Milliardenverlust und teure Manager-Abfindungen: Deutsche Bahn weiter in der Krise

Abschreibungen beim Fernverkehr haben bei der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr erneut zu einem hohen Milliardenverlust geführt. Unter dem Strich verzeichnete der bundeseigene Konzern ein Minus von 2,3 Milliarden Euro, wie die Bahn mitteilte. Damit erhöhte sich der Verlust im Vergleich zum Vorjahr um rund 0,5 Milliarden Euro.
Hauptgrund dafür seien Wertminderungen bei der Unternehmenstochter DB Fernverkehr in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro. Die Sparte erwarte zukünftig aufgrund der anhaltenden Probleme bei der Infrastruktur deutlich niedrigere Umsätze. Da sich der Zustand des Netzes und damit auch die Pünktlichkeit nur langsam erholen, wirkt sich das längerfristig auf das Geschäft im Fernverkehr aus.
Mit Schenker fehlt ein Gewinnbringer
Hinzu kommt, dass die Deutsche Bahn die gut laufende Logistiktochter DB Schenker im vergangenen Jahr verkauft hat. Damit fehlt dem Konzern nun ein wichtiger Gewinnbringer. Der Verkaufserlös ging nahezu ausschließlich in den Abbau des hohen Schuldenbergs, der dadurch im vergangenen Jahr laut Bahn um knapp 12 Milliarden auf nunmehr 20,7 Milliarden Euro abgebaut werden konnte.
Trotz der hohen Verluste zeichne sich mit Blick auf die wirtschaftliche Krise eine Trendwende ab, teilte Bahnchefin Evelyn Palla mit. Der Konzern machte eigenen Angaben zufolge operativ, also vor Zinsen und Steuern (Ebit), einen Gewinn von 297 Millionen Euro und kam somit erstmals seit Jahren wieder in die schwarzen Zahlen. Der Umsatz stieg zudem um rund drei Prozent auf 27 Milliarden Euro.
Bei Umsatz und operativem Ergebnis hat die Bahn im vergangenen Jahr somit einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht, betonte Palla. Zufriedenheit sei gleichwohl fehl am Platz. "Erst wenn wir wieder nachhaltig Jahresüberschüsse erwirtschaften und Investitionen aus eigener Kraft stemmen können, sind wir am Ziel."
Bahnvorstände bekamen für 2025 rund 17,3 Millionen Euro
Die Vergütung alter und neuer Bahnvorstände belief sich im vergangenen Jahr inklusive Abfindungen und Bonus-Zahlungen auf insgesamt rund 17,3 Millionen Euro. Den größten Teil davon erhielt mit knapp 5,5 Millionen Euro der frühere Bahnchef Richard Lutz, wie aus dem aktuellen Geschäftsbericht des bundeseigenen Konzerns für 2025 hervorgeht.
Das Festgehalt von Lutz betrug dabei 1,4 Millionen Euro. Darüber hinaus bekam er infolge seiner Abberufung zum Oktober eine Abfindung von knapp 3,5 Millionen Euro plus Boni, sogenannte variable Vergütungen, in Höhe von rund 570.000 Euro.
Insgesamt rund 11,3 Millionen Euro Abfindungen
Weitere Vorstandsmitglieder verließen im vergangenen Jahr im Zuge einer Neuaufstellung bei der Bahn das Unternehmen, darunter die frühere Digital-Vorständin Daniela Gerd tom Markotten, Infrastrukturvorstand Berthold Huber und die Chefin der Güterverkehrssparte, Sigrid Nikutta. Insgesamt beliefen sich die Abfindungen für diese scheidenden Führungskräfte – inklusive Lutz – auf rund 11,3 Millionen Euro.
Deutlich bescheidener fielen die Vergütungen für die neuen Mitglieder des inzwischen nur noch sechsköpfigen Führungsgremiums aus. Die neue Bahnchefin Evelyn Palla kam inklusive variabler Vergütungen im vergangenen Jahr auf 1,17 Millionen Euro. Das war etwas weniger als der langjährige Personalvorstand Martin Seiler mit 1,22 Millionen Euro bekam. Insgesamt erhielten die aktuellen Vorstandsmitglieder knapp 3,7 Millionen Euro.
Nicht berücksichtigt ist in den Zahlen die Abfindung für die vorige Finanzchefin Karin Dohm. Am Donnerstagabend teilte die Bahn offiziell mit, dass Dohm nach nur vier Monaten das Unternehmen wieder verlassen wird.