Kachelmann-Prozess: Der Mann, der die Polizei rief

Fall Kachelmann: Im Vergewaltigungs-Prozess gegen den Wettermoderator hat der Vater des mutmaßlichen Opfers ausgesagt. Er kannte den Schweizer seit vielen Jahren.
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Wettermoderator Jörg Kachelmann
dpa Wettermoderator Jörg Kachelmann

MANNHEIM - Fall Kachelmann: Im Vergewaltigungs-Prozess gegen den Wettermoderator hat der Vater des mutmaßlichen Opfers ausgesagt. Er kannte den Schweizer seit vielen Jahren.

Er wählte am 9. Februar die 110, gab den Hörer seiner Tochter und brachte damit den Vergewaltigungs-Prozess um Wettermoderator Jörg Kachelmann erst ins Rollen: Am Montag hat im Mannheimer Gericht der Vater des mutmaßlichen Opfers Sabine W. ausgesagt. Er stand dem Mann gegenüber, der seine 37 Jahre alte Tochter vergewaltigt und gedemütigt haben soll.

Weil Dinge „aus dem Intimbereich und engeren Familienbereich“ zur sprache kommen sollten, wurde die Öffentlichkeit erneut vom Prozess ausgeschlossen. Das Gericht wollte vor allem die Frage klären, welche Art von Beziehung der Angeklagte und das mutmaßliche Opfer geführt haben. Elf Jahre waren die Eltern von Sabine W. schließlich davon ausgegangen, dass diese in fester Beziehung mit Jörg Kachelmann lebte. Von seinen zahlreichen anderen Geliebten wussten sie nichts.

Anfang Februar änderte sich für die Schwetzinger Familie alles. Am 9. Februar soll sich die Radiomoderatorin Sabine W. zuerst ihren Eltern, die nur ein paar Häuser entfernt wohnen, anvertraut haben: Kachelmann habe sie in der Nacht vergewaltigt. Gegen acht Uhr morgens wählte der 71 Jahre alte Vater, pensionierter Lehrer und lange als Schöffe tätig, den Notruf. Er nannte kurz seinen Namen und gab den Hörer an seine Tochter weiter.

Eine Aufzeichnung des Telefonats war bereits an einem früheren Verhandlungstag im Saal vorgespielt worden. „Ich bin heute Nacht vergewaltigt worden und weiß nicht, was ich jetzt machen soll", sagt Sabine W. in der Aufnahme. Auf die Nachfrage „Von wem?“ sagt sie nach längerem Zögern „Von meinem Freund.“ Der Name Kachelmann fiel erst bei der Vernehmung, zu der Sabine W. von ihrer Mutter begleitet wurde. Diese hat bereits vor ein paar Tagen vor Gericht ausgesagt.

Nun sollte sich der Vater äußern. Um ihn hatte es im Vorfeld der Verhandlung einigen Wirbel gegeben. Der Grund: Er soll den Vorsitzenden Richter Michael Seidling aus einem Sportverein kennen. Doch ein Befangenheitsantrag – dessen eindeutiger Anlass bis heute nicht geklärt ist – wurde abgelehnt vor Prozessbeginn abgelehnt.

In den kommenden Tagen sollen mehrere Ex-Geliebte von Kachelmann vor Gericht aussagen, am 13. Oktober dann das mutmaßliche Opfer selbst – aller Wahrscheinlichkeit nach wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit. va

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