Mann mit Pistole auf Schulhof: Amokalarm in Esslingen

Nach einem Amokalarm an einer Berufsschule in Esslingen bei Stuttgart ist der Verdächtige doch flüchtig.
| dpa
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Die Polizei sperrt das Gebiet um die Schule weiträumig ab – der Verdächtige ist weiter flüchtig.
Sven Friebe/dpa Die Polizei sperrt das Gebiet um die Schule weiträumig ab – der Verdächtige ist weiter flüchtig.

Eine Schule bei Stuttgart löst einen Amokalarm aus, weil Schüler einen bewaffneten Mann beobachten. Die Polizei hat den Täter noch nicht und fährt Streife.

Esslingen - Stunden nach dem Amokalarm an einer Esslinger Schule patrouillieren an der nahegelegenen S-Bahn-Haltestelle noch einige bewaffnete Polizisten.

Vor der Schule in dem beschaulichen Esslinger Stadtteil Zell steht eine Streife mit zwei Polizeibeamten. Ermittler sind in Hab-Acht-Stellung und halten Ausschau nach einem unbekannten bewaffneten Täter, von dem sie nur eine vage Beschreibung haben.

Die Gegend rund um das betroffene Berufsschulzentrum in Baden-Württemberg erwacht am Nachmittag wieder zum Leben. Die Menschen können sich dort wieder frei bewegen. Die Schule jedoch ist menschenleer, alle Schüler wurden nach Hause geschickt.

Die Schulleitung hatte den Amok-Alarm gegen 10:30 Uhr am Montag ausgelöst, nachdem mehrere Schüler von einem Mann berichteten, der in die Schule gelaufen sein soll. Er habe die Schüler angesprochen und etwas gefragt, was diese aber nicht verstanden.

"Hier passiert ja nichts"

Als der Mann in Richtung Schulgebäude ging, soll er eine Schusswaffe im Hosenbund getragen haben. Kurze Zeit später habe er das Gelände in unbekannte Richtung verlassen und sei möglicherweise mit einem Motorrad weggefahren. Sofort rücken schwer bewaffnete Polizisten und Rettungskräfte aus.

Am Nachmittag beruhigt sich die Lage nach der ersten Aufregung wieder. Henning Griesshaber (51), der in derselben Straße einen Werkzeughandel führt, öffnete sein Geschäft deshalb wieder. Besorgt sei er nicht, denn "hier passiert ja nichts", sagte er. Als die Straße um die Schule am Morgen von der Polizei abgeriegelt worden war, habe er sich mit seinen Mitarbeitern eingeschlossen.

Über das Internet habe er sich dann über die Geschehnisse draußen auf dem Laufenden gehalten. In der Zwischenzeit hatten die Ermittler einen Mann wieder freigelassen, den sie anfangs verdächtigten. Während die Schule von den Polizisten durchsucht wurde, konnten die Schüler Eltern und Freunden per Handy mitteilen, dass sie in Sicherheit seien.

Lucas Fischer, 17, der eine andere Schule besucht, berichtete, dass er von Freunden sofort informiert wurde. Die Schule sei von Polizisten mit Maschinenpistolen umstellt worden. Mittlerweile seien seine Freunde zu Hause.

Seit 2009 bei einem Amoklauf an einer Realschule in Winnenden 14 Menschen ums Leben gekommen sind, haben die Schulen in Baden-Württemberg ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft und einen Krisenplan für den Ernstfall entworfen. Das hat sich bei dem Amokalarm in Esslingen bemerkbar gemacht.

Wie eine Mitarbeiterin der Schule mitteilte, wurde in allen Räumen und Toiletten der Friedrich-Ebert-Schule Alarm ausgelöst. "Das ist alles sehr geordnet abgelaufen. Es gab gar kein Chaos", sagte sie. Trotzdem wisse man in den ersten Momenten nicht, was genau vor sich gehe.

Täterbeschreibung

Die Polizei rückte unter anderem mit Spezialeinsatzkräften und zwei Hubschraubern aus. Die Schule wurde durchsucht. Einem Sprecher zufolge wurde dabei nichts gefunden. Die Schüler sollten sich auf einem Platz sammeln, wo ihre Eltern sie abholen konnten. An dem Sammelpunkt wurde den Schülern Hilfe angeboten, etwa 670 Menschen wandten sich an die Einsatzkräfte und wurden betreut.

Die Polizei beschrieb den Gesuchten als etwa 17 bis 19 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß mit dunklem Teint und schlank. Er habe einen Drei-Tage-Bart, trage ein umgedrehtes Käppi, eine Brille, ein blaues T-Shirt und eine helle kurze Hose.

Der Verdächtige soll demnach mit einem Motorrad geflüchtet sein. Auch Schulen und Kindergärten in der Nähe wurden vorsorglich verbarrikadiert, wie die Polizei auf Twitter mitteilte.

An die Eltern appellierten die Beamten: "Bitte haben Sie Geduld und bleiben Sie den Schulen fern. Wir brauchen den Platz für die Einsatzkräfte." Die Ermittler baten auf Twitter zudem, keine Fotos der Einsatzkräfte online zu veröffentlichen, bis der Einsatz beendet ist.

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