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Großstörung bei der DB: Münchner S-Bahnen betroffen – Verspätungen und Ausfälle bis zum Morgen

Rund zwei Stunden ging nichts mehr bei der Deutschen Bahn. Welchen Grund der Konzern nannte, was Reisende erlebten, und wie es um weitere Verspätungen oder Ausfälle steht. Es regt sich erste Kritik.
von  AZ/dpa
Passagiere gehen am Morgen, nach dem bundesweiten Ausfall bei der Deutschen Bahn, über den Hauptbahnhof München zu ihren Zügen. Es ist noch mit Verspätungen und Zugausfällen zu rechnen.
Passagiere gehen am Morgen, nach dem bundesweiten Ausfall bei der Deutschen Bahn, über den Hauptbahnhof München zu ihren Zügen. Es ist noch mit Verspätungen und Zugausfällen zu rechnen. © Foto: Peter Kneffel/dpa

Gestrandete Reisende und sehr lange Warteschlangen an den Bahnhofsinformationen: Eine deutschlandweite Störung hat bei der Deutschen Bahn (DB) am späten Dienstagabend für rund zwei Stunden Komplett-Stillstand gesorgt. Es waren etliche Reisende betroffen. Auch der S-Bahn-Verkehr in München war lahmgelegt. Erste Kritik an der DB-Technik wird laut.

Nichts ging mehr bei der Deutschen Bahn: "Die Ursachenforschung läuft bereits"

Nach einer Störung des digitalen Zugfunks GSM-R lief der Zugverkehr am Morgen auch in Bayern wieder an. Die Deutsche Bahn und andere Anbieter gingen für die Morgenstunden noch von Folgebeeinträchtigungen aus, listeten aber auch viele Züge als pünktlich.  

Am Münchner Hauptbahnhof war die Situation am früheren Vormittag verhältnismäßig entspannt, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. Viele Züge fuhren den Anzeigetafeln zufolge mit geringeren Verspätungen ein. Einzelne Verbindungen waren ausgefallen oder die Züge wendeten früher.

"Gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder", bestätigte ein Bahnsprecher der AZ am Mittwochmorgen. Der Verkehr sei Schritt für Schritt weiter angelaufen. Der Grund für den Stopp des Zugverkehrs war demnach eine Störung des digitalen Bahnfunksystems GSM-R. 

"Bis sich der Bahnverkehr wieder normalisiert hat, wird es noch einige Zeit dauern"

"Die Ursachenforschung läuft da bereits", so der DB-Sprecher: "Es kommt heute auch in München und Bayern noch zu Folgeverspätungen. Wie lange noch, ist nicht genau abzusehen. Wir empfehlen Reisenden, Ihre jeweilige Verbindung im Blick zu behalten, online und auf der App DB Navigator finden sich stets die aktuellen Informationen." Laut der DB-Störungskarte waren auch Regionalzüge in Bayern betroffen.

In München rollen die Züge wieder.
In München rollen die Züge wieder. © Peter Kneffel/dpa

Nach Informationen des Rundfunks Berlin-Brandburg (RBB) schließen Sicherheitsbehörden Sabotage aus. Sowohl der RBB als auch der Südwestrundfunk (SWR) berichten unter Berufung auf Bahnmitarbeiter, dass ein fehlerhaftes Software-Update der Deutschen Bahn als Ursache vermutet werde.

Wegen der Bauarbeiten an der Zweiten Stammstrecke kommt es zwischen dem 23. und 26. Juni zeitweilig ohnehin zu Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr in München. 

Während der Störung kaum Auskünfte für Reisende

Die DB Regio Mitte teilte auf der Plattform X mit, bis sich der Bahnverkehr wieder normalisiert habe, müsse heute mindestens bis 6 Uhr mit hohen Folgeverspätungen und kurzfristigen Fahrtausfällen gerechnet werden. Auf der Regionalseite der DB für Nordrhein-Westfalen hieß es nach dem Ende der Störung: "Bis sich der Bahnverkehr wieder normalisiert hat, wird es jedoch noch einige Zeit dauern." Man solle mit hohen Verspätungen und Ausfällen rechnen.

Viele Reisende saßen durch den Ausfall fest. Zwar wurden laut einem Bahnsprecher Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben – in Frankfurt am Main berichteten Menschen aber zum Beispiel, es gebe in der ganzen Stadt gar kein Hotelzimmer mehr. Und: Ein ICE nach Mannheim und Stuttgart fuhr dort nahezu ohne Passagiere los. Niemand hatte den vielen Wartenden vor der Abfahrt Bescheid gegeben. Unter anderem am Berliner Hauptbahnhof beklagten Fahrgäste, dass es keine Auskünfte gab. Aber die Bahn-Mitarbeiter seien freundlich und ansprechbar gewesen, hieß es.

GSM-R steht für "Global System for Mobile Communications – Railway"

Die Ursache der Störung des Bahnfunks GSM-R hatte die DB noch in der Nacht identifiziert – ohne allerdings zu erklären, worin sie bestand. IT-Experten der DB hätten pausenlos an der Entstörung gearbeitet, mit Erfolg. "Die Störung konnte so innerhalb kurzer Zeit behoben werden", hieß es weiter. Man danke allen Fahrgästen für die Geduld. Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte der "Bild"-Zeitung, die Lage sei mit einem Notfallsystem stabilisiert worden. 

Bahnfunksystem GSM-R stammt aus den 1990er Jahren 

GSM-R steht für "Global System for Mobile Communications – Railway". "Das GSM-R Mobilfunknetz ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn AG", heißt es auf der Webseite der DB InfraGo, der Betreiberin der Infrastruktur der Deutschen Bahn. 

Über das Bahnfunksystem GSM-R kommunizieren Lokführer, Leitstellen und Streckenpersonal miteinander. Das System stammt aus den 1990er Jahren und basiert auf dem Mobilfunkstandard der zweiten Generation (2G). Es soll in den kommenden Jahren durch das System FRMCS ersetzt werden, dieses basiert auf dem Mobilfunkstandard der fünften Generation (5G).

Al-Wazir: Bahn-Störung zeigt, dass die Systeme veraltet sind

Von der Störung betroffen waren nicht nur Fern- und Regionalverkehrszüge, sondern auch S-Bahnen, die von der DB betrieben werden sowie Privatbahnen. In Berlin etwa war der Verkehr im gesamten S-Bahn-Netz eingestellt, ebenso in Stuttgart.

Tarek Al-Wazir (Bündnis90/Die Grünen).
Tarek Al-Wazir (Bündnis90/Die Grünen). © Michael Kappeler/dpa

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Tarek Al-Wazir (Grüne), fordert von der Deutschen Bahn nach den Ausfällen in der Nacht einen Zeitplan zur Modernisierung veralteter Systeme.

"Die Störung von gestern Nacht zeigt, dass die Bahnsysteme durchaus veraltet sind und störungsanfällig", sagte er vor einer Sitzung des Ausschusses, bei der auch Bahnchefin Evelyn Palla erscheint.

"Natürlich ist für uns die spannende Frage eher langfristig: Wie sorgen wir dafür, dass unsere Systeme widerstandsfähiger werden", betonte Al-Wazir. Von Bahnchefin Palla wolle er wissen, wann die Systeme modernisiert werden sollen. "GSM ist das, was man heute 2G nennen würde und wir sind ja gerade beim Übergang von 5G auf 6G", sagte er mit Blick auf das betroffene Bahn-Funksystem GSM-R. 

Bessere Überwachung des Schieneninfrastrukturbetriebs gefordert

Auch der Güterverkehr stand still – er ist vor allem abends und nachts unterwegs. Der Verband der privaten Güterbahnen forderte deshalb eine genaue Aufarbeitung des zweistündigen Ausfalls. Die Ursache für den Ausfall am späten Dienstagabend dürfe "nicht allein durch eine 'Selbstauskunft' der DB InfraGo als Betreiberin beantwortet werden", sagte Peter Westenberger, Geschäftsführer des Vereins, der dpa. Es brauche eine bessere Überwachung und Steuerung des Schieneninfrastrukturbetriebs.

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