Neuer Trend: Mode mieten statt kaufen

Wer ab und an ein besonderes Outfit sucht, schließt ein Mode-Abo ab: Die Designerin Sabine Feuerer bietet ihre Mode-Kollektion zum Mieten an.
| Martina Scheffler
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Mode mieten statt kaufen schon den Geldbeutel und die Umwelt.
Mode mieten statt kaufen schon den Geldbeutel und die Umwelt. © Martin Gerten/dpa/dpa

Im Homeoffice kann man es sich noch gemütlich machen - mancher, so munkelt man, zieht jeden Tag dasselbe Kapuzensweatshirt an. Doch es kommen die Tage, an denen man sich wieder sehen lassen will. Viele fänden es dann vielleicht schön, jeden Tag ein bisschen Abwechslung bei der Garderobe zu haben. Doch was tun, damit der Kleiderschrank vor lauter Klamotten nicht platzt, während das Portemonnaie schmaler wird?

Jede Saison ein neues Outfit? Mieten spart einem Geld

Für große Anlässe, für Stars und Sternchen gibt es schon lange die Möglichkeit, Abendkleidung zu mieten, schließlich werden die Galaroben oft nur ein einziges Mal getragen. Das ist eine Geldfrage, wird in Zeiten von Kritik an Fast Fashion und dem Wunsch nach Nachhaltigkeit, Klimaschutz und fairen Arbeitsbedingungen auch immer mehr eine Einstellungsfrage. Warum also nicht auch die Alltagskleidung mieten?

Sabine Feuerer, Designerin aus München, hat gar nicht lange nachdenken müssen. "Unsere Marke war zu Beginn auf den Säulen der Nachhaltigkeit aufgebaut, somit war es meine Idee, für unsere Brand eine circular economy zu bilden, welche wir mit Erfolg in unserem Renting System anbieten."

Ein schickes Kleid zum Mieten.
Ein schickes Kleid zum Mieten. © ho

Sie lässt ihre gesamte Kollektion, Abend- und alltagstaugliche Kleider, beim Schneiderhandwerk in Deutschland fertigen. "Da war es logisch, dass man sagt, wir machen Verkauf und Vermietung." Jedes ihrer Produkte ist auch auf Zeit zu haben, für mehrere Tage, aber auch ein monatliches Abonnement ist möglich. "Das sind zwei Modelle im Monat", bei einem Jahresabo also 24 Kleider. Ein Kleid liege dann bei etwa 22 bis 50 Euro Mietgebühr, dafür bekomme man dann echte Handwerksqualität. Reinigen lassen muss man die Kleidung übrigens nicht.


Wer interessiert sich für die Designer-Mietkleidung - tatsächlich die Generation Future? "Vor allem junge Leute sind noch affiner, die fordern das auch ein", bestätigt Feuerer. Die Münchner seien aber generell offen für "moderne und nachhaltige Businessmodelle".

Heute grün...
Heute grün... © ho
... morgen schwarz-weiß. Ein Modell zeigt Mode, die man bei Sabine Feuerer mieten kann.
... morgen schwarz-weiß. Ein Modell zeigt Mode, die man bei Sabine Feuerer mieten kann. © ho

USA und Großbritannien führen im Bereich Vermietung

Feuerers Kundinnen kommen aus allen Altersklassen, von 22 bis 55 Jahren, "verteilt über die Businessfrau, über Studentinnen bis hin zu Celebrities". Ist Kleidung mieten also der nächste Weg zum Ziel der Nachhaltigkeit? Ihr Modell sei nicht für jedes Unternehmen anwendbar, gibt Feuerer zu bedenken. Ihr Geschäftsmodell gibt es ihren Angaben nach in Deutschland kein zweites Mal. Und dass eine Einzelmarke alles auch zum Mieten anbietet, sei weltweit einzigartig. Generell seien im Bereich Vermietung die USA und Großbritannien weit vorn, sagt die Designerin.

Oder auch Schweden - es ist zwar ein ganz anderer Modebereich, in dem der Textilriese H&M unterwegs ist, das Thema Mieten aber hat man in Stockholm auch schon entdeckt. Ende 2019 bot man im Flagship Store in der schwedischen Hauptstadt erstmals Mietkleidung an, "ausgewählte Kleider und Röcke für besondere Anlässe aus unseren Conscious Exclusive Kollektionen aus den Jahren 2012 - 2019", wie es damals hieß. "Der Rental-Service läuft seit Ende 2019, und wir sehen positives Feedback unserer Kund*innen", teilt H&M nun auf Anfrage mit. Das Angebot ist offenbar ein Erfolg: "Wir planen, den Mietservice weiterzuführen. Aktuell werden zwei Kollektionen, die eigens für den Verleih entworfen worden sind, in unserem Flagship-Store in Berlin angeboten. Ein paar der Teile kommen in exklusiven Farbnuancen und sind nur hier erhältlich." Nachhaltiger Konsum und der Wandel von einer linearen hin zu einer Kreislaufwirtschaft seien "ein fester Bestandteil der Nachhaltigkeitsarbeit der H&M Group".

Auch anderenorts in Deutschland gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich Kleidung zu leihen. Im Rheinland etwa kann man bei myonbelle sogenannte Fashion Boxen bestellen - zusammengestellt allerdings nicht selbst, sondern aufgrund angegebener Vorlieben. Dafür bekommt man ein Paket mit zweiKleidungsstücken und zwei Accessoires im monatlichen Abo - oder auch mehr. Bei Fairnica in Herne, kann man unter dem Motto "Besitzen ist out! Gebrauchen ist in!" sogenannte Kapseln mieten, die fünf bis acht Kleidungsstücke beinhalten und für ein bis drei Monate ausgeliehen werden können.

Umdenken in Gesellschaft durch Corona

Wird Mode vielleicht bald nur noch geliehen und gar nicht mehr gekauft? Das glaubt Sabine Feuerer nicht, und das müsse auch gar nicht sein. "Aber das Mieten wird sich gleichwertig etablieren." Dabei spielt ihrer Ansicht nach auch Corona eine Rolle: "Durch die aktuelle Situation gab es auch ein Umdenken in der Gesellschaft, damit meine ich die Besinnung auf das Wesentliche, auf die Werte und auch auf den Bereich 'Über'-Konsum."

Das Thema Nachhaltigkeit wird denn auch beim Verband Deutscher Mode- und Textil-Designer in Würzburg noch mehr mit Hochwertigkeit verbunden. Für den Alltag Kleidung zu mieten, das könne sie sich nicht vorstellen, sagt Geschäftsführerin Mara Michel. Fürs Wohlbefinden brauche man einfach auch Sachen, die "meins" seien. Doris Hartwich, Designerin für exklusive Herrenmode mit Standort im Lehel, ist seit mehr als 30 Jahren im Geschäft. Vermietung sieht sie als "tolle Chance" für den Handel, "vielleicht eine ganz andere Kundschaft in den Laden zu bekommen". Für ihre Zielgruppe - Mann jenseits der 40 - käme das aber wohl eher nicht infrage. "Da gibt es viele Individualisten, die sind auf der Suche nach Lieblingsstücken", erzählt sie, und die wollten die Herren dann einfach nicht mehr hergeben. "Die sind froh, wenn sie was gefunden haben und ihre Ruhe haben." Sie selbst versuche, ihre Kleidungsstücke so langlebig wie möglich zu fertigen - das sei die beste Form der Nachhaltigkeit.

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Die Basics im Schrank wie etwa das T-Shirt, also Sachen, die man lange trägt, das ist auch für Designerin Julia Ickert "das Nachhaltigste, was es gibt". Mit ihrer Geschäftspartnerin steht sie hinter dem in Giesing beheimateten Label Nina Rein, das "nachhaltige Businessmode für Frauen" entwirft. Auch sie bietet Vermietung an, allerdings über ein Extra-Portal - damit könne man auch jüngere Frauen ansprechen.

Was den Gewinn betrifft, sieht Ickert das Vermieten aber eher als "Sponsoring". Und das Hin- und Herschicken der Mietware per Post sei ja auch nicht so nachhaltig. "Ich bin nicht 100 Prozent davon überzeugt." Vielleicht sei das Ganze auch mehr ein neuer Hype für Jüngere, so Doris Hartwich, mit einer Art "Greta-Effekt". Für bestimmte Sportarten könne sie sich Verleihkleidung gut vorstellen, sagt Mara Michel. Kletterausrüstung etwa oder Kleidung für Golfer, gerade auch, wenn man einen neuen Sport erst ausprobieren will und vielleicht feststellen muss, dass es doch nicht das Richtige ist - dann stünde man wenigstens nicht mit teurer gekaufter Kleidung da.

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