Kontaktanzeigen aus dem Knast: Böser Junge sucht...

Auch wer im Knast sitzt, sehnt sich nach Liebe. Viele geben deswegen Kontaktanzeigen auf. Aber auch das hat seine Grenzen.
| Rosemarie Vielreicher
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Böser Junge sucht Liebe - Kontaktanzeigen aus dem Knast.
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. . . eine Räuberbraut: Auch wer im Knast sitzt, sehnt sich nach Liebe. Viele geben deswegen Kontaktanzeigen auf. Aber auch das hat seine Grenzen.

München/Straubing - Langhaariger Knacki, 33/178, aus Bayern mit Wampe, Hirn und derben Humor sucht eine Sie zwischen 25 und 45 J. zum Schreiben und gerne auch mehr.“ Auch dieser Herr wäre noch zu haben: „Ich, 46/ 170/90, durchgeknallter Bayer suche eine Räuberbraut, die sich traut!“

Oder wer hätte vielleicht an dieser Frau Interesse? „Gefährlich, aber ehrlich. Sie, 47 J., hinter Gittern, sucht BK (Anm. d. Redaktion: Briefkontakt), um Zeit totzuschlagen.“

Sie alle sitzen im Knast. Aber nur, weil sie dicke Mauern von der Außenwelt abtrennen, wollen viele Inhaftierte nicht einsam sein. Aber was sollen sie tun? Natürlich das, was auch einsame Menschen in Freiheit machen: Sie geben eine Kontaktanzeige auf.

 

„Einsamer Bandit, der hinter schwedischen Gardinen sitzt“

 

Verheimlicht wird die Situation nicht. Das hilft in diesem Fall sowieso nichts. Spätestens, wenn man sich mal treffen will, muss man die Adresse angeben – und die ist eben die einer Justizvollzugsanstalt. Deswegen gehen die meisten Menschen in den Anzeigen recht offensiv mit dem Thema um.

Zum Beispiel sucht Andreas, Jahrgang 1969, im Internet jemanden zum Briefe schreiben. Seine Selbstbeschreibung: „So scharf! Der gehört hinter Gittern! Aber ansonsten ein fabelhafter Mann, Freund und Mensch. In Freiheit fahre ich gerne Motorrad.“

Gefängnisinsasse Gökhan aus Geldern bietet sich in einer Internet-Anzeige so an: „Ein einsamer Bandit, der zur Zeit hinter schwedischen Gardinen sitzt, sucht eine nette, sympathische und ehrliche Frau für nette Brieffreundschaften.“

Allein in der ältesten und größten Gefängniszeitung namens „Lichtblick“ mit einer Auflage von 7500 Exemplaren erscheinen jedes Quartal bis zu 150 solcher Gesuche – acht Seiten sind in der aktuellen Ausgabe reine Liebes-Annoncen. Die Kontaktbörse ist kostenlos, auch ein Foto kann umsonst abgedruckt werden. Die Verurteilten, denen das dann doch zu offensiv ist und die nicht wollen, dass ganz Deutschland und die Welt ihr Gesicht kennen – die Anzeigen sind nämlich frei im Internet zugänglich –, können die Augenpartie mit einem schwarzen Balken unkenntlich machen lassen, heißt es auf der Partner-Börse. Ob es damit mit der Liebe auf den ersten Blick klappt? Wer weiß.

Die Resonanz auf die Anzeigen ist jedenfalls groß: Bis zu 600 Antworten landen regelmäßig in der Lichtblick-Redaktion – von Inhaftierten und Nicht-Inhaftierten aus ganz Deutschland eingeschickt. Aber auch im Internet gibt’s diverse Möglichkeiten für Häftlinge, auf Kontaktsuche zu gehen. Etwa die Internetseite „Jailmail“ (Gefängnis-Post). Auch hier inserieren Männer und Frauen jeglicher Altersgruppen und Vorlieben.

 

Sicherheit geht vor: Das Gefängnis darf mitlesen

 

Der Seiten-Betreiber macht aber auch klar, dass man beim Schreiben mit Häftlingen nicht ganz ungestört ist: Briefe können im Strafvollzug zwar empfangen und abgeschickt werden. Allerdings darf der Briefverkehr vom Gefängnis überwacht werden – das bedeutet, dass mitgelesen werden kann und es womöglich länger dauert, bis der Brief ankommt.

Gegenstände oder Geld dürfen ebenfalls nicht beigelegt werden. Briefmarken für maximal drei Standardbriefe sind als Brief-Inhalt aber meistens erlaubt. Bei wem sich nach dem einen oder anderen Brief doch mehr oder gar die große Liebe entwickelt, der muss sich nicht nur danach richten, wann der Liebste Lust hat, sondern wann das Gefängnis seine offiziellen Besuchszeiten hat. Oder die Haftstrafe abgesessen ist.

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