der Patienten, Anm. d. Red.), die zeigen, dass Rauchen ein protektiver Faktor gegen eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus zu sein scheint, stellen wir die Hypothese auf, dass der Nikotin-Acetylcholin-Rezeptor (nAChR) eine Schlüsselrolle im Krankheitsverlauf einer Covid-19-Rezeption spielt - und eine Schlüsselrolle bei der Prävention und Kontrolle von Covid-19-Infektionen spielen könnte."

Rauchen begünstigt schweren Krankheitsverlauf

Wird dieser Neurotransmitter blockiert, kann das Virus nicht in die Zelle eindringen und sich nicht im Organismus ausbreiten, so die Hypothese der Pariser Forscher, die sie nun im Krankenhaus La Pitié-Salpêtrière weiter überprüfen.

Hilft also Rauchen gegen Corona? So eindeutig ist dies längst nicht. Eine Gegenstudie aus den USA kommt zu dem Ergebnis, dass die ACE2-Rezeptoren keine blockierende Wirkung haben und Nikotin die Zellrezeptoren eher noch anrege. Zudem bleibt Nikotin unabhängig von seinen Auswirkungen auf die Seuche ein Giftstoff, der dem Körper Schaden zufügt.

Wissenschaftlicher Konsens besteht darüber, dass die Lungenvorschädigung durch das Rauchen im Falle einer Infektion einen schweren, möglicherweise sogar tödlichen Verlauf von Corona wahrscheinlicher mache. Mediziner raten deshalb, unabhängig von einer möglichen, noch zu prüfenden schützenden Wirkung durch die Aufnahme von reinem Nikotin - in Form von etwa Nikotinpflastern - mit dem Rauchen aufzuhören.

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