Niedrigwasser: Kann der Bodensee sich noch erholen?

Nach dem ungewöhnlich trockenen Jahr steht der Bodensee vor einer entscheidenden Phase: Kann ein nasser Herbst und Winter den Wasserstand wieder nachhaltig steigen lassen?
dpa |
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Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes.
Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. © Felix Kästle/dpa
Konstanz

Der Bodensee hat in diesem Jahr außergewöhnlich wenig Wasser bekommen. Und eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht: Nach Einschätzung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) braucht es einen deutlich zu nassen Herbst und Winter, damit sich die Wasserstände nachhaltig erholen können. "Die Niederschläge müssten deutlich über dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau liegen." Zuvor hatte der SWR darüber berichtet. 

Aktuell liegt der Pegelstand in Konstanz bei 248 Zentimetern - rund 89 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel für diesen Zeitpunkt, wie es im heute veröffentlichten Lagebericht des Niedrigwasser-Informationszentrums hieß. Laut den aktuellen Vorhersagen werde der Wasserstand in den kommenden Tagen leicht ansteigen. Es bleibe insgesamt aber zu trocken. 

Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. Der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees, führt außergewöhnlich wenig Wasser. 

Sommerlicher Wasseranstieg bleibt aus

Besonders ungewöhnlich: Der Bodensee erreichte in diesem Jahr seinen typischen sommerlichen Anstieg des Wasserstands kaum. Ende September lag der Wasserstand sogar niedriger als im Frühjahr. Normalerweise erreicht der See seinen jährlichen Tiefststand im Februar oder März. Den Angaben nach wurde der niedrigste Wasserstand seit Beginn der Auswertung 1850 mit 2,26 Metern Ende Februar und Anfang März 1858 gemessen.

Grund für die angespannte Lage sind laut LUBW mehrere Faktoren. Im vergangenen Winter sei in den Alpen vergleichsweise wenig Schnee gefallen. Damit fehlte im Frühjahr Schmelzwasser, das über den Alpenrhein in den Bodensee gelangt. Hinzu kamen geringe Niederschläge und eine hohe Verdunstung in den warmen Monaten.

Auch der September brachte kaum Entlastung. Nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes fielen in Baden-Württemberg lediglich rund 19 Liter Regen pro Quadratmeter - etwa 27 Prozent des langjährigen Septembermittels. Für eine nachhaltige Erholung brauche es deshalb einen ordentlich verregneten Herbst und Winter, wie die LUBW betonte. 

Nicht überall am Bodensee das gleiche Bild

Besonders sichtbar wird das Niedrigwasser an den flachen Ufern wie am Untersee. Der deutlich kleinere Seeteil erstreckt sich von Konstanz beziehungsweise der Reichenau bis Richtung Stein am Rhein und liegt größtenteils an der deutsch-schweizerischen Grenze. Dort wurde die Schifffahrt wegen des niedrigen Pegelstands in der vergangenen Woche teilweise eingestellt. 

Der Obersee ist deutlich größer und tiefer. Deshalb fällt der niedrige Wasserstand dort nicht überall so stark ins Auge. An flachen Uferabschnitten zeigt sich aber auch hier, wie weit sich die Wasserlinie bereits zurückgezogen hat.

Wie schnell kann sich der See erholen?

Wie schnell sich der See wieder füllt, lässt sich laut LUBW derzeit nicht vorhersagen. Viel Regen könne kurzfristig für Entspannung sorgen. Für das kommende Frühjahr sei zusätzlich entscheidend, wie viel Niederschlag im Winter im alpinen Einzugsgebiet als Schnee gespeichert werde und später als Schmelzwasser in den Bodensee gelange.

Langfristig verändert der Klimawandel laut LUBW die Bedingungen im Bodenseeraum. Steigende Temperaturen beeinflussen unter anderem Schnee- und Schmelzprozesse im alpinen Einzugsgebiet. Die LUBW betont aber, dass Extremwasserstände in beide Richtungen möglich sind – von Hochwasser bis zu extremem Niedrigwasser. Dass der See derzeit außergewöhnlich wenig Wasser führt, bedeutet demnach nicht, dass der Bodensee künftig austrocknen wird.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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