Marmorierte Baumwanze: Schädling breitet sich in Deutschland aus

Sie sitzt an Hauswänden, verirrt sich im Herbst in Wohnungen und kann Obst und Gemüse beschädigen: Die Marmorierte Baumwanze breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Ursprünglich stammt die Wanze aus Ostasien. Inzwischen ist sie in Deutschland weit verbreitet - und beschäftigt zunehmend auch Landwirtschaft und Behörden.
Ist die Marmorierte Baumwanze eine invasive Art?
Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) ist eine gebietsfremde, in Deutschland etablierte Art. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und das Julius Kühn-Institut bezeichnen sie als invasive Art beziehungsweise invasive Schadwanze. Das Bundesamt für Naturschutz führt sie dagegen als potenziell invasive Art. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass negative Auswirkungen auf die Biodiversität in Deutschland bislang nicht eindeutig belegt sind.
Für die Landwirtschaft ist die Wanze dennoch relevant: Sie befällt zahlreiche Nutzpflanzen und kann dadurch erhebliche Qualitätseinbußen verursachen.
Seit wann gibt es die Marmorierte Baumwanze in Deutschland?
Ihre ursprüngliche Heimat liegt in Ostasien, unter anderem in China, Japan, Korea und Taiwan. Nach Europa gelangte sie vermutlich durch den internationalen Warenverkehr. Die Wanze gilt als besonders guter "Hitchhiker": Sie kann unbemerkt mit Waren, Fahrzeugen und anderen Transportmitteln über weite Strecken gelangen. Der erste europäische Nachweis erfolgte 2004. Anschließend breitete sich die Art in zahlreichen europäischen Ländern aus.
Der erste deutsche Nachweis stammt aus dem Jahr 2011. Damals wurde die Marmorierte Baumwanze in Konstanz am Bodensee entdeckt. Von dort aus breitete sie sich weiter aus. Nach Angaben der EPPO gibt es inzwischen Nachweise in allen deutschen Bundesländern, wenn auch in unterschiedlicher Häufigkeit.
Besonders früh und häufig wurde sie im Südwesten Deutschlands beobachtet, unter anderem in der Oberrheinebene und am Bodensee. Inzwischen gibt es größere Vorkommen auch in Regionen wie dem Rhein-Main- und dem Rhein-Neckar-Gebiet, dem Ruhrgebiet sowie in Städten wie Berlin, München und Nürnberg.
In Bayern ist die Marmorierte Baumwanze laut LfL mittlerweile im gesamten Bundesland anzutreffen, besonders in München.
Warum breitet sich die Stinkwanze so erfolgreich aus?
Ein Grund ist ihre große Anpassungsfähigkeit. Die Marmorierte Baumwanze hat ein sehr breites Spektrum an Wirtspflanzen. Die LfL nennt mehr als 300 Pflanzenarten - darunter Äpfel, Birnen, Kirschen, Beeren, Haselnüsse, Tomaten, Paprika und Bohnen.
Auch menschliche Verkehrswege spielen eine Rolle. Tiere können mit Fahrzeugen oder Waren in neue Gebiete gelangen und dort neue Populationen bilden.
Hinzu kommen klimatische Bedingungen: Höhere Temperaturen können die Entwicklung der Wanze begünstigen. In Deutschland bildet sie normalerweise eine Generation pro Jahr. Unter besonders günstigen Bedingungen kann auch eine zweite Generation entstehen.
Warum sitzen die Wanzen im Herbst an Häusern?
Im Herbst suchen Marmorierte Baumwanzen geschützte Orte für die Überwinterung. Dazu können Gebäude gehören. Deshalb sammeln sie sich häufig an sonnigen Hauswänden oder gelangen durch Spalten und Öffnungen in Wohnungen.
Die Tiere können weder stechen noch beißen. Werden sie gestört, können sie allerdings ein unangenehm riechendes Sekret abgeben - daher der Name "Stinkwanze".
Welche Schäden verursacht sie?
Problematisch wird die Marmorierte Baumwanze vor allem in der Landwirtschaft. Mit ihrem Saugrüssel sticht sie Pflanzen und Früchte an. Dabei können Verformungen, Flecken, Dellen und Nekrosen entstehen. Betroffen sind unter anderem Obst, Gemüse, Weinreben und Nüsse.
Besonders relevant ist die Wanze im Obstbau. Aus Norditalien wurden für 2019 Schäden von mehr als 500 Millionen Euro im Obstbau gemeldet. Diese Zahlen lassen sich allerdings nicht auf Deutschland übertragen. Hier sind die Schäden bislang regional unterschiedlich.
Bei den Auswirkungen auf die heimische Natur ist die Faktenlage weniger eindeutig. Zwar wird die Marmorierte Baumwanze als potenziell invasive Art beobachtet, eine erhebliche Gefährdung der Biodiversität in Deutschland ist bislang jedoch nicht eindeutig nachgewiesen.
Die Behörden beobachten deshalb ihre weitere Ausbreitung und mögliche Auswirkungen. Im Mittelpunkt steht derzeit insbesondere ihre Bedeutung als landwirtschaftlicher Schädling. Für Menschen ist die Marmorierte Baumwanze ungefährlich. Für Obst- und Gemüsebauern kann sie dagegen zunehmend zum Problem werden.