Leichen über Monate gehortet: Haft für Bestatter in England

Ein Bestatter hortet monatelang Leichen und betrügt seine Kunden auf perfide Weise. Nun muss er ins Gefängnis. Die Ergebnisse der Ermittlungen zeichnen ein grausiges Bild.
dpa |
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Ein Bestatter wurde in England zu 20 Jahren Haft verurteilt.
Ein Bestatter wurde in England zu 20 Jahren Haft verurteilt. © Scott Heppell/PA Wire/dpa
Hull

Weil er Dutzende Leichen gehortet und trauernden Familien die Asche von Fremden ausgehändigt hat, ist ein Bestatter in England zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Der 48-jährige Mann bekannte sich zu 67 Straftaten schuldig, darunter 30 Fälle der Verhinderung einer rechtmäßigen und würdevollen Bestattung. Der Fall, über den britische Medien seit langem berichten, hatte in Großbritannien Entsetzen ausgelöst.

Bei einer Razzia in dem Bestattungsunternehmen im März 2024 entdeckten Ermittler ein "schockierendes Bild", wie die Nachrichtenagentur PA aus dem Gerichtssaal in der nordenglischen Stadt Hull berichtete. Dutzende Leichname wurden gefunden, die den Angaben nach teils bereits verwest zurückgelassen worden waren. Asche war zudem in verschimmelten Kartons und verstreut auf dem Boden gefunden worden. 

Viele Leichen - darunter auch die Leiche eines ungeborenen Babys - hätten demnach bereits Monate zuvor eingeäschert werden sollen. Im Laufe der Ermittlungen konnten laut PA zudem 57 weitere Familien identifizieren werden, die falsche oder gar keine Asche bekommen hatten.

Richter: Mann handelte aus "finanzieller Gier"

Der Bestatter habe "Leid und Schmerz in einem Ausmaß verursacht, das jegliches Vorstellungsvermögen übersteigt", sagte der Richter PA zufolge. Es gebe keinen Zweifel, dass sich der 48-Jährige "aufgrund finanzieller Gier auf solch betrügerische Weise verhalten hat".

Über Jahre habe der Bestatter das Vertrauen seiner Kunden auf vielfältige Weise missbraucht, so der Richter. "Wenn er einen Sarg, für den bereits jemand bezahlt hatte, wiederverwenden konnte, tat er das. Wenn es billiger war, jemanden unter ungekühlten Bedingungen aufzubewahren, tat er auch das." Viele seiner Kunden könnten sich bis heute nicht sicher sein, tatsächlich die Asche ihrer Angehörigen bekommen zu haben.

In den vergangenen Tagen schilderten Angehörige vor Gericht ihren Ekel und ihr Entsetzen über die Taten, während der Mann auf der Anklagebank saß. Laut PA wurden die Aussagen von mehr als 200 Opfern verlesen. Viele, die ihre Erklärungen persönlich vorbrachten, brachen dabei in Tränen aus.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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