Mindestens 50 Tote bei Flugzeugunglück in Russland

Wie ein Feuerball explodiert ein Flugzeug in Russland, dutzende Menschen sterben. Veraltete Maschinen, schlechte Wartung: Das Riesenreich ist für Flugreisende eines der gefährlichsten Länder.
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Wie ein Feuerball explodiert ein Flugzeug in Russland, dutzende Menschen sterben. Veraltete Maschinen, schlechte Wartung: Das Riesenreich ist für Flugreisende eines der gefährlichsten Länder.

Moskau - Ausgebrannt und auseinandergebrochen liegt die Unfallmaschine auf dem Flughafen der russischen Stadt Kasan. Das Wrack, in dem nach offiziellen Angaben keiner der mindestens 50 Menschen an Bord überlebt hat, ist in weißen Schaum aus Feuerlöschern gehüllt, wie erste Amateurfotos im Internet zeigen.

Ein Feuerwehrauto steht in der Dunkelheit. Videobilder vom Unglücksort gibt es zunächst nicht, auch das Staatsfernsehen ist auf Telefongespräche mit Experten und Augenzeugen angewiesen. Klar aber ist: Das Unglück an der Wolga wirft einmal mehr ein Schlaglicht auf die unsicheren Transportbedingungen im Ausrichterland der Olympischen Winterspiele im Februar 2014.

Veraltete Maschinen, schlecht ausgebildete Besatzungen, marode Technik, mangelhafte Wartung – Experten vergleichen das größte Land der Erde in Sachen Flugsicherheit mit Afrika. Es ist kein gutes Vorzeichen für Pläne der größten russischen Fluggesellschaft Aeroflot, im kommenden Jahr eine Billigairline einzurichten. Denn schon jetzt fliegt oft die Angst mit zwischen Ostsee und Pazifik.

Schon Touristen fällt bei Flügen nach Russland die Skepsis vieler Mitreisender auf. Immer wieder bekreuzigen sich Menschen vor Start und Landung. Vor Erleichterung klatschen viele Passagiere, wenn die Maschine erfolgreich auf den Boden zurückgekehrt ist. Wer viel reist in Russland, kennt auch die innere Anspannung wegen immer wieder verschobener Starts von Maschinen, in denen Sitzgurte fehlen oder Rückenlehnen wackeln. Und schließlich gibt es häufig auch Berichte über Alkoholprobleme in der Besatzung.

Wer viel Zeit hat im Riesenreich, fährt lieber mit dem Zug. Allzu gewöhnt sind viele Russen schon an Bilder wie nun die aus Kasan. Im größten Land der Erde kommt es immer wieder zu verheerenden Unfällen mit Dutzenden Toten. In Deutschland hat besonders der Absturz einer Maschine nahe der Stadt Jaroslawl im September 2011 für Aufsehen gesorgt, als eine ganze Eishockey-Mannschaft ums Leben kam, darunter der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich.

Auch schlechtes Wetter spielt oft eine Rolle. In Kasan herrschte zum Unglückszeitpunkt aber nur leichter Wind, es gab keinen Frost, die Bedingungen seien „nicht kritisch“ gewesen, sagt der Nachrichtensprecher im Staatsfernsehen. Stattdessen soll es sich, so melden Agenturen, um einen Pilotenfehler gehandelt haben. Mehrmals habe die Maschine vom Typ Boeing 737-500, die vom Moskauer Flughafen Domodedowo losgeflogen war, eine Landung versucht.

Plötzlich verliert das Flugzeug rasant an Höhe und schlägt schließlich hart auf der Landebahn auf. Die 23 Jahre alte Maschine wird in Teile gerissen, die Treibstofftanks explodieren in einem Feuerball. Die Dutzenden Opfer hatten wohl keine Chance. Die Reaktionen gleichen sich. Kremlchef Wladimir Putin zeigt sich schwer bestürzt, Ermittler kündigen eine Überprüfung der betroffenen Fluggesellschaft Tatarstan Airlines an.

Doch im Internet entlädt sich die Wut. Zu oft haben viele Russen die Ankündigung gehört, nun mehr in die Flugsicherheit zu investieren und schärfere Kontrollen durchzuführen. Im Staatssender Rossija-1 werde kaum ein Wort über das Unglück verloren, schimpft Anton Kirpitschew (@Anton_Kirpichev) bei Twitter.

Stattdessen drehe sich alles nur um Putin und die Olympischen Spiele in Sotschi. Doch auch die Hilfsbereitschaft ist groß. Viele Kasaner bieten kostenlose Transportmöglichkeiten zum mittlerweile gesperrten Flughafen an, andere ein Zimmer für die Nacht. In der Stunde der Trauer rücken die Menschen einmal mehr enger zusammen.

 

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