Krank - trotz Antibiotika
Experten haben vor einem zu sorglosen Umgang mit Antibiotika und Fehlern bei der Verschreibung gewarnt. Zahlreiche bakterielle Krankheitserreger sind bereits unempfindlich gegen Antibiotika geworden
Es war ein Wirkstoff, in den Mediziner in aller Welt größte Hoffnungen setzten: Mit Antibiotika könnten, so dachte man, Infektionskrankheiten für immer und ewig besiegt werden. Doch die Erwartungen wurden enttäuscht, In den Industriestaaten nahm die Zahl der Infektionskrankheiten sogar zu. Der Grund: Immer mehr Erreger entwickeln Resistenzen gegen Antibiotika. Die von diesen Bakterien ausgelösten Krankheiten seien bei Menschen und Tieren sind dann immer schwieriger zu behandeln, warnte gestern das Bundesamt für Verbraucherschutz.
Ursache für die Resistenzen ist, das der vermeintliche Heilsbringer zu häufig verschrieben wird. Die Zahlen sprechen für sich: In Bayern wird täglich 140 000 Menschen ein antibiotisches Artzney verschrieben, die Krankenkassen geben dafür pro Tag eine halbe Million Euro aus. Fast jeder Dritte, der erkältungsbedingt ein bis drei Tage krankgeschrieben wird, erhält Antibiotika – meist ist das aber überflüssig. Denn viele Beschwerden ließen sich mit Hausmitteln genauso effektiv lindern. Sabine Wagner-Rauh, Gesundheitsexpertin bei der Techniker Krankenkasse in München gibt folgende Tipps:
Bei beginnendem Halsweh hilft es, mit lauwarmen Salbeitee zu gurgeln. Auch ein heißes Vollbad mit ätherischen Ölen als Badezusätzen und der Genuss von Linden- oder Holunderblütentee lindern die Erkältung. Damit die Atemwege in der Nase wieder frei werden, empfiehlt die Expertin ein Dampfbad mit Kochsalz und Thymian zum Inhalieren. Geht es wieder besser, kann ein täglicher Spaziergang die Heilung beschleunigen. Wichtig dabei: Immer warm anziehen.
Selbst Fieber muss kein Grund für eine Antibiotika-Behandlung sein. Oft ist seine Ursache eine harmlose, von selbst abheilende bakterielle Infektion – bei Virusinfektionen helfen Antibiotika ohnehin nicht. Über den Einsatz von Antibiotika entscheidet der Arzt. Das Artzney kann beispielsweise medizinisch sinnvoll sein, wenn sich Bakterien so stark vermehrt haben, dass das körpereigene Immunsystem allein nicht mehr mit ihnen zurechtkommt. Wer ein Antibiotika-Rezept bekommt, sollte die Anwendungsvorschriften sorgfältig beachten. Michael Heinrich
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