Malaria-Symptome: So fühlt sich die Krankheit an

In Afrika steigt die Zahl der Malaria-Ansteckungen wieder an. AZ-Redakteurin Rosemarie Vielreicher bekam die Krankheit in Tansania - und erzählt hier von ihren Erlebnissen. 
| Rosemarie Vielreicher
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Eine Anopheles-Mücke. Diese Tiere übertragen den Erreger und stechen vor allem nachts zu.
US CfDCaP/EFE/dpa Eine Anopheles-Mücke. Diese Tiere übertragen den Erreger und stechen vor allem nachts zu.

Malaria ist heilbar. Und trotzdem für viele Menschen tödlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt erneut Alarm: 2017 wurden nach Jahren des Erfolges zum zweiten Mal in Folge wieder mehr Malariafälle registriert.

Im Vergleich zu 2016 zwei Millionen mehr, insgesamt waren es 219 Millionen Ansteckungen. Gut 90 Prozent aller Erkrankungen sind in Afrika. Die Zahl der Menschen, die an Malaria starben, ging 2017 leicht auf 435.000 zurück (2016: 451.000). Unter den Opfern waren rund 266.000 Kleinkinder bis zu fünf Jahre.

AZ-Report: Meine Diagnose Malaria

Drei Monate lang hat die AZ-Redakteurin Rosemarie Vielreicher im Busch Tansanias in der Bücherei einer Grundschule gearbeitet. Dabei hat auch sie die Diagnose bekommen: Malaria.

Hier schreibt sie, wie sich das angefühlt hat und warum die Menschen in afrikanischen Ländern dringend Unterstützung im Kampf gegen die Krankheit brauchen:

35 Grad im Schatten, ich friere. Mein Kopf schmerzt, als würde im Inneren ein Vulkan brodeln und gleich ausbrechen. Meine Augen blinzeln in Zeitlupe. Ich will nur noch in mein Insektennetz-Himmelbett, aber ich muss im Busch-"Krankenhaus" warten. Ich kann froh sein, dass es hier, im tiefsten Tansania, überhaupt einen Arzt in der näheren Umgebung gibt. Einheimische, die noch abgelegener leben, müssen große Strapazen auf sich nehmen, um behandelt zu werden. Nur die wenigsten haben ein Auto, die Strecken sind holprig und gefühlt unendlich.

Ich krümme mich im Wartezimmer. Das heißt: auf einer Holzbank unter freiem Himmel. An der Anmeldung gackert ein Huhn, ein anderer Patient trägt es unterm Arm. Damit will er den Arzt bezahlen, genügend Schilling hat er nicht.

Eine Anopheles-Mücke. Diese Tiere übertragen den Erreger und stechen vor allem nachts zu.
Eine Anopheles-Mücke. Diese Tiere übertragen den Erreger und stechen vor allem nachts zu. © US CfDCaP/EFE/dpa

Ich möchte nicht vorgreifen, aber mein Medikament wird später umgerechnet gerade einmal drei Euro kosten. Zu viel für die Ärmsten der Armen.

Mein Blut wird getestet. Die Diagnose, die mir die Kinder meiner Schule schon vorher prophezeit haben: Malaria. Trotz Mückennetz, trotz Insektenspray und Prophylaxe. Alles westliche Privilegien, die mich monatelang bestens beschützt haben. Mein Risiko war dadurch recht gering, das der Einheimischen ist riesig.

Besonders bitter: Viele Kinder müssen Nacht für Nacht ohne Schutznetz schlafen, während die gefährlichen Mücken über ihnen kreisen.

Jeder hier hatte schon mal Malaria, jeder hat schon von jemandem gehört, der daran gestorben ist. Weil er sich nicht davor schützen konnte. Weil kein Arzt in der Nähe war. Weil er sich die Behandlung nicht leisten konnte. Oder weil sein schlecht ernährter Körper einfach zu schwach war.

Ich dagegen habe Glück: Meine Prophylaxe ringt schon mit dem Erreger. Das raubt mir Energie, deswegen fühle ich mich so schlapp wie bei einer schweren Grippe. Ich bekomme weitere Tabletten verschrieben – sie sind neon-orange und kugeln in einer unbeschrifteten Papiertüte herum. Was das genau war? Bis heute keine Ahnung. Aber es hat mich geheilt.

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