Nachtarbeit? Diese Ernährung schützt die Herzgesundheit
Wer arbeitet, wenn die Welt schläft, leistet einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft - oft jedoch auf Kosten der eigenen Gesundheit. Dass Nachtarbeit das Risiko für koronare Herzkrankheiten erhöht, ist medizinisch gut belegt. Doch eine aktuelle Studie, die im "European Journal of Epidemiology" veröffentlicht wurde, macht Hoffnung: Eine einfache Anpassung des Speiseplans könnte das Risiko für Millionen von Schichtarbeitern massenhaft senken.
Die Biologie des Menschen ist unmissverständlich auf einen Schlaf-Wach-Rhythmus programmiert, der dem Tageslicht folgt. Dr. Christian Benedict, Autor der Studie und Schlafforscher an der Universität Uppsala, erklärt die Problematik im Interview mit spot on news: "Viele wichtige Erholungsprozesse für das Herz-Kreislauf-System finden nachts statt, wenn wir schlafen. In dieser Zeit sind der Blutdruck und der Puls niedriger als am Tag und die Zellen führen wichtige Reparaturprozesse durch. Wenn wir stattdessen arbeiten, fällt diese wichtige Erholungspflicht weg." Dieser chronische Mangel an regenerativen Phasen führt dazu, dass das Herz-Kreislauf-System nicht die notwendige Ruhe bekommt.
Ballaststoffe als biologischer Schutz
Die Auswertung der UK-Biobank-Daten zeigt, dass Nachtarbeiter, die regelmäßig Ballaststoffe zu sich nehmen, ein deutlich geringeres Risiko für koronare Herzkrankheiten aufweisen. Dr. Benedict erläutert den Mechanismus: "Ballaststoffe können im Darm von Bakterien fermentiert werden. Dabei entstehen sogenannte kurzkettige Fettsäuren, die verschiedene Stoffwechselprozesse im Körper beeinflussen und auch für die Herzgesundheit eine Rolle spielen, zum Beispiel indem sie Entzündungsprozesse regulieren und den Stoffwechsel von Zucker positiv beeinflussen." Zudem verbessern sie die Blutfettwerte und könnten über das Mikrobiom sogar die Schlafqualität positiv beeinflussen.
19 Gramm für die Herzgesundheit
Die Studie identifizierte einen Richtwert von etwa 19 Gramm Ballaststoffen täglich für regelmäßige Nachtarbeiter. Dr. Benedict rät jedoch zu einer breiteren Sichtweise: "Diese beobachteten Schwellenwerte sollte man nicht als in Stein gemeißelt ansehen. Die World Health Organization empfiehlt zum Beispiel eher rund 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag."
Wichtig sei vor allem die Vielfalt der Quellen: "Es gibt unterschiedliche Arten, etwa lösliche Ballaststoffe, die zum Beispiel in Haferflocken, Linsen, Bohnen oder Äpfeln vorkommen, und unlösliche Ballaststoffe, die eher in Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Weizenkleie oder Karotten enthalten sind." Schon eine Portion Haferflocken oder Linsen könne hier einen entscheidenden Beitrag leisten.
Strategien für den Schichtalltag
Statt nachts zu schweren Mahlzeiten oder schnellen Snacks zu greifen, empfiehlt der Experte eine kluge Zeitplanung: "Neuere experimentelle Studien zeigen, dass es für Herz und Blutzucker vorteilhaft sein kann, wenn Nachtarbeiter in der Nachtschicht eher auf große Mahlzeiten verzichten und versuchen, ihre Nahrungsaufnahme über den Tag zu verteilen."
Sein Fazit für alle Betroffenen: "Die Forschung legt nahe, dass die negativen gesundheitlichen Folgen der Nachtarbeit nicht zwangsläufig eintreten müssen. Mit einer guten Planung und einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung kann man diesen Risiken teilweise entgegenwirken, sodass Nachtarbeit nicht automatisch ungesund sein muss, wie manche glauben könnten."
Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur spot on news. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de
- Themen:
