Laptop statt Klapprechner

Weil er so viele Anglizismen erlaubt, bekommt ausgerechnet der Duden den Titel „Sprachpanscher des Jahres“ verliehen
| Michael Heinrich
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Ob die beiden gerade Englisch lernen?
dpa Ob die beiden gerade Englisch lernen?

 

Weil er so viele Anglizismen erlaubt, bekommt ausgerechnet der Duden den Titel „Sprachpanscher des Jahres“ verliehen

München Das ist schon ein herber Schlag: Ausgerechnet der Duden muss sich jetzt mit dem Titel „Sprachpanscher des Jahres“ schmücken. Der Grund, so der Verein Deutsche Sprache (VDS): die vielen in dem renommierten Nachschlagewerk empfohlenen Anglizismen. Doch die Duden-Redaktion konterte umgehend: „Wir machen die Sprache nicht, wir bilden sie objektiv ab“, sagte eine Sprecherin.

„Wer in einem Wörterbuch der deutschen Sprache als Ersatz für Fußball den lächerlichen Angeber-Anglizismus ’Soccer’ vorschlägt, hat es nicht besser verdient“, sagt VDS-Vorsitzender Walter Krämer zu Begründung des Abstimmungsergebnisses unter den rund 36000 Vereinsmitgliedern. Der Duden trage wie kaum eine andere Organisation dazu bei, dass sich „sprachliches Imponiergehabe im Glanze einer quasi amtlichen Zustimmung sonnen dürfe“. Damit, so VDS-Sprecher Holger Klatte zur AZ, „kommt der Duden seiner Aufgabe als Sprachwahrer nicht nach und orientiert sich zu stark an der Umgangssprache“.

Die Soccer-Player chillten

Dagegen würden, so Vorsitzender Krämer, durchaus gebräuchliche Eindeutschungen von englischen Begriffen – Klapprechner statt Laptop, Nachsteller statt Stalker, Netzhandel statt E-Business – überhaupt nicht auftauchen. Krämer: „Dabei weist zum Beispiel der Klapprechner bei Google 34000 Treffer auf.“ Besonders dass der Begriff Soccer vom Duden sanktioniert wird, hat es den Sprachwächtern angetan, die sich seit Jahren als „Speerspitze im Kampf gegen das unnötige Verdrängen deutscher Begriffe durch Importe aus dem angelsächsischen Ausland“ sehen. Klatte: „Man fasst sich an den Kopf, dass nach dem Duden ein Satz wie ’Die Soccer-Player chillten overdressed nach dem Meeting ab’ ein völlig korrekter deutscher Satz ist.“

Shitstorm, Shocking, Shooting

Auf manchen Seiten des „Wörterbuches der deutschen Sprache“ stünden mehr englische als deutsche Wörter. Klatte nennt als Beispiele die Seite 977f. mit diesen Begriffen: „Shake, Shakehands, Shaker, Shampoo, Shampoon, Shannon, Shanty, Shantychor, Shapingmaschine, Share, Shareholder-Value, Shareware, Shaw, Shedbau, She-DJ, Sheffield, Shelley, Sheriff, Shirt, Shit, Shitstorm, Shocking, Shooting, Shootingstar, Shop, Shopaholic, shoppen, Shopper, Shopperin, Shopping, Shoppingcenter, Shortlist, Shorts, Short Story, Shorttrack, Shorty, Show, Showblock, Showbusiness, Showcase, Showdown“.

 

Oder auf Seite 791: "out, Outback, Outcast, outdoor, Outdoor, Outeinwurf, outen, Outfit, Outing, Outlaw, Outlinie, Out-of-area-Einsatz, Out-of-the-box-Lösung, Outperformer, Output, Outsider, outsourcen, Outsourcing, Outtake, Outwachtler So werde der Duden zu einem „Einfallstor für überflüssige Worte aus dem Englischen“

 

Give-Aways für die SPD-Campaigner

Keine Chance gegen die „Sprachpanscher aus der Duden-Redaktion“ hatten, so der VDS, die anderen vier Kandidaten für den Titel: Finanzminister Wolfgang Schäuble („There will be no Staatsbankrott“), weil er seit Jahren „mit seinen unbeholfenen Exkursionen ins Englische auffällt“. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die die Wahlkämpfer „Campaigner“ nennt und sie mit „Give-Aways“ ausstattet. Die Spielwarenfirma Playmobil, weil sie Rennwagen „Heat Racer“ und den Frisör im „CityLife“ „Beauty Salon“ nennt. Den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, weil er seine Weihnachtsaktion „Merry Christmas“ taufte.

 

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